Vollverstärker

Synthesis Action A100T im Test

Röhren müssen nicht zimperlich sein. Wenn ein Verstärker wie der Synthesis gleich acht KT66 mitbringt, kann man es sogar richtig krachen lassen. Und das sogar ohne jede Klirr-Schmuddelei!

Synthesis Action A100T

© J. Bauer/Hersteller

Synthesis Action A100T

Pro

  • Spielt extrem laut und klingt dabei plastisch
  • röhrenuntypischem, knackigen Bass

Contra

  • kein Kopfhörer-Ausgang

Fazit

Bella Machina: Dieser Amp verkörpert die perfekte Synthese aus Kraft und Kultur. Er versteht es Schallwandler-Diven lautstark einzuheizen, von denen man nicht einmal erwartet, dass sie überhaupt an einer Röhre spielen.

Als der Autor dieser Zeilen kürzlich den Hörraum betrat, konnte er sich nicht entscheiden, was stärker leuchtete: die insgesamt acht KT66-Röhren in der Ausgangsstufe des Synthesis Action A100T oder die Augen des Kollegen Johannes Maier, der ihr gerade gelauscht hatte. Die Kraft der KT66 im Sinn, den durchgeschüttelten, sichtlich gerührten Kollegen vor Augen, war eigentlich schon klar, was man von diesem 40 Kilo schweren Koloss aus Italien zu erwarten hatte. Kraft und Herrlichkeit mit einer wohldosierten Portion warmem Klirr. Und nicht zu vergessen: eine Belastungsprobe für Ohren und Lautsprecher. Denn wenn der geschätzte Kollege einen Verstärker mag, wird es meist richtig laut. Und diesen mochte er nach seinem Warmup offenbar ganz besonders.

Schon im Vorfeld ließ der Action-Hero aufhorchen: Der Hersteller verspricht 100 Watt RMS an 6 Ohm - ein echter Traumwert in der Röhrenwelt. Möglich wird dieser Leistungsexzess durch je vier KT66 pro Kanal, die in Ultra-Linear- Schaltung, also mit einer Schirmgitter-Mitkopplung via Übertrager-Anzapf, zum Einsatz kommen. Die Leistungspentoden bewährten sich einst im legendären Quad II von 1952, der allerdings mit einem einzigen Pärchen der Kraftkolben pro Kanal vorlieb nehmen musste.

Synthesis Action A100T: Aufbau

So wie damals fiel die Wahl auch beim A100T auf die KT66, weil deren Ausgangswiderstand (22 KiloOhm) exakt mit dem speziell für diesen Amp entwickelten Ausgangsübertrager harmoniert. Nicht ganz so penible Hersteller hätten - Ohm hin, Ohm her - sicherlich die populärere KT 88 genommen.

Die Italiener, die mit dem Bau von Trafos für Gitarren-Amps ihre Firma begründeten, legen auch die Übertrager-Eisenkerne für den A100T nicht nur mit Worten auf höchste Linearität und Breitbandigkeit aus. Die Heizung der Röhren mit stabilisierter Gleichspannung verspricht Brummstörungen auf ein absolutes Minimum zu drücken. Zur Ansteuerung der Ausgangsstufe setzt Synthesis die üblichen ECC82 und 83 ein.

Synthesis Action A100T

© J. Bauer/Hersteller

Messlabor: Auch wenn der A100T die Herstellerangaben knapp verfehlte: 2 x 91 Watt an 4 Ohm sind im Reich der Röhren ein beachtlicher Wert. An 8 Ohm leistet der Synthesis- Amp 46 Watt pro Kanal bei ebenfalls 3% Klirr gemessen. Der Stabilitätswürfel weist den Vollverstärker als laststabil und kräftig aus, was sich ebenfalls in der AK von 56 ausdrückt. Der A100T gehört damit zu den flexibelsten Röhren. Der Störabstand von 92 dB via Hochpegel ist sehr gut, dafür patzen die Digital-Eingänge: 77 dB für S/PDIF respektive 81 dB für USB lassen die Wandler- Funktion eher als praktische Notlösung erscheinen. Die Klirrverteilung ist nicht optimal, es dominiert über weite Strecken K3, zudem liegt der Klirrpegel relativ hoch.

Oder doch nicht die üblichen: Sämtliche Röhren durchlaufen bei der endgültigen Selektion einen zweistufigen Aufwärmprozess, um die Auswirkungen von Qualitätsschwankungen auf das Klangbild wirklich so gering wie möglich zu halten. Das besonders steife, H-förmige Chassis- Element zur Aufnahme der Netz- und Ausgangs-Transformatoren trägt mit seiner Stabilität ebenfalls zur Wiedergabetreue bei.

Kaufberatung: Drei Röhren-Vollverstärker im Test

Neben Röhren-Nostalgie setzt der italienische Hersteller durchaus aktuelle Akzente: Das Gehäuse besticht zwar durch den großzügigen Einsatz von gebürstetem Aluminium, wirkt aber absolut zeitlos elegant. Bei den massiven, aus dem Vollen gedrehten Füßen und bei der Fernbedienung setzt Synthesis auf den Einsatz modernster CNC-Fräsen. Doch die Computertechnik spielt nicht nur eine Rolle bei der Produktion des Action A100T.

Auch bei der Wiedergabe arbeitet der Vollverstärker mit dem PC zusammen. Mit seinem USB-Anschluss übernimmt das Gerät die Aufgaben einer externen Soundkarte. In deren Mittelpunkt stehen immerhin zwei jener vergleichsweise raren, in Doppel-Mono- Konfiguration verwendeten Wolfson-D/ A-Wandler vom Typ WM8740 mit einer Auflösung von 24 bit/196 kHz. Diesen Konverter stellt der A100T via koaxialem S/PDIF-Eingang auch in den Dienst gewöhnlicher CD-Player.

Synthesis Action A100T

© J. Bauer/Hersteller

Last Action Hero: Auf der Rückseite schauen Computer-User nicht in die Röhre - im doppelten Sinne. Der A100T ermöglicht ihnen den Direktanschluss an den Rechenknecht, um dann als externe USB-Soundkarte zu fungieren. Für CD-Player gibt es einen Koaxial-Eingang.

Hörtest

Im Hörtest zeigte der feurige Italiener eine äußerst solide Leistung. Und er kam gleich zur Sache. Das übliche Vorspiel mit dem Durchkämmen des Lautsprecher-Lagers nach geeigneten Boxen und das gewöhnlich folgende Herumexperimentieren konnten wir uns bei diesem strompotenten Kraftprotz sparen. Der Action A100T nahm, was ihm vorgesetzt wurde, ganz gleich, ob es sich dabei um die im Bassbereich äußerst wählerische KEF Reference 207/2 handelte, oder um die Sonics Allegra II.

Wer mit Röhren bisher lauwarme Kerzenschein-Idylle mit audiophilen Aufnahmen verbindet, auf denen dann vorzugsweise ein Interpret an einer Akustikgitarre oder Harfe herumzupft, muss unbedingt diesen heißblütigen, kraftvollen und breitbandigen Ferrari unter den Röhren-Amps anhören. Mit ihm ließ sich Rock, Jazz oder Funk wie direkt vor der Bühne erleben. Satt, knackig, konturiert (selbst im Tiefbass), emotional, dreidimensional. Klangkörper-Kult statt flacher Kopflastigkeit. Das ging mit der richtigen Musik - etwas "Heads Up" von der Stanley Clarke Band - direkt unter die Gürtellinie.

Der A100T entfachte keinen Sturm im Wasserglas, er ließ einen Orkan auf- brausen. Die Musik kam auf die Tester zu. Wo starke Transistor- Kraftwerke aus deutschen Landen wie der formidable T+A PA 3000 HV vergleichsweise unbeteiligt im Steno-Stil über das Geschehen informieren, schwelgte der im Grenzbereich soft clippende Italiener wie Fellini in opulenten, farbenprächtigen, aber gleichwohl neutralen Klangbildern.

Das Brummen der Gitarrenamps bei "Fulani" kam so authentisch und plastisch über die Rock- Röhre, wie man es sonst nur in Natura erleben kann. Meinetwegen, so eine Transe mag ehrlicher und noch genauer sein. Sie bringt aber nicht diese nicht Live-Atmosphäre rüber. Es mag widersprüchlich klingen, aber wer selber hört, spürt sofort, was richtiger ist.

 

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