Standbox

PSB Imagine X1T im Test

PSB-Chefentwickler Paul Barton steht seit jeher technischen Standards kritisch gegenüber. Auch die Imagine X1T wurde deshalb auf menschliche Hörgewohnheiten und Ansprüche in Wohnumgebungen abgestimmt. Wie sich das auf den Klang auswirkt, zeigt der Test.

PSB Imagine X1T

© PSB

PSB Imagine X1T
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EUR 778,80

Pro

  • sanfte, tiefe, eher ruhige Gangart
  • spricht Genießer von Blues, Folk, Country und Kammerorchester an
  • funktioniert auch in halligen Räumen

Contra

  • keine Box für jedermann
Vielversprechend

Kleine Standboxen haben es etwas schwer: Sie sollen ein gesteigertes Klangvolumen bieten und sich zudem perfekt in den Wohnraum integrieren. Einerseits sollen sie schon ein beachtliches Maß an Tiefton-Fundament liefern und eine relativ große Klangbühne zaubern, andererseits dürfen sie aber nicht wie ein großkalibriges HiFi-Möbel mit dem gleichen Geltungsanspruch in der Familienwohnung stehen.

Die Imagine X1T soll genau diesen Kompromiss erfüllen und lockt mit ihrer fein abgerundeten Schallwand. Das Esche-Furnier wirkt zwar nicht sonderlich modern und gehört aus meiner Sicht zurück in die 90er-Jahre, doch dafür nimmt die sauber eingefasste Schallwand alle Treiber elegant auf und verbirgt wunderbar die Konstruktion. Akustisch sinnvoll gedacht sind die trichterförmig angelegten Vertiefungen vor den gelben Chassis, die etwaigen Kantendispersionen entgegenwirken und damit frequenzselektiv die Gehäusekante ausblenden. Die auf ein Volumen kaprizierten Tiefmitteltöner fungieren als Doppelbasssystem mit unterschiedlichen Trennfrequenzen bei 800 und 1800 Hz. Das bedeutet, dass beide Treiber bis in den Mitteltonbereich ähnlich wie ein einzelner 7-Zoll-Bass arbeiten, wobei einer noch bis in den Präsenzbereich hinauf abstrahlt. Kritisch zu betrachten sind hierbei der "Bruch" im Mitteltonbereich und die Tatsache, dass keiner der Tiefmitteltöner von Bassfrequenzen entlastet ist.

Auffällig groß ist demnach der gemeinsame Front-Port, der die Doppelbass-Impulse sauber gebündelt nach vorne abgeben muss. Auch nicht ganz einfach ist die ausgesprochen tiefe Trennung des Hochtöners, die zudem ein hohes Maß an Verzerrungsarmut und Laststabilität von der Kalotte verlangt.

Anspruchsdenken

Paul Bartons Klangstrategie ist seit Gründung von PSB geprägt von einer Suche nach einem Mittelweg aus technologischer Akkuratesse und menschlichem Anspruch. In Zusammenarbeit mit dem NRC (National Research Council Canada) nimmt PSB deshalb seit 1974 anspruchvolle Studien zur Lautsprecherwiedergabe vor. Hierbei werden mit diversen Musikhörern, Wissenschaftlern und Technikern unter anderem Doppelblindtests durchgeführt, um dem humanen Höranspruch gerecht zu werden.

Eigensinn macht Klang

Auf den stereoplay-Hörraum losgelassen, offenbart die nur 87 Zentimeter hohe Box eine etwas eigenwillige Interpretation bekannter Teststücke. Chris Jones' "No Sanctuary" (vom Stockfisch-Records-Album "Closer To The Music") klingt an der X1T sehr rund und gefällig mit weichem Shaker, probater Raumtiefe und knackigem Oberbass, wobei Louis Armstrongs "Under A Blanket Of Blue" (von der CD "Vinyl Classics Vol. 1") mit leicht prononcierten S-Lauten und etwas zurückversetzter Stimme geizt. Michael Schenkers "Black Moon Rising" (vom Album "Temple Of Rock") weist dagegen warme, breite Gitarrenwände auf, wobei die eingebetteten Instrumente im tonalen Mittenfokus etwas untergehen.

Bi-Wiring- Terminal:

© Archiv

Das Bi-Wiring-Terminal: Bei Single-Wiring ist ein Austausch der Blechbrücken gegen baugleiche Kabelstücke des verwendeten Lautsprecherkabels sehr empfehlenswert. Zum Ausgleich der Kabelkapazität sollte ein "diagonaler" Anschluss vorgenommen werden.

Eine zum Vergleich herangezogene KEF Q500 zeigt die offeneren und realer wirkenden Gitarren mit insgesamt mehr Differenzierung und Kontur. Auch das Schlagzeug kommt hier knackiger auf den Punkt und "tupft" nicht so unentschlossen wie bei der X1T. Der Imagine muss man hingegen zugutehalten, dass sie insgesamt mehr Wert auf dezente Wiedergabe legt: So entspannt und natürlich, wie Trompeten und Gitarrensaiten interpretiert werden, das bekommt man selten in dieser Preisklasse zu hören.

Mit Charly Antolinis "K.O.2000" soll es dann aber krachen und knallen. Ein E-Bass-Gewitter ist über die PSB nicht zu erwarten - angerissene E-Bass-Saiten erklingen dafür etwas zu weich. Im Vergleich zur KEF Q500 fehlt es auch an Schnelligkeit in den unteren Registern. Zudem fehlt der für die tonale Festigkeit im Grundton so wichtige Anschlag, etwa einer geslappten E-Bass-Saite. Unten herum zu gefällig, mittendrin zu bissig.

Was könnte Paul Barton also mit dieser Box im Sinn gehabt haben? Wie sich herausstellt, gelingen gerade kleine Besetzungen, Kammerorchester sowie Singer-Songwriter-Stücke mit einfachem akustischen Arrangement besonders gut. Hier kann die X1T ihren wohligen Mitteltoncharakter ausspielen und mit viel Wärme den Basskeller anreichern. Auch meistert sie eine recht schöne Raumtiefe mit nicht unbedingt genauer Positionierung von Instrumentengruppen, aber einer entspannten Lebendigkeit. Doch immer dann, wenn schnelle Dynamiksprünge gefordert sind und Blechattacken geradlinig aus den Chassis knallen sollen, bleibt die X1T zu entspannt.

Freunde des Hardrocks sollten sich lieber nach einer anderen Box umsehen. Die PSB eignet sich eher für kleine Besetzungen und die Easy-Listening-Abteilung. Und, das ist besonders schön: Sie funktioniert auch in halligen Räumen.

Daten und Fakten

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