Testbericht

Standlautsprecher Zu Audio Essence

Die Zu Audio Essence (5700 Euro das Paar) verzichtet als Breitbandsystem weitestgehend auf verlustträchtige Weichenbauteile und schluckt daher nur wenig Leistung. Die hochohmige Impedanz kommt Röhrenverstärkern zusätzlich entgegen.

  1. Standlautsprecher Zu Audio Essence
  2. Datenblatt
Standlautsprecher Zu Audio Essence

© Archiv

Standlautsprecher Zu Audio Essence
image.jpg

© Archiv

Der 25 Zentimeter große Breitbandtreiber belegt nahezu die gesamte Breite der Schallwand (oben). Der Innenaufbau ist vielfältig unterteilt, was helfen soll, bassreflextypische Verfärbungen zu vermeiden.

Hörner, starke Antriebe und große Membranen sind die bekanntesten Zutaten wattgenügsamer Schallwandler. Doch es gibt weitere Herausforderungen für Entwickler, etwa Leistungsverluste in Frequenzweichen. Die fallen umso höher aus, je mehr elektrische Zweige eine Box besitzt und je komplexer selbige beschaltet sind. Bauteilereiche Filter können den Schalldruck um bis zu 3 Dezibel mindern. Was für den Verstärker heißt: doppelte Leistung bitte.

Sorgen dieser Art können Besitzer der Essence von Zu Audio genüsslich stecken lassen, denn das kantige, hochaufragende Tonmöbel koppelt seine beiden Chassis so direkt wie möglich mit dem kostbaren Signal des Verstärkers und kommt größtenteils ohne Frequenzweiche zurecht.

Einen kleinen Hochpass gibt es lediglich im Signalweg des oberhalb von 10 Kilohertz einsetzenden Bändchensystems. Sein hochsensibles Schwingsystem würde ohne Filterung binnen kürzester Zeit verbrennen.

Komplett filterlos arbeitet hingegen der 25 Zentimeter große Breitbänder, der mit einer klassischen Papiermembran plus vorstehendem Streukegel eine Bandbreite erzielt, die sonst zwei getrennte Zweige erfordert. Die Essence geht damit als lupenreine Punktschallquelle durch, bei der alle ortbarkeitsrelevanten Frequenzen am selben Ort entstehen.

image.jpg

© Archiv

Sean Casey, Entwickler bei Zu Audio: "Machen Sie sich keine Gedanken über Schallbündelung und Partialschwingungen. Hören und beurteilen Sie selbst."

Ein Superhochtöner ist an dieser Stelle kein Widerspruch, denn im betroffenen Frequenzbereich reagiert unser Gehör wenig auf Phasendrehungen.

Trotz Extra-Hochtöner ergibt sich ein zerklüftetes Rundstrahlverhalten. Die Essence bündelt in den Mitten wie ein Suchscheinwerfer; so wollen Aufstellung und Sitzposition mit Bedacht gewählt sein.

Darüber hinaus verzichtet Zu__Audio auf strom- und pegelerhöhend wirkende niedrige Impedanzwerte, was dem Lastverhalten von Röhrenverstärkern entgegen kommt. So verharrt die Impedanzkurve in den Bässen und Mitten beständig oberhalb der 8-Ohm-Grenze, nur in den energetisch kaum relevanten Höhen nähert sie sich der 4-Ohm-Marke.

image.jpg

© Archiv

Die Bauteile für die Hochpassfilterung des Bändchens sind platinenlos frei verdrahtet.

Trotz dieser hochohmigen Auslegung übertraf die Zu Audio mit über 88 Dezibel aus 2__Volt Verstärkerspannung in Sachen Empfindlichkeit sogar die hornbestückte Klipsch.Sensibilität im positivsten Sinne schien überhaupt das Motto der hochaufragenden Amerikanerin, die mit ihrer Spielfreude auch erfahrene Kenner in Verzücken versetzte. Selbst kleinste Lautstärkeänderungen wurden mühelos in Hörvergnügen umgesetzt.

Die überragende Lebendigkeit galt für alle Bereiche, ganz besonders aber für mittlere Frequenzen, wo der Breitbänder lupenhaft deutlich und eindringlich aufspielte. Das gefühlvolle "Walk Around Me" der schwedischen Jazz-Sängerin Kristin Asbjornsen (Universal Music) geriet so zur Lehrstunde in Sachen Feindynamik.

image.jpg

© Archiv

Ein Papierkegel (oben) verbreitert die Abstrahlung ein wenig. Die betont offene Bauweise des Korbes gestattet eine ungehinderte Anregung der Bassreflexkanäle zwischen Gehäuse und Sockel.

Die tonalen Fähigkeiten der Essence waren weniger überragend, denn je nach Musikbeispiel und Sitzposition schien der Klang mal angenehm hell und präsent, mal spitz und verzischelt. Violinen besaßen eher zuviel als zuwenig Leuchtkraft. Bei kernigeren Pegeln, die Klipsch und Cabasse ungerührt wegsteckten, kam eine leichte Enge ins Spiel. Ein tugendhaft neutraler Studiomonitor ist die Essence sicherlich nicht.

Der Klangcharakter variierte weit mehr als üblich mit der Art des Verstärkers. Mit den Referenz-Monoblöcken Ayre MX-R (19_800 Euro, stereoplay 3/2010) tönte die Essence eher kühl. Ungleich geschmeidiger klang die Säule mit Röhrenamps wie dem S 9 von Unison (7_500 Euro, Heft 4/2010), an dessen generöser Leine ihr Charme zur vollen Entfaltung kam. An seinen maximal 30 Watt erzielte die Zu Audio bei Bedarf recht kernige Lautstärken, jedoch keine Brachialpegel.

Zu Audio Essence

HerstellerZu Audio
Preis5700.00 €
Wertung57.0 Punkte
Testverfahren1.0

Mehr lesen

Wer ist die Nummer eins? -

Mehr zum Thema

Standbox Zu Audio Essence
Testbericht

Die optischen Andeutungen an hochwertige PA-Chassis schien der erste Hörtest zu bestätigen: Die Zu Audio Essence (ab 5700 Euro, Paarpreis) kann vor…
Zu Audio Union
Standbox

Klar, kantig, kompromisslos: Der junge US-Hersteller Zu Audio hebt sich wohltuend vom HiFi-Mainstream ab. Und verzückt mit hoch effizienten…
AudioPro AddOn T20
Stereo-Set mit Bluetooth

AudioPro entlockt den schlanken Säulen des aktiven Stereo-Paars einen ausgewogenen Klang mit straffen Bässen, warmen Höhen und hoher Lautstärke.
KEF Reference 3
Standlautsprecher

Unter der zeitlosen Hülle der Reference 3 von KEF steckt einer der leistungsfähigsten Punktstrahler aller Zeiten.
KEF Blade Two
Standlautsprecher

Die Blade Two von KEF soll das Ideal der perfekten Punktschallquelle erreicht haben. Wie nah die Standbox dieser hifidelen Perfektion kommt, zeigt der…
Alle Testberichte
Acer Switch Alpha 12
Detachable
75,4%
Das Acer Switch Alpha 12 ist das erste lüfterlose 2-in-1-Gerät mit Core-i-Prozessor. Im Test hinterlässt es einen…
Huawei P9 Plus
5,5-Zoll-Smartphone
88,0%
Huawei optimiert das P9 und heraus kommt ein echter Überflieger: Wir haben das Huawei P9 Plus getestet.
Samsung Galaxy A3 rosa
Testberichte
Alle Tests von Smartphones, Handys, Tablets, Navis, Notebooks und Ultrabooks, DECT-Telefonen und DSL-Routern in der Übersicht.