Testbericht

Standbox Isophon Tofana Diamant

Die zweiteilige Tofana Diamant (44000 Euro das Paar) ist der aufwändigste Schallwandler in der langen Isophon-Geschichte - und fraglos die derzeit beste Box "Made in Germany".

  1. Standbox Isophon Tofana Diamant
  2. Datenblatt
Standlautsprecher Isophon Tofana Diamant

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Standlautsprecher Isophon Tofana Diamant
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Der Diamant-Hochtöner ist ein für Isophon extra angefertigtes Modell des Herstellers Thiel. Er arbeitet mit dem weltweit stärksten Magnetmaterial (einem Eisen/Neodym-Mix) und ist so um 5 Dezibel lauter als die Normalversion.

Eigentlich ist Isophon-Chef Roland Gauder ein Mann für ganze Sachen. Doch bei seiner neuen Tofana kam er um eine Zweiteilung einfach nicht mehr herum. "Bei der Entwicklung haben wir so viel ausprobiert", stöhnt der promovierte Physiker aus dem schwäbischen Renningen, "aber die Anforderungen an Bass- und Mittelhochtongehäuse sind einfach zu verschieden, als dass man sie in einem Gehäuse unterbringen könnte. Im Mittelhochton muss es relativ leicht, aber sehr steif sein, im Bass schwer und schallschluckend." Erstaunlich, denn bislang waren alle Isophon-Boxen einteilig, und sie klingen ja beileibe nicht übel. Andererseits folgt auch B&W mit den Marlan-Aufsätzen der Nautilus-Serie exakt diesem Ansatz. Und Roland Gauder wollte mal die Grenzen des bislang Erreichten sprengen.

Die Tofana ist mit ihrer Höhe von 144 Zentimetern, einem Kampfgewicht von 100 Kilo und dem ganz und gar unschwäbischen Anschaffungspreis von 44000 Euro größer, aufwändiger und teurer als jeder andere Isophon-Schallwandler zuvor. Dennoch stellt sich bei genauer Betrachtung der Bestückung ein Deja-vu ein: Genau die gleichen drei 9-Zoll-Tieftöner, der gleiche charakteristische 6-Zoll-Mitteltöner und die bekannte Diamant-Kalotte - ist die Tofana einfach nur eine neu verpackte Arraba (Test in stereoplay 11/06, 64 Klangpunkte)?

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Der Mitteltöner mit sehr steifer und leichter Keramik-Membran (14 Gramm) sowie extra-starkem Eisen/Neodym-Antrieb ist 4,5 (!) Kilo schwer. Der Edeltreiber überträgt den klangsensiblen Bereich von 180 bis 3200 Hertz.

Nein, das würde dem neuen Isophon-Flaggschiff nicht gerecht. "Der große Entwicklungsschritt war diesmal nicht technischer, sondern mechanischer Natur", sagt Gauder und meint damit das sehr aufwändige Gehäuse. "Durch die Zweiteilung hört man so viel mehr." Deshalb entstand eine gänzlich neue Konstruktion - mit neuer Frequenzweiche sowie Mittel- und Hochtönern, die über viel stärkere Magnetantriebe (und damit Wirkungsgrad) verfügen als die der Arraba.

Die Tieftöner sind die gleichen wie in der kleineren Schwesterbox, dafür lässt das Bassgehäuse der Tofana staunen. Die Seitenwände bestehen aus geschlitzten Spanplatten. Diese sind in einer Richtung biegbar, und so kann man mit ihnen wunderbar geschwungene Gebilde erstellen. Die Stabilität entsteht durch Verklebung mehrerer Lagen übereinander. In der Tofana sorgen drei Lagen für extreme Steifigkeit. Die entstehenden Schlitze sind mit feinem Quarzsand aufgefüllt - 22 Kilo pro Box - und tragen so zum nötigen Gewicht bei. Gauder: "Das bringt die perfekte Schalldämmung." Der Mittelhochtonaufsatz hingegen ist viel leichter; seine Wände bestehen aus nur einer Lage geschlitzter Spanplatte, die zusätzlich versteift ist und deren Fugen komplett mit Harz ausgegossen werden.

Der Hochtöner der 144-Zentimeter-Box sitzt so hoch, dass man wohl nur mit einem ausfahrbaren Friseurstuhl wie in Chaplins "Der große Diktator" den Kopf auf Tweeterhöhe bringen kann. Dennoch sei diese Hochtöner-Position bewusst gewählt, sagt Gauder. Zum einen wolle er auch in großen Räumen für große Klangbilder sorgen. Dafür, das stimmt, sollte der Tweeter weit oben sitzen. Zum anderen kämen die lästigen Bodenreflexionen bei dieser Hochtöner-Höhe erst sehr spät. Und außerdem strahle die 20-Millimeter-Diamant-Kalotte so breitbandig ab, dass man auch in einer Hörentfernung von 2,5 Metern fast den vollen Pegel erleben kann. Der Mann hat recht: Genau genommen ergibt sich bei 30 Grad außerhalb der Achse (die blaue Kurve im Frequenzgangschrieb) die ausgewogenste Wiedergabe.

Besser als ein 38er Bass

Aber auch für den Bassbereich hat die Bauhöhe Vorteile: Die drei 9-Zöller regen den Raum so viel gleichmäßiger an als nur ein großer Tieftöner in Bodennähe. Gauder: "Das klingt so sauber und druckvoll, da kommt kein 38er mit." Allerdings hat der Entwickler auch ein bisschen gemogelt und der Tofana eine 5-Dezibel-Extraportion Bass bei 55 Hertz spendiert, die selbst durch die Schalter am Terminal nicht zu bändigen ist. Und, wo wir schon beim Frequenzgang sind: Es gibt einen schmalen Einbruch um 3500 Hertz. Gauder, dem normalerweise ein linearer Frequenzgang über alles geht, gesteht: "Natürlich hätten wir den Schrieb auch topfeben hinbekommen. Aber da klang es uns zu direkt, zu offen. Diesen Lupeneffekt will man ja gar nicht immer. Mit der schmalen Senke hat die Tofana viel mehr Luft, Schmelz und Leichtigkeit."

Überhaupt die Messwerte: Der bei Isophon obligatorische 12-Dezibel-Hochpass (arbeitet wie ein Subsonic-Filter) sorgt für hohe Belastbarkeit und tiefe Bässe - aber auch für ein unerfreuliches Impedanzminimum von 1,6 Ohm bei 24 Hertz.

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Der Tieftöner ist mit seinen 22 Zentimetern Durchmesser der zurzeit größte Treiber vom Edel-Zulieferer Thiel. Wegen Größe und Härte der Keramik-Membran ist hier der Berührungsschutz durch das Gitter besonders wichtig.

Tofana mit Röhren-Amp?

Der im Messlabor ermittelte mittlere Kennschalldruck von 82,3 Dezibel (2 Volt/1 Meter) stellt zumindest für zarte Röhrenverstärker ebenfalls kein ideales Umfeld dar - auch wenn die Tofana auf der HIGH END an den großen Octave-(Röhren-) Endstufen überragend klang.

Aber die Kombination von Tofana plus kleiner Röhre ist im stark bedämpften stereoplay-Hörraum nicht sinnvoll, zumal wir mit der Thorens TEM 3200 (an der die Tofana auch entwickelt wurde) und den beiden Referenz-Endstufen Ayre MX-R und T+A M 10 wohl mit das Beste auffahren können, was in puncto üppiger Edelleistung derzeit zu haben ist. Wir probierten die Tofana natürlich mit allen dreien, und - präzise wie sie ist - arbeitete sie sorgsam die unterschiedlichen Charaktere der Kraftwerke heraus. Aber dieses Differenzierungsvermögen ist keineswegs die herausragende Eigenschaft der neuen Super-Isophon. Sie ist ein Lautsprecher, der sofort begeistert, der mitreißend spielt und einfach Spaß macht. Das liegt vor allem an ihrer frappierenden Schnelligkeit und Offenheit. So quirlig, plastisch, energisch habe ich die Obertöne von Jack Johnsons Gitarre in "Breakdown" (In Between Dreams / Universal) bislang nur von besten Elektrostaten gehört. Und wie fantastisch leicht ihr das Auffächern des komplexen Hochtongeflechts in Monty Alexanders "Hurricane Come On Gone" ("Carribean Circle", in-akustik) von der Hand beziehungsweise von den Chassis geht. Dazu gehört auch, dass die plastische Abbildung der Einzelinstrumente überragend gut gelingt: nicht tief, aber ungemein vielschichtig, vergleichbar der 3D-Technik im Kino, die habhaften Raum bringt und einzelne Schallereignisse realistisch dicht vor die Nase des Hörers projiziert. Das alles thront auf einem enorm respektablen Bassfundament, das - hoppla! - herrlich groovend und substanziell satt daherkommt.

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Die Zeichnung zeigt den komplexen Aufbau einer Wand des Tofana-Bassgehäuses.

Der Bass hat herrlich Kraft

Die bärigen E-Bassimpulse von Yuri Honing in "Walking On The Moon" meisterte die Tofana absolut mühelos und souverän. Und das, obwohl ihr Bass gar nicht so sehr tief reicht und der unverzerrte Maximalpegel mit 103 Dezibel alles andere als rekordverdächtig ist. Doch Messwerte spielen hier eigentlich keine Rolle: Der Tofana-Bass hat so viel Kraft und Nachdruck, dass beim Hören nie der Wunsch nach mehr aufkommt. 

Die ultimative Box also?

Fast. Denn immer, wenn es wirklich laut wird, verliert die Tofana ihre famose Übersicht, und die satten Klangfarben dünnen aus. Das kann die Referenz Magico M5 besser. Auch bei hohem Pegel trifft sie den charakteristischen Ton einer Oboe genauer, der Korpus von Jack Johnsons Gitarre klingt noch mehr nach Holz und wird plastischer ausgemalt.Dennoch ist die Tofana einer der präzisesten, ja großartigsten Schallwandler der letzten Jahre. Zumindest "Made in Germany" kenne ich derzeit nichts Besseres.

Isophon Tofana (Diamant)

HerstellerIsophon
Preis44000.00 €
Wertung68.0 Punkte
Testverfahren1.0

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