Testbericht

T+A Criterion TS 350

Kompromisse duldet T+A-Chef Siegfried Amft für gewöhnlich nicht, eine Produktion in Fernost lehnt er rundweg ab. Mit der neuen TS 350 bieten die Herforder nun zum ersten Mal die Chassis ihrer Criterion-Serie sowie ein Transmissionline-Gehäuse für 2000 Euro Paarpreis an - in Deutschland gebaut, versteht sich.

  1. T+A Criterion TS 350
  2. Datenblatt
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© Archiv

Auf den Mokka-Farbton setzt T+A mit seinem Nussbaum-Furnier. In der Konstruktion des Gehäuses weicht T+A jedoch vom Mainstream ab: Anstatt eines Bassreflexrohres hat die TS 350 eine Transmissionline. Diese wirkt auf den von den Chassis nach hinten abgegebenen Schall wie ein akustisches Verzögerungsglied und stellt die Phasengleichheit zu den nach vorne abgegebenen Schallwellen wieder her. Um damit echten Tiefbass zu erzeugen, muss die Wegstrecke lang sein - bei der TS 350 sind es etwa 2,2 Meter, die in der kleinen Box doppelt gefaltet untergebracht wurden.

In Transmissionlines mit Tiefmitteltöner treten Schwingungen oberhalb des Bassbereiches auf, die ungewollt durch die Öffnung dröhnen. T+A löst dieses Problem auf elegante Weise: Das untere Bass-Chassis erzeugt ohnehin nur Basstöne, das obere arbeitet auf die Line über den Umweg eines akustischen Filters, das Mittenanteile komplett herausfiltert. Die Membran selbst gehört zu den Erfindungen, auf die Siegfried Amft besonders stolz ist: Das nicht allzu steife Fasermaterial wird in Streifen zerschnitten; mit Silikon verfugt T+A dann die Schnittstellen wieder - durch die verschiedenen Dämpfungseigenschaften beider Stoffe haben stehende Wellen keine Chance. Sanften Hochton verspricht der firmeneigene Gewebe-Ringradiator - lediglich die Membranteile direkt an der Schwingspule werden hier nennenswert bewegt.

Hörtest

Zur Einstufung stand die Canton Karat 790 DC bereits im AUDIO-Hörraum (AUDIO 10/07).  Die T+A konnte mit ihr zwar quantitativ mithalten, ihr druckvoller Bass ließ jedoch etwas Tiefgang wie Timing vermissen; die Transmissionline bezauberte eher mit ihren sauberen und kompressionsfreien Tieftönen. 

Das "Lacrimosa" aus Mozarts Requiem (Guttenberg, Farao) hob mit langsamen Chorsequenzen an. Die T+A wählte eine immer angenehme, etwas distanzierte und eher warme Spielweise, bremste allerdings den vitalen Chor auch hörbar ab und deckelte die Sänger in der Dynamik. Bei schwierig produzierten Scheiben gewann die T+A wieder die Oberhand, sie besänftigte die historische Schärfe solcher Aufnahmen elegant und gab dem Song Wärme und Klarheit zurück, ohne ihm Kraft und Dynamik zu nehmen.

Als zweiter Maßstab trat schließlich noch die Quadral Platinum Ultra 9 (AUDIO 3/07) an. Die T+A wirkte im gesamten Vergleich zu wenig antrittsschnell, setzte der lockeren Selbstverständlichkeit der Quadral ihre etwas gebremste Gangart entgegen. Und doch konnten sich in der AUDIO-Redaktion nur wenige die Quadral im eigenen Wohnzimmer vorstellen - für einen Feingeist scheidet sie schon wegen ihrer bullig-provokanten Optik aus. Da bieten die Schönheiten von T+A deutlich mehr Reize - nicht zu vergessen das gute Gefühl, "Made in Germany" gekauft zu haben. 

Fazit

Für viele HiFi-Fans sind 2000 Euro eine Menge Geld. Sparen Sie trotzdem nicht an den Boxen, diese sind in der Kette das am meisten klangbestimmende Glied! Die T+A wird auch künftige Design-Trends überstehen und ist eine Anschaffung für viele Jahrzehnte.

Aufstellungstipp: Boxen auf den Hörer richten, auch vertikal - oder tiefe Hörpositionen wählen. Wandnah je nach Raum zu ungenau.

T+A Criterion TS 350

HerstellerT+A
Preis2000.00 €
Wertung83.0 Punkte
Testverfahren1.0

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