Testbericht

T+A Criterion TS 400

Nach der TAL XM baut T+A wieder einen klassischen Kompaktmonitor. Der gab sich im Nahfeld intim, aber überraschend erwachsen.

  1. T+A Criterion TS 400
  2. Datenblatt
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© Archiv

Nur 15 Zentimeter misst der Tiefmitteltöner der Kleinbox, und doch muten ihm die T+A-Entwickler eine untere Grenzfrequenz von 45 Hertz zu. Um die zu bewältigen, braucht er hohe Antriebskraft, großen linearen Hub und damit eine stabile Schwingfläche. T+A nennt die spezielle Sandwich-Membran aus Fasermaterial und Lack ihrer Farbe nach einfach Greycone. Doch nicht die fällt dem Betrachter als erstes ins Auge, sondern die charakteristischen Schlitze, die nicht etwa zu Verwechslungen mit ähnlich anmutenden Scanspeak-Chassis führen sollten. T+A zerschneidet die Membran regelrecht, um sie anschließend mit einem Spezialkleber wieder zusammenzufügen - so ergibt sich eine heterogene Struktur, die Partialschwingungen und umhervagabundierende Wellen auf der Membran von vornherein verhindern soll.

Das mag man für übertrieben halten, muss doch der kleine Konus nur bis 2200 Hertz hinauf spielen - bereits so tief übernimmt der T+A-typische Ringradiator, der in seiner neuen Variante ohne die früher übliche Spitze in der Mitte auskommen muss. Außen und innen wird er nur von je einer Sicke getrennt fixiert, was optisch die Assoziation erzeugt, die T+A schaue den Hörer mit einem Zyklopenauge ständig an. Gegenüber einer konventionellen Kalotte bietet dieser Radiator den Vorteil, dass sich keine Membranteile per Partialschwingung selbstständig machen können - er birgt jedoch für den Entwickler erhöhte Risiken bezüglich Klirr und zu früh ansteigender Schallbündelung.

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Der T+A Ringradiato produziert sanfteren Hochton, der Tiefmitteltöner glänzt mit Magnetkraft

Schreiner-Kunst

Die charakteristisch geschwungene, fern an Musikinstrumente erinnernde Grundform der Serie ziert auch die kleine TR 400. Eine Transmissionline - also einen Verzögerungskanal für den Bass - gibt es in der Kompaktbox natürlich nicht, hier schafft auf der Rückseite ein konventionelles Reflexrohr - mit erstaunlich tiefer Abstimmfrequenz; bei 41 Hertz resoniert die Luftmasse darin. Hohe Verarbeitungsqualität bieten die Echtholzfurniere: T+A setzt auf Individualität. Jede Box in der von AUDIO georderten Kirschvariante hat eine einzigartige Maserung und ist damit ein Unikat - fast, denn das hauchdünne Holzkleid wird paarweise selektiert und erzeugt dann bei zwei Boxen spiegelbildliche Muster. Die Lackierung ist nur dezent, und keineswegs werden die Holzporen komplett versiegelt: So kann der Besitzer dieser T+A-Box eine haptisch ansprechende und gleichermaßen ökologisch korrekte Holzoberfläche genießen.

Künstlertreffen

Der Test der T+A TR 400 geriet zum Gipfeltreffen der audiophilen Kompaktboxen - und zu einem Fest für die Musik: Im direkten Vergleich mit der Sonics Argenta (1200 Euro) zeigte sich die T+A zurückhaltender, nicht so detailverliebt: Sie schälte weniger Feinheiten aus den Aufnahmen, dämpfte dafür auch störende Beigaben wie das Rauschen analoger Aufnahmen und Störgeräusche der Konzertbesucher auf der "pure music Vol. 1"; so konzentrierte sie den Fokus des Hörers mehr auf den musikalischen Gehalt. Vermutliche Ursache: Der Ringradiator bündelt gerade die höchsten Frequenzen doch merklich.

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Stabile Anschlussterminals, gebogene Grundform und ein Furnier mit gehobener Anfassqualität.

Wem die T+A nach den ersten Takten zu wenig Glanz zeigt, der sollte es mit einer sehr genauen Einwinkelung des Tweeters auch in der Höhe versuchen; dann gibt sich die TR 400 hörbar heller. Aber dennoch nicht spitz - wer diesbezüglich Vorurteile gegenüber T+A-Boxen pflegt, sollte der Kleinen unbedingt eine Chance geben. Völlig unangestrengt, vergleichsweise sanft arbeitete sie die mittleren Lagen und Obertöne des massiven Orchesterapparates in Mahlers 10. Sinfonie (komplettierte Fassung, Rattle, EMI) heraus, scheute auch vor den gewaltigen Paukenschlägen im Finalsatz keineswegs zurück.

Die TR 400 bildete Stimmen eher vor der Stereobasis ab, schob den Raumhall nach hinten: Wenn die Sonics Argenta gern als akustische Lupe bezeichnet wird, ist die T+A ein akustisches Opernglas. Die satten Tiefbässe auf Joe Satrianis "Engines Of Creation" (Sony BMG) reproduzierte die T+A mühe- und fast kompressionslos. Erst bei einem weiteren Dreh am Regler kündete ein "Plopp" von der Überforderung des T+A-Tieftöners. Doch die setzte für eine so kleine und tiefbassstarke Kompaktbox überraschend spät wie plötzlich ein.

Fazit

Wer denkt, ein Kleinmonitor könne nicht tief und erwachsen spielen, dem empfehle ich ausdrücklich ein Date "Auge in Auge" mit der kleinen T+A. Ihr Klang beeindruckt nicht durch einzeln hervorstechende Aspekte der Musik, sondern vor allem durch seine Ausgewogenheit. Hören im Nahfeld hat was, aber gefällt bekanntlich nicht jedem. Da lobe ich mir die T+A, mit ihr kann man nah hören - aber man muss nicht.

T+A Criterion TR 400

HerstellerT+A
Preis1500.00 €
Wertung82.0 Punkte
Testverfahren1.0

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