Testbericht

Subwoofer Nubert AW 1300 DSP

Drei Jahre hat Nubert in die Entwicklung einer neuen Woofer-Plattform gesteckt. Das Warten hat sich gelohnt. Im Test der neue AW 1300 DSP für 1850 Euro.

  1. Subwoofer Nubert AW 1300 DSP
  2. Datenblatt
Nubert AW 1300 DSP

© Julian Bauer

Nubert AW 1300 DSP

Vieles, was ab Hersteller über das Netz vertrieben wird, wirkt bloß auf Fotos wertig, behaupten böse Zungen. In Wirklichkeit seien Haptik und Oberflächen höchstens Durchschnitt. Mehr noch: Weil Kunden die Produkte vor ihrer Kaufentscheidung selten in natura zu Gesicht bekommen, würden die Direktvermarkter nur das Nötigste ins Design investieren.

Nubert AW 1300 DSP

© Julian Bauer

Das Bassreflexrohr (links) ist in der Bodenplatte versteckt, wo es optisch am wenigsten stört. Den somit nötigen Abstand in Richtung Fußboden sichern Spikes - als Zubehör im Shop erhältlich - oder die serienmäßig mitgelieferten Rollen mit Arretier-Funktion.

Über Anfeindungen dieser Art wird man im Hause Nubert gelassen hinwegsehen. Denn das Image des billigen Jakob hat der wachstumsstarke Direktvermarkter längst abgelegt. Die Erkenntnis, dass mit knapp kalkulierten Preisen allein kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist, wird beim neuen AW 1300 vielfach sichtbar - und lässt sich ertasten. So verfügt der neueste Subwoofer der freundlichen Schwaben über ungewöhnlich viele Komfort-Funktionen, und er wird preisgleich in fünf edlen Gehäuseausführungen geliefert.

Zwei hiervon sind Echtholz-Furniere für die Freunde naturnah gestalteter Möbelstücke. Alternativ stehen Schwarz, Weiß und Silber zur Disposition, mit feinstem Mehrschichtlack, dessen Gleichförmigkeit auch Perfektionisten zufrieden stellt. Dem Schutz der Chassis dient ein feinmaschiges Lochgitter, dessen Trägerstifte in gummierten Haltebuchsen schepperfrei gelagert sind.

Nubert AW 1300 DSP

© Julian Bauer

Die Rückseite des AW 1300 DSP

Die Steuerung geschieht über eine Nubert-eigene Fernbedienung. Der Geber hat ein weiß hinterleuchtetes Display und elf Tasten mit klar definiertem Druckpunkt. Die Menüführung ist größtenteils selbsterklärend, ansonsten hilft eine ausführliche Anleitung, die auch zum Download bereitsteht. Unmittelbar am Woofer gibt es nichts mehr einzustellen, lediglich einen Netzschalter.

Nubert AW 1300 DSP

© Julian Bauer

Die Chassis sind magnetisch geschirmt und tragen Glasfaser-Verbundmembranen mit zweifacher Zentrierung im Innern.

Tatsächlich ist der kleine Handschmeichler der Schlüssel zum Verständnis der neuen Subwoofer-Elektronikplattform, die nach und nach auch in anderen Modellen Einzug halten wird. Der Funktionsumfang ist erheblich größer als bei der Vorgeneration, die beispielsweise im AW 1000 verbaut wurde, dem vielfachen Gewinner der stereoplay-Leserwahlen.

Der Klassiker und die von ihm abgeleiteten Modelle besaßen ebenfalls eine Fernbedienung, die über Stellmotoren in den Geräten jedoch bloß Pegel und Trennfrequenz steuern konnte. Als Anzeige dienten einfache Strichmarkierungen. Sobald die Regler verdreht wurden, waren einst für gut befundene Einstellungen nicht mehr reproduzierbar.Die neue Elektronik nutzt einen digitalen Signalprozessor, der deutlich genauere Justagen ermöglicht. Das Display zeigt sie in Hertz und Dezibel an. Fortgeschrittene können sogar Flanken in ihrer Steilheit ändern und Druckkammereffekte bei extrem tiefen Frequenzen bekämpfen.

Nubert AW 1300 DSP

© Julian Bauer

Die bidirektional arbeitende Fernbedienung verfügt über ein weiß hinterleuchtetes Display, das die gewählten Einstellungen übersichtlich anzeigt.

Für Anlagen ohne Bassmanagement gibt es einen Hochpass zur Filterung der Satelliten zwischen 40 und 150 Hertz. Selbst die guten alten Klemmen für Boxenkabel sind vorhanden, falls nirgendwo ein Vorstufensignal zur Verfügung steht. Drei parametrische Equalizer gestatten die Bekämpfung von Raummoden, die der Anwender rechnerisch oder mit Hilfe von Testsignalen bestimmt hat. Eine automatische Einmessung ist in der derzeitigen Version der Plattform nicht vorgesehen. Mehr zu den Filterfunktionen ist im Kasten unten auf dieser Seite zu lesen.

Fünf Konstellationen lassen sich speichern und jederzeit wieder abrufen. Ab Werk sind die Memory-Tasten mit Werten für typische Anwendungen belegt. Alles in allem arbeitet die Steuerung um Welten genauer und komfortabler als bei den bisherigen Modellen.

Über Slave-Ausgänge in Gestalt von zwei Cinch-Buchsen können Anwender weitere Subwoofer mit den gleichen Filtereinstellungen versorgen. Dieses Feature dient insbesondere dem Aufbau sogenannter Bass-Arrays zur Minimierung von Raumresonanzen. Slave 1 liefert ein identisches Signal zur synchronen Ansteuerung weiterer Woofer bei Single-Arrays zwecks Auslöschung von Moden, die sich zwischen den Seitenwänden des Raums hochschaukeln.

Slave 2 lässt sich frei konfigurieren und ermöglicht neben einer Invertierung des Signals eine Zeitverzögerung. Damit gelingt die Ansteuerung der hinteren Woofer bei einem Double-Bass-Array - hier werden zusätzlich die Längsmoden des Raums ausgeschaltet.In der rückseitig verbauten Elektronik steckt ein moderner Schaltverstärker, der nur wenig Abwärme erzeugt. Kurzzeitig stehen 440 Watt zur Verfügung. Sie befähigen die beiden 8 Zoll großen Chassis zu beachtlichen Auslenkungen.

Im Verbund mit einem großvolumigen Reflexrohr erzeugt der fast schon zierlich zu nennende Woofer Pegel bis nahe 110 Dezibel und eine Grenzfrequenz unter 30 Hertz. Die Labordaten liegen annähernd auf dem Niveau des AW 1000, der mit seinem brachialen 12-Zoll-Treiber visuell ungleich bulliger daherkommt.

Nubert AW 1300 DSP

© stereoplay

Frequenzgänge: Ausgewogener und mit parametrischem Equalizer sehr flexibel einstellbarer Woofer

Die Verteilung der Hubarbeit auf zwei Treiber bringt dem AW 1300 nicht nur optische Vorteile; sie macht sich auch klanglich bemerkbar. Durch den größeren Abstand der Treiber zum Fußboden und die vertikale Anordnung wird der Raum gleichmäßiger angeregt. Der Klangeindruck ist präziser und weniger abhängig vom Hörplatz.

In keinem Widerspruch dazu steht, dass der für die untersten Tiefbassanteile zuständige Reflextunnel des AW 1300 nur wenige Zentimeter über dem Fußboden mündet. Der Port hat sein Wirkungsmaximum um 30 Hertz - und damit unterhalb jener Bereiche, die in Räumen üblicher Größe zu Dröhnproblemen führen.

Nubert AW 1300 DSP

© stereoplay

Pegel- & Klirrverlauf: Sehr verzerrungsarm, nur im Supertiefbass (<30 Hz) steil ansteigender Klirr

Zusammen mit einem testbewährten Standboxen-Paar der 4000-Euro-Liga musste der Neue zeigen, was er kann. Besonders bei der so wichtigen Durchhörbarkeit übertraf der AW 1300 den AW 1000. Letzterem war bei aller Sattheit ein gewisser Rest an Behäbigkeit nie ganz auszutreiben.

Das Album "6 String Theory" der Gitarristen Lee Ritenour und George Benson ist mit temporeichen Bassläufen nur so gespickt und damit ideal zum Herantasten an die richtigen Filtereinstellungen.

Mit gespitzten Ohren und der praktischen Funkfernbedienung waren die passenden Werte schon nach kurzer Zeit gefunden. Gefühlvoll angepasst, tat der Nubert-Woofer genau das, was man von einem guten Gerät erwartet: den Bassbereich mächtig erweitern, ohne das Timing zu verwässern.

Anschließend liefen diverse Filmtrailer mit den Heimkino-üblichen Bassverrücktheiten, die selbst große Woofer leicht in die Begrenzung treiben oder zu Nebengeräuschen veranlassen. Der AW 1300 blieb - wie schon die älteren Nubert-Modelle - selbst im wildesten Getümmel völlig ungerührt.

Nutzer mit sehr großen Räumen werden beim AW 1300 möglicherweise den allerletzten Schalldruck-Punch vermissen und sollten ähnlich wie bei anderen Geräten dieser Größenklasse besser zwei Exemplare einkalkulieren.

Freunde kompakter Formen finden im AW 1300 ein ebenso stylisches wie komfortables Klasse-Gerät. Noch mehr Pegel und Tiefgang versprechen die größeren Modelle, die ebenfalls auf der neuen Plattform basieren werden. Sie darf schon jetzt als äußerst gelungen gelten.

Nubert AW 1300 DSP

HerstellerNubert
Preis1185.00 €
Wertung58.0 Punkte
Testverfahren1.0

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