Testbericht

Tannoy Precision 6.4 im Test

In der Precision 6.4 arbeitet die neueste Version von Tannoys legendärem Dual-Concentric sowie eine Bassabteilung mit zwei Passivmembranen, die prinzipbedingt keine Nebengeräusche abgibt. So weit, so technisch. In der Praxis bedeutet das: traumhaft gute Räumlichkeit und gigantische Spielfreude.

Tannoy Precision 6.4

© H. Härle, Archiv, MPS

Tannoy Precision 6.4

Pro

  • Sehr temperamentvoll und hochauflösend auch bei eher kleinen Lautstärken
  • Extrem präzise Raumdarstellung
  • Gigantischer Spaßfaktor

Contra

  • Kann in den Mitten etwas überschwänglich werden

Seit mehr als 60 Jahren unterscheiden sich die meisten Boxen von Tannoy konstruktiv vom Wettbewerb: Ihr Hochtöner steckt mitten im Schwingsystem eines deutlich größeren Treibers für tiefere Frequenzen. Der schottische, auch im Profisegment sehr erfolgreiche Hersteller nennt diese Anordnung treffenderweise Dual Concentric.

Tannoy Precision 6.4: Dual-Concentric-Chassis

Auch die brandneue Precision 6.4 nutzt diese Art Wandler - selbstredend in einer besonders modernen Ausführung mit besten Dynamikeigenschaften und einer gigantischen Frequenzbandbreite, die im Hochtonbereich über die Hörgrenze hinausreicht. Tannoy verspricht sich davon eine feinere Impulswiedergabe und exaktere Räumlichkeit, obwohl solche Frequenzen als diskrete Sinustöne für Menschen nicht hörbar sind.

Die Precision 6.4 ist das Topmodell einer ganzen Serie, alle mit demselben 6 Zoll großen Dual Concentric und daher beliebig kombinierbar. Eine Centerbox mit nahezu derselben Bestückung wie in der Precision 6.4 gehört ebenfalls zum Programm. Damit werden auch ambitionierte, auf maximale Homogenität und Raumtreue bedachte Mehrkanaler angesprochen.

Vergleichstest: Drei Kompaktboxen im Test

Die ersten funktionsfähigen Boxen mit Dual-Concentric-Chassis wurden 1948 (!) in London während einer Show des britischen Rundfunks vorgestellt. Käufer der ersten Stunde waren Tonmeister der Plattenfirma Decca, die das faszinierende klangliche Potential der Concentrics frühzeitig erkannten.

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Tannoy Precision 6.4
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Der Dual-Concentric ragt tief ins Gehäuse und verfügt über zwei Magnetsysteme.

Was aber ist das Besondere an dieser Bauform? Bei nicht ortsgleichen Chassis variiert die Entfernung der Schallquellen zum Ohr mit dem Raumwinkel, und zwar nicht selten um mehrere Zentimeter. Somit schwankt die Zeitdauer, die verzweigte Signale zurücklegen müssen. Das zur exakten Darstellung komplexer Klänge erforderliche zeitgleiche Eintreffen mittlerer und hoher Frequenzen kann so nur in einem eingeschränkten Winkelbereich funktionieren. Zeitfehler aber mindern die Feindynamik und erschweren eine exakte räumliche Ortung.

Tannoy Precision 6.4: Punktschallquelle

Beim Dual Concentric befinden sich beide Schallquellen auf einer gemeinsamen Achse und näherungsweise auch in einer Ebene. Die akustischen Zentren sind ortsgleich, und die Wegstrecke zum Ohr hängt nicht vom Raumwinkel ab.

Eine exakte Addition von Signalen, die beide Treiber beanspruchen, ist so über alle Raumwinkel hinweg möglich. Der Dual-Concentric der Precision 6.4 nutzt eine beschichtete Papiermembran für tiefe und mittlere Frequenzen. Der im Zentrum integrierte Hochtöner arbeitet mit einer hochfesten Titanmembran. Die Übergangsfrequenzen liegen bei tiefen 170 und 1.600 Hertz, was zu einem besonders gleichmäßigen Rundstrahlverhalten beiträgt.

Im Bassbereich arbeiten drei äußerlich gleiche Treiber, doch nur der mittlere verfügt über einen elektromagnetischen Antrieb. Die beiden anderen Chassis beziehen ihre Energie aus der im Gehäuse schwingenden Luft. Sie funktionieren wie Bassreflextunnel nur in einem schmalen, sehr tieffrequenten Frequenzbereich, erzeugen im Gegensatz zu diesen aber keine Strömungsgeräusche.

 

Tannoy Precision 6.4

© Audio

Die Precision 6.4 wird standardmäßig in dunklem Walnussfurnier geliefert, das gegen Zuzahlung von paarweise 300 Euro zusätzlich mit Klarlack aufgewertet wird. Alternativ gibt es die Boxen auch in schwarzem Hochglanzlack, der in Kombination mit den silberfarbenen Membranen sehr edel aussieht.

Tannoy Precision 6.4: Klangtuning ab Werk

Eine Besonderheit, die so nur Tannoy anbietet, ist die Erdungsbuchse im Terminal. Wer den Extra-Aufwand nicht scheut, kann damit verhindern, dass hochfrequente Störkomponenten das Audiosignal verunreinigen. Ob sich dadurch eine hörbare Verbesserung ergibt, hängt von der individuellen Umgebung des Anwenders ab.

Ein weiteres Zusatzfeature für Tüftler und Tuner ist der mit Sand oder vergleichbaren Materialien befüllbare Sockel. Eine höhere Masse bringt erfahrungsgemäß mehr Stabilität und Ruhe ins Klangbild.

Tannoy Precision 6.4: Hörtest

Beruhigende Maßnahmen für Leib und Seele sind nach einer Hörsitzung mit der Tannoy Precision 6.4 sicher eine gute Idee. Speziell Hörer, die zu Hause weichzeichnende Durchschnittsboxen stehen haben, dürften vom Temperament der Schottin nämlich ziemlich geplättet sein. Die Precision 6.4 klingt in einer Art und Weise selbstverständlich und mitteilsam, dass selbst uns Testern warm wird ums Highender-Herz - und man sich unwillkürlich fragt, warum so viele Boxenhersteller immer noch keine Koaxialsysteme anbieten.

Der Eindruck stupender Leichtigkeit, bei der selbst zarteste Klangdetails wie auf einem virtuellen Silbertablett angereicht werden, zieht sich durch alle Hörtestprotokolle. Immer wieder tauchen Anmerkungen auf wie "das habe ich so deutlich noch nie gehört" oder "dieser Sound macht unfasslich viel Spaß".

Vergleichstest: Vier Standboxen mit individuellen Hochtönerkonzepten

Tatsächlich lässt die Tannoy Precision 6.4 erstaunliche Parallelen zum Klang vornehmster, elektrostatischer Folienstrahler erkennen, die für ihre Offenheit und Klanghomogenität bekannt sind. Dass die Schotten Dynamik höher gewichten als Tonalität, zeigt sich an einer leichten Bevorzugung der Mitten zu Lasten anderer Bereiche, was der Begeisterung aber keinen Abbruch tut.

Den feinsinnigen Live- Mitschnitt der Pop- Jazz-Formation Triband aus Schloss Elmau verarbeitet die Tannoy sehr gefühlvoll, mit intensiv leuchtenden Klangfarben und einem überragenden Gespür für Timing. Die Precision 6.4 ist somit ein echter Coup: Derart rein und vital klingen sonst nur deutlich teurere Boxen.

Fazit

Da haben die Schotten von Tannoy wieder mal ganze Arbeit geleistet. Der weiter verfeinerte Dual Concentric und die neue Basseinheit bilden musikalisch ein Dream-Team. Der Klangcharakter ist ungemein lebhaft und trotz höchster Dynamik überaus stimmig und frei von Anstrengung. Die Precision 6.4 spielt auch räumlich auf höchstem Niveau und eignet sich für alle Stilrichtungen.

Messlabor

Die Schalldruckkurven zeigen eine kräftige Betonung bei 100 Hz und bei 1,2 kHz. Das Abstrahlverhalten ist sehr gleichmäßig, die Winkelabhängigkeit gering. Das Minimum der Impedanz liegt unter 3 Ohm im Bass. Der Nominalwert von 8 Ohm wird nur bei höheren Frequenzen eingehalten. Die 6.4 verzerrt in den Mitten sehr wenig, nur im Bass etwas mehr. Der Maximalpegel liegt bei knapp 100 dB. AK: 60

 

Tannoy Precision 6.4

© Audio

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