Testbericht

Standbox Voxativ Apeggio

Sehr charmant, wie die Voxativ Apeggio (ab 16900 Euro, Paarpreis) selbst einer modernen SACD-Aufnahme den Sound der guten, alten Zeit andichten konnte, als seien hier nur Röhrenmikrofone und Bandmaschinen am Werk gewesen.

  1. Standbox Voxativ Apeggio
  2. Datenblatt
Standbox Voxativ Apeggio

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Standbox Voxativ Apeggio

Breitbänder, Basshorn und sonst nichts - diese klassische Kombi ist wegen des hohen Wirkungsgrades und der sanften Impedanz gerade bei Trioden-Fans beliebt. Genau in dieser Tradition sieht der kleine deutsche Hersteller Voxativ seine neueste Box, die Ampeggio. Da man bisher eher auf die Chassis-Fertigung spezialisiert war, überließ man das komplexe Gehäuse einem Spezialisten: der Klaviermanufaktur Schimmel. Die Braunschweiger folgten nicht nur den Hornkonstruktionsplänen von Voxativ-Chefin Ines Adler exakt - keine parallelen Wände, statt Rundungen ungeradzahlige Kantenlängen -, sondern verkleideten die Ein-Wege-Box auch in einen zigfach polierten Klavierlack, der seinesgleichen sucht. An die Form freilich muss man sich gewöhnen - sie folgt mit dem sich nach unten öffnenden Hornmund und der breiten Schallwand nur akustischen Notwendigkeiten.

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Wildes Leder: Die Echtleder-Sicke gibt's in verschiedenen Farben.

Das von Voxativ selbst gefertigte Chassis (das übrigens vollkommen ohne elektrische Entzerrung auskommt) wirkt äußerlich wie eine moderne Fassung des legendären Lowther-Treibers: federleichte, nicht verwindungssteife Papiermembran mit zusätzlichem Hochtonkegel, starker Magnet, metallener Schallführungskegel in der Mitte. Doch die Abstimmung der Teile aufeinander ist weit moderner, sie soll sowohl hohen Wirkungsgrad als auch Ausgewogenheit bis über 20 kHz ohne übertriebene Bündelung bringen.

Magie des Augenblicks

Ein Richteffekt lässt sich freilich nicht vermeiden - wer sich auf diese Box einlassen will, sollte Zeit zur peniblen Aufstellung mitbringen. Wer mal schnell hinein hört und nicht am optimalen Platz sitzt, erlebt eine Enttäuschung in Form von gequetscht wirkenden Stimmen und vordergründiger Lästigkeit.

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Die Echtleder-Sicke muss die filigrane Membrankonstruktion mit dem Kegel, die wegen des Phaseplugs nicht von einer Staubschutzkalotte stabilisiert wird, in der Zentrierung halten.

Präzise eingewinkelt dagegen straft die Ampeggio Vorurteile gegenüber Breitbändern weitgehend Lügen: Mit sensationeller Leichtigkeit, Raumtiefe und Stimmvolumen spielte sie sich durchs Repertoire, konnte die Zuhörer in einen schummrigen Jazzkeller (Stevie Ray Vaughan, "Live At El Mocambo", Sony) ebenso entführen wie in die Pianofabrik Schimmel in Braunschweig, wo nicht nur die Box hergestellt wird, sondern auch die neue Platte von Olafur Arnalds aufgenommen wurde. Auch der weite Raum der Berliner Philharmonie (Blachers Paganini-Variationen, AUDIO Pure Music III, Bose) geriet prächtig: Präzise folgte sie den dynamischen Schattierungen und Feinheiten, allenfalls im Tutti bemerkte man ein übertriebenes Aufdrücken der Bögen, eine energische Spielweise, die die Durchhörbarkeit beeinträchtigte.

Dieser "Euphonie-Enhancer" kostete aber auch Stimmen, gerade Chören, den entscheidenden Freiraum und führte immer wieder zu einer leichten Nasalität. Besser lag ihr Klaviermusik: Der Flügel bei Brahms letzten Klavierstücken (op. 116-119, Leonsjaka, MDG) klang wunderbar flüssig, jeder Tastendruck geriet zum Genuss, die Abbildung geradewegs zum Hologramm. Doch ein Wermutstropfen bleibt: Wer all dies erleben will, muss auf penibelste Aufstellung achten - und am besten alleine hören.

Fazit

Die Voxativ ist kein Speaker für Jedermann - und das will sie auch gar nicht sein. Schwächen, die vielen Breitbändern als dominante Ärgernisse nachgesagt werden, sind hier zwar hörbar, aber charmant gut unter Kontrolle. Es bleiben die typischen Stärken: sensationell stimmiger Raum, exzellente Leichtigkeit und Dynamik bei flüssigem Bass. Für zarte Trioden-Pflänzchen wäre mir - außer Hörnern - keine Alternative bekannt.

Voxativ Ampeggio

HerstellerVoxativ
Preis16900.00 €
Wertung98.0 Punkte
Testverfahren1.0

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