Testbericht

T+A Criterion TS 200

Echte HiFi-Freunde wollen's auch mal richtig krachen lassen: Sie bevorzugen ausgewachsene Standboxen mit ordentlichem Tiefbass-Fundament. So etwas wie die T+A Criterion TS 200.

  1. T+A Criterion TS 200
  2. Datenblatt
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© Archiv

Entwickler sind auch nur Menschen. Manche haben Ausstrahlung, andere nicht. Wer sie hat, wird beispielsweise noch wahrgenommen, wenn er auf der anderen Straßenseite voranschreitet. Leute ohne Charisma spricht nicht mal der Pförtner auf ihre Dienstausweise an, wenn sie am Empfang vorbeihuschen. Siegfried Amft, der Chef von T+A, zählt zum ersten Typ. Und wenn der Mann aus dem ostwestfälischen Herford von seinen großen Boxen schwärmt, weiß man schon ungefähr, wie sie klingen und für wen sie konstruiert wurden. Schallwandler, gewappnet für Expeditionen ins Tiefst-Reich. Und - nomen est omen - Lautsprecher, die eben wahre "Laut"-Sprecher sind.

Trockener Bass

Kompromissloses HiFi für Freaks, die schmale, unauffällige Böxchen schon fast als Verrat an der Sache ansehen. Damit die Exkursionen in die Welt der tiefen Töne nicht in einen unberechenbaren Schlingerkurs mit akustischer Absturzgefahr ausarten können, hatte Amft seiner Entwickler-Mannschaft eine klare Botschaft ins Pflichtenheft -diktiert: Eine Transmission-Line sollte es schon sein. Die ist konstruktiv auf jeden Fall aufwendiger als die üblichen Bassreflex-Alternativen. Ist sie exakt berechnet, profitiert der Bass nachhaltig. Dort wirkt sie auch nur: Einzig die Tieftontreiber (die beiden unteren Chassis) arbeiten auf ein internes Gehäuse-Labyrinth, das bis hin zu seinem Ausgang unliebsame höhere Frequenzanteile bedämpft und mittels Laufzeitverzögerung eine zusätzliche Tieftonquelle sprudeln lässt. In einem Separee dagegen verrichtet der Mitteltöner seinen Dienst. Bei den Chassis handelt es sich natürlich nicht um zugekaufte Exemplare, sondern um Eigenkonstruktionen mit mächtigen Antrieben und raffinierten Membranen. Bis auf den weiterentwickelten Ring-strahlenden Hochtöner mit Gewebekalotte verwendet T+A das neue "Greycone" als Membranmaterial. Dabei handelt es sich um einen Verbundwerkstoff aus luftgetrockneten Holzfasern und Graphit-Partikeln.

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Der Mitteltöner

Klare Mitten

Silikongefüllte Schlitze in den Mittelton-Membranen sagen darüber hinaus den gefürchteten Partialschwingungen den Kampf an. Die bösen Resonanzen finden im Konus keine Möglichkeit sich auszubreiten, wenn sich die physikalischen Bedingungen so ständig und nachhaltig ändern wie zwischen Membran und Silikon. Kollege Malte Ruhnke sammelte die ersten Erfahrungen mit der TS 200 - dann lud er den Autor dieses Tests in den total verdunkelten AUDIO-Hörraum und legte die CD "pure music Vol. 3" in den Player. Track 2 ertönte, mit den legendären Paganini-Variationen von Boris Blacher. Und zwar so kräftig und mächtig, so dominant und - groß (!), dass sich der zum Blindtest geladene Autor glatt eine Fehleinschätzung leistete. Er hätte nämlich Stein und Bein geschworen, dass vor ihm eine an Abmessungen deutlich -höhere, breitete und tiefere Box stünde. So etwas vom Schlage einer Focal Nova Utopia. Das zeigte auch der Quervergleich mit der ME Geithain 150. Die Sachsenbox stieß hinsichtlich Pegelfestigkeit und insbesondere Tiefbass-Kultur markant früher an Grenzen, sie erschien - um im Bild zu bleiben - einfach kleiner als die TS 200.  Dennoch bremste die knapp 1000 Euro teurere Geithain die T+A in bestimmten Disziplinen auch aus. Ihrer Neutralität, ihrem Detailreichtum setzte die TS 200 ein etwas seidigeres und zurückhaltenderes Klangbild entgegen. Die T+A ist in den genannten Kriterien gut, gar kein Zweifel. Aber das Bessere ist eben des Guten Feind. Künftige Besitzer wird's nicht stören. Vorausgesetzt, sie hören lieber laut als leise. Denn knapp oberhalb der Hörschwelle, wo andere Boxen noch homogen und schlüssig tönen, spielten die TS 200 etwas farblos, müde.  Aber wehe, sie wachen mit zunehmender Lautstärke auf: Dann sind sie eine Klasse für sich.

Fazit

Ein tolles Angebot für HiFi-Fans, die richtig Kapelle machen wollen, können, dürfen. Völlig egal, ob sie auf Rock, Pop, Jazz oder Klassik abfahren: Mit der T+A TS 200 kommen sie auf ihre Kosten. Wer auch ganz gerne mal leise hört (oder hören muss), braucht entweder andere Boxen oder zusätzlich einen Kopfhörer für die HiFi-Nachtschicht.

T+A Criterion TS 200

HerstellerT+A
Preis4000.00 €
Wertung94.0 Punkte
Testverfahren1.0

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