Standbox

Tannoy Kensington GR im Test

Tannoy hat seine legendäre Prestige-Baureihe überarbeitet und mit dem Zusatz "Gold Reference" geadelt. Das mittlere Modell heißt Kensington und rockt vitaler denn je. Wir haben die Standboxen getestet.

Tannoy Kensington GR

© Hersteller / Archiv

Tannoy Kensington GR

Pro

  • offenbart Unmengen an Details
  • erscheint dynamisch überaus vital
  • wirkt dennoch entspannt

Contra

Fazit

Das Retro-Design der Kensington ist Geschmackssache, doch beim Klang gibt es keine Diskussionen. Die puristische Auslegung als Zweiwegesystem mit reichlich Gehäusevolumen und großem Dual-Concentric führt zu einem sehr feinen Ansprechverhalten. Mit dieser Box können Sie sehr lange stressfrei Musik hören.

Bestimmte Produkte sind einfach nicht totzukriegen. Der Mini, der vor mehr als fünf Jahrzehnten das Licht der Welt erblickte und heute von BMW mit ungleich modernerer Technik gebaut wird, ist ein Beispiel dafür. Die Bayern haben es geschafft, die Grundidee so behutsam weiterzuentwickeln, dass der Wagen auch bei heutigen Käuferkreisen großen Anklang findet.

Lediglich acht Jahre jünger als der 1959 gestartete Ur-Mini ist die erste Generation der Prestige-Serie vom schottischen Boxenhersteller Tannoy, die im Laufe der Jahre akustisch mehrfach verfeinert wurde. Das traditionelle Design im britischen Kolonialstil und die handwerkliche Verarbeitung blieb dabei größtenteilsunverändert.

Tannoy Kensington GR: Aufbau

Auch die neue Kensington Gold Reference trägt wie ihre Vorgänger ausgeprägte Kanten und eine für heutige Verhältnisse recht breite Schallwand. Die Verarbeitung in braunem Walnuss-Holz mag auf modisch eingestellte Käufer angestaubt wirken, doch das Stilempfinden der britischen Oberschicht hat sich über die letzten Jahrzehnte nun mal nicht wirklich verändert und findet nach wie vor in vielen Ländern der Erde begeisterte Abnehmer.

Dass sich die Serie so lange halten konnte, darf als Indiz gelten, dass der seitmehr als 80 Jahren erfolgreiche Hersteller konzeptionell vieles richtig macht. Dreh- und Angelpunkt der Kensington ist ein 10 Zoll großes Koaxialsystem, das von den Schotten traditionell als Dual-Concentric bezeichnet wird.

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Tannoy kultiviert seine wohlüberlegte Interpretation der koaxialen Bauweise in zahlreichen Größen und Baureihen bereits seit 1947. Die Konzeption mit dem Ziel einer angenäherten Punktschallquelle ist unverändert aktuell und lässt zahlreiche Besonderheiten erkennen.

ET tannoy Kensington GR, Nahaufnahme

© Hersteller / Archiv

Punktstrahler mit Dopp elsicke: Der mit 51 Millimeter Membrandurchmesser ungewohnt großzügig dimensionierte Hochtöner arbeitet zurückversetzt hinter einer metallenen Schallführung im Schwingsystem der größeren Treibereinheit, die für die tieferen Frequenzen zuständig ist. Die Sicke der Konusmembran ist für mehr Linearität zweifach ausgeführt.

Tannoy Kensington GR: Dual-Concentrics

Gängige Koaxialsysteme erreichen in der Regel Außendurchmesser von 6 bis maximal etwa 8 Zoll. Tannoy hingegenfertigt Dual-Concentrics mit bis zu 15 Zoll. Dieses Riesenformat steckt zumBeispiel in der Westminster, die im Prestige-Programm die Pole-Position einnimmt. Mit den üppigen Membranflächen der großen Concentrics können die Schotten auch großvolumige, schalldruckfesteund wirkungsgradstarke Boxen in feinster Puristenmanier als Zweiwegesysteme gestalten.

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Das hält Frequenzweichenverluste gering, auch bleibt der Mitteltonbereich frei von Übergängen, die der Spielfreude in der Regel nicht zuträglich sind. Eine weitere Besonderheit der Concentrics sind ihre weit nach hinten ragenden Körbe, die den Konusmembranen zu einerausgeprägten Trichterform verhelfen.

Das erhöht tendenziell deren Steifigkeit und schafft Freiräume für eine ausgeklügelte Membrangeometrie, die bei einem Koaxialsystem das Rundstrahlverhalten in besonderem Maße prägt. Selbiges ist bei den Dual Concentrics von hoher Gleichförmigkeit und bauartbedingt horizontal wie vertikal identisch.

ET tannoy Kensington GR, Rückansicht

© Hersteller / Archiv

vielfältig justierbar: Die kleinen Schraubkontakte an der Boxenvorderseite dienen zur Anpassung der Hochtonenergie. Das fünfte Terminal bietet einen Erdkontakt.

Tannoy Kensington GR: Hochton

Im Zuge der Überarbeitung erhielt dervon einem noblen Alnico-Magnetsystem befeuerte Hochtöner eine neue, enorme 51 Millimeter große Aluminiummembran, die von einer Randaufhängung aus gutmütigem Mylar kontrolliert wird. Der für Hochtönerverhältnisse sehr große und dynamikstarke Treiber soll sich deutlich linearer verhalten als sein Vorgänger.

Sogenannte Clarity-Kondensatoren von ICW bevölkern die Frequenzweiche und versprechen eine gesteigerte Klangreinheit. Der 10 Zoll große Dual Concentric wird im untersten Frequenzbereich von einer bassreflexähnlichen Gehäusestruktur unterstützt. Die dadurch erzeugten Tiefbassanteile erreichen den Raum über kleine Schlitze links und rechts des Dual Concentric.

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Eine weitere Tannoy-Spezialität sind die kleinen Schraubkontakte an der Boxenfront, die zur Feinabstimmung der Höhen dienen. Gesamtpegel und Roll-Off zu sehr hohen Frequenzen lassen sich damit in subtiler Weise variieren. In einem akustisch neutralen Raum werden diese Optionen kaum benötigt. Doch im Zusammenspiel mit lastsensiblen Verstärkern können solche Anpassungen hilfreich sein.

Die runderneuerte Kensington bewies im Labor einen guten Wirkungsgrad und einen schwankungsarmen Impedanzverlauf, der an keiner Stelle unter 6,4 Ohm rutschte. Damit ist sie ein idealer Spielpartner für Verstärker mit geringer Gegenkopplung und moderater Leistung.

Hörtest

Doch auch an einem Mainstream-Bullen vom Schlage eines T+A PA 3000 , den die Tester seiner Universalität wegen gerne als Arbeitsgerät nutzen, legte sie sich mächtig ins Zeug, gefiel mit grundtonpraller Geschmeidigkeit und feinster dynamischer Attacke.

Der 10-Zoll-Dual-Concentric konnte Anblasgeräusche mühelos aufdecken ohne oberlehrerhaft nachzutreten. Menschliche Stimmen wurden von der Tannoy bereits bei kleinsten Lautstärken hingebungsvoll lebendig dargestellt und zentimetergenau auf der imaginären Bühne platziert.

Praxis: Lautsprecher richtig aufstellen und einwinkeln

Die Tester konnten mit der Kensington schmerzfrei unsittlich laut hören und die bis 1000 Watt reichende Leistungsanzeige des T+A zum Anschlag bringen, doch solche Orgien waren keineswegs erforderlich, um alle Strukturen zu durchblicken.

Andererseits war die Hörzone der Kensington schmaler als von Durchschnittsboxen gewohnt. Doch solche Zipperlein stören nicht beim konzentrierten Hören, sie verstärken eher noch den Genuss, weil so die Box den Klang stärker prägt als der Raum.

Letztlich vermittelte die Kensington einen in sich sehr stimmigen und facettenreichen Genießerklang, der nie aufdringlich daherkam. In unserer schnelllebigen Zeit erscheint diese Ausnahmebox wie ein magischer Zauberkasten, den man nach kurzer Eingewöhnung gar nicht mehr hergeben mag.

 

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