Stereo-Komplettanlage

Technics SU-R1 + SE-R1 + SB-R1 im Test

Technics galt jahrzentelang als ultimative Ideenschmiede der HiFi-Welt – bis sie 2008 vom Markt verschwanden. Die Referenz-Anlage R1 aus Standbox SB-R1, Vorverstärker SU-R1 und Endverstärker SE-R1 läutet nun das große Comeback der Japaner ein und setzt bei Technik und Klang wieder neue Standards.

Technics SU-R1, SE-R1 & SB-R1

© Technics

Technics SU-R1, SE-R1 & SB-R1

Pro

  • Vorverstärker SU-R1: sehr gut bedienbar, extrem gute Auflösung, perfekte Raumabbildung
  • Endverstärker SE-R1: kräftiger, trotzdem fein-sensibler, Class-A-Röhren-ähnlicher Klang
  • Standbox SB-R1: hochauflösend, locker, smart und stets ausgewogen-neutral. Hervorragende Grob- und Feindynamik, sehr authentische Bühnenabbildung.

Contra

  • keine
100,0%

Technics kennt jeder. Immerhin prägte diese einst von Panasonic ins Leben gerufene Edelmarke über 40 Jahre die HiFi-Welt. Die Entwicklungsabteilung lieferte in regelmäßigen Abständen routiniert Meilensteine der HiFi-Geschichte ab, beispielsweise das Linear-Phasen-Lautsprechersystem SB-7000, die erste Endstufe mit konstanter Spannung erzeugenden Hochleistungsnetzteil SE-1000 oder den VW-Käfer unter den Plattenspielern, DJ-Allzweckwaffe Technics SL-1210.

Umso tiefer saß der Schock, als der Mutterkonzern Panasonic 2008 endgültig den Stecker zog und selbst der 1210 nicht mehr vom Band laufen sollte. Einige eingeschworene Mitarbeiter ließen aber nicht locker und arbeiteten quasi geheim im Mutterkonzern weiter an ihren Ideen. Und so wundert es auch nicht, dass das Comeback der Marke gleichzeitig auch das Comeback einer Philosophie ist. Statt etlicher neuer Produktpaletten beschränkt sich Technics für den Neustart auf zwei an legendäre Klassiker angelehnte Serien - das Premium-Class C700-System und die Referenz-Anlage R1, bestehend aus Netzwerkplayer, DAC und Vorverstärker SU-R1, volldigitalem Endverstärker SE-R1 und dem Koax-Lautsprecher-System SB-R1 im Gesamtwert von 40.000 Euro.

Hochpreisig vielleicht, aber auch hochexklusiv, denn besonders die Referenz-Serie ist weitaus mehr als die Summe ihrer Teile. Die an sich schon sagenhaften Lautsprecher entfalten im Zusammenspiel mit der Phasen- und Last-Anpassung der Endstufe so richtig ihr Potenzial. Letztere ist weit mehr als nur kraftvoller Antreiber, sie übernimmt im Idealfall die komplette digitale Signalverarbeitung bis kurz vor die Boxen. Wenn sie denn von der HiRes-fähigen Wandler- und Netzwerk-Vorstufe entsprechend über den proprietären Technics Link versorgt wird, der Audiosignale und Lautstärkeinformationen getrennt und somit verlustfrei übermittelt. Für genügend HiRes-Futter sorgt der ab Januar startende eigene Downloadshop "Technics Tracks". Alles in tadelloser Qualität und Look bewährter Klassiker. Alte Tugenden und neue Errungenschaften einträchtig vereint - so kennt man Technics.

Vorverstärker Technics SU-R1

Mit siebzehn Kilo gehört der in feinstes Vollaluminium gekleidete SU-R1 sicherlich zu den gewichtigsten Netzwerk-Playern. Zu den fähigsten allemal, dient er doch als HiRes-fähiger PCM-Künstler sowie DSD-Verwerter via Ethernet-Eingang als auch asynchron arbeitende USB-Außenstelle für den Computer für alle Auflösungsvarianten bis zu 384 Kilohertz/32 Bit (PCM) und 5,6 Megahertz (DSD). Zusätzlich können noch sechs weitere Digitalzuspieler ihre Datenfracht über eine AES/EBU-Schnittstelle, drei Koax-Inputs, einem optischen Eingang und einem weiteren USB-Schacht an die Technics- Schaltkreise übergeben.

Dort sind die binären Daten so sicher und ungestört wie im Tresorraum einer Schweizer Bank. Abgesehen von einer ähnlich gewaltigen Menge an rundum abschirmenden Metall sorgt für jeden Eingang ein eigener Türsteher, dass ungebetene Gäste wie Hochfrequenzrauschen keinen Zutritt erhalten - vom Gleichtakt-Filter beim Netzwerk-Board über den Pulse Transformer am SPDIFEingang zum Glimmer-Kondensator am USB-Törchen. Ein sogenannter Bus- Conditioner sorgt dort auch für die schonende Entkopplung von der per USB zwangsweise mitreisenden 5-Volt- Spannung.

Auch das eigene Netzteil - und in diesem Falle sind es zwei beeindruckend mächtige Exemplare, jeweils für Analogund Digitalsektion - ist gerne eine potenzielle Störquelle. Im SU-R1 greifen die Entwickler deswegen auf einen bewährten Technics-Trick zurück: Im virtuellen Batteriebetrieb dienen Kondensatoren als Energiequelle, das eigentliche Netzteil wird abgekoppelt. Stoppt die Musik, darf das Netzteil wieder ran und der Kondensator wird aufgeladen. Für noch mehr Ungestörtheit schaltet der Player zudem auf Wunsch alle nicht benötigten Schaltkreise ab.

So relaxt dürfen sich die Digitalwörtchen auch noch auf eine Nachbehandlung der Extraklasse freuen. Nicht-HiRes-Daten bekommen eine Veredelung sowohl in Samplingfrequenz als auch Tiefe spendiert und dürfen mit 192 Kilohertz/32Bit den Weg zum D/A-Wandler nehmen. Zudem sorgt ein eigenes Technics Filter für das notwendige Anti-Aliasing vor der Wandlung.

Die Frage lautet nur, welcher D/A-Wandler sich der Daten annimmt. Im SU-R1 steht dazu für jeden Kanalzug jeweils ein namhafter Burr-Brown PCM1792 bereit. Dieser kommt aber nur zum Einsatz, sollte der SU-R1 via Analog-RCA oder XLR an einen Vollverstärker andocken anstatt an die eigene Endstufe. In diesem Falle büßt der Player aber nicht nur seinen kongenialen Partner ein, sondern auch die komplette Lautstärkeregelung. Die ist nämlich nur via Technics Digital Link (in physischer Gestalt zweier Netzwerk-Kabel) aktiv. Dort überträgt der Technics Player erstens alle Signale kanalgetrennt direkt an den Endverstärker, der auch für die abschließende Digital-Analog-Wandlung verantwortlich zeichnet (siehe nächste Seiten). Zweitens das Taktsignal, über das sich Player und Endverstärker für eine jitterfreie Umsetzung synchronisieren. Und drittens die Lautstärkeregelung, die so dem eigentlichen Nutzsignal kein einziges Bit an Information kostet. Im Idealfall arbeitet die Technics-Elektronik völlig digital bis kurz vor die Boxen - und wandelt deswegen auch an die Vorstufe via RCA oder XLR angeschlossene Analog-Quellen konsequent in Digitalsignale mit 192kHz/24Bit um.

Zwar hätten wir in der Redaktion dem SU-R1 gerne eine Bewertung als Solo-Player gegeben - schon allein wegen seiner Vielseitigkeit, der wirklich überzeugenden Bedienung über die hausgemachte "Technics Music App" für iOS und Android als auch per exquisiter Fernbedienung und gut lesbaren Dot-Matrix-Display. Aber sein ganzes klangliches Potenzial entfaltete er nun mal nur im direkten digitalen Verbund mit dem Endverstärker SE-R1. Zusammen bestach die Kombi mit einer faszinierenden Präzision und Stabilität, mit Lebendigkeit, Kraft und perfekter Musikalität.

Endverstärker Technics SE-R1

Sieht die Vorarbeits-Technikerin - ganz abgesehen von ihren musikalischen Fähigkeiten - hervorragend aus, gibt der Endverstärker eine geradezu blendende Erscheinung ab. 55 Kilogramm HiTec und Stärke. Die hochragende, feinst gestriegelte Alu-Gewandung strotzt nur so vor Passung und Ebenmaß. Und eine Referenz an die früheren Zeiten gibt es auch: Ein lichtdurchflutetes Schaufenster mit riesigen klassischen Spuleninstrumenten.

Den Dimmer-Knopf und die Schaltfunktionen für Boxenpaar A oder B oder beide sowie für die Eingangs-Pegeldämpfung (minus 10, 20 und 30 Dezibel) nimmt der Fan in der Folge ohne Verwunderung wahr. Mit der Wahlposition "Digital" bekennt sich der Amp allerdings bald wieder zu ganz neuen Zeiten. Und - was nicht heißen soll, dass er nicht mit Normal-Vorstufen anbandeln könnte - zu seiner schönen Schwester SU-R1 aus dem gleichen Haus.

Denn von ihr nimmt der Bruder die Musik nicht in analog-gewandelter, lautstärkegeregelter oder sonstwie leicht "angemurkster" Form, sondern in allenfalls umgruppierten Bits in Spannungs-Hochform an. Und zwar In vielstelligen Datenworten, die er - an möglichst später und somit günstigster Stelle - so gut wie verlustfrei auf diesen oder jenen Wunschpegel umkalkulieren kann.

Auch wenn vorn am SE-R1 die Zeiger noch so gemütlich zuckeln, logischer Weise nimmt sich ein mit allen digitalen Wassern gewaschener Bordcomputer der Daten an. Um sie aber beileibe nicht zur Unzeit in die einstreu-gefährliche analoge Welt zu entsenden. Nein, er ordnet sie in einem beliebig schnellen Prozessor - unter peinlichster Beachtung höchst ausgekupferter digital-mathematischer Vorlagen - nur zu einem sogenannten Pulsweitenmodulations-Datenstrom um. Dabei steht im wahrsten Sinne des Wortes nicht nur sauberes Schaffen, sondern auch die Vorweg-Betrachtung und Kompensation späterer Fehler auf dem Programm.

Dergleichen lassen sich bei kräftigen Ausgangs-Amps grundsätzlich nicht ganz vermeiden. Und zweimal nicht bei den Schaltendstufen, die Technics verwendet, um die Signalverarbeitung so lange wie möglich digital zu belassen. Doch ad 1 müssen die Japaner den in derartigen Verstärkern üblichen, relativ rüden Pulsweiten-Eingangsumsetzer nur im Falle analoger Ansteuerung einsetzen. Ad 2 werden die Schalt-Verlustzeiten - ohnehin durch den Einsatz modernster, ultrafixer Galliu-Nitrit-Schalttransistoren minimiert - durch den Rechner berücksichtigt. Ergo bleiben ad 3 noch die schwankende Impedanz der angeschlossenen Boxen und die relativ langsamen Wirkung von Korrektur-Gegenkopplungsschleifen als Unsicherheitsfaktoren übrig. Für den SE-R1 gilt aber auch Punkt 3 allenfalls zum Teil.

Denn dieser Verstärker schaut sich - nach Aktivierung seiner "Load Adaptive Phase Calibration" über einen ambitionierten Vergleich der Endstufen- Ein- und Ausgangsdaten, die Variation der Boxen-Widerstandswerte und den damit verbundenen Phasenversatz ganz genau an. Um darauf ebenfalls - so wie auf den bereits prognostizierten Unbill auch - mit einer Vorauskorrektur zu begegnen. Bleibt noch zu erwähnen, dass auch die Lautstärkestellung - sie findet bei der Technics-Kette ja im Endverstärker statt - ebenfalls mit Bedacht geschieht. Im Falle leiser, dünnt das SE-R1-Gehirn die Daten vorsichtig aus.

Uff, jetzt muss sich aber auch der biologische Kopf erstmal erholen, was er mit der Betrachtung der mit zwei räumlich getrennten Wickeln gesegnetene Schnittband-Netzteiltransformatoren des SE-R1 auch gerne darf. Gut, bei zwei von fünf dieser schwierig herzustellen Gebilde (der Kern besteht aus sich zu Enden hin verjüngenden Streifen, die mühsam aufgewickelt werden) handelt es sich um Drosselspulen - jüngste High-End-Erkenntnisse bekräftigen dies - eingesetzt, um allzu heftige, magnetisch sauigelnde Ladeströme zu vermeiden. Schließlich könnte der HiFiist sich in sechs super prächtige Elkos verlieben und vielleicht auch in die beiden analogen Leistungsverstärker, die rechts und links auf den Kühlprofil-Seiten sitzen. Doch bei näherer Betrachtung entfährt ihm ein Donnerwetter - weil diese Stufen nichts weiter tun als die Betriebsspannung für den rechten und linken Schaltamp zu stabilisieren. Letztere sitzen gemeinsam auf einem eigenen Kühler hinten an der Rückseite - wie gesagt mit schnellen Gallium-Nitrit-Transistoren bestückt, hochfrequenzgerecht dicht gedrängt und von einer Kupferschatulle abgeschirmt.

Indem hochwertige Filter, Spulen und Folienkondensatoren im Anschluss daran Nieder- und Hochfrequentes auseinandersortieren und die Schwingungen glätten, ensteht wieder ein schönes Musiksignal. Und aller Wahrscheinlichkeit ein wirklich schönes, weil Technics für diese Digital-Analog-Wandlung ganz am Schluss der Kette passive Bauteile einsetzt und daher nichts anbrennen kann. Wirklich nicht: Die Hörerschaft erfreute sich bei dem in diversen Konstellationen betriebenen SE-R1 allenfalls einer wohligen musikalischen Wärme. Die der Japaner mit einer wunderbaren, bewegenden Lebendigkeit und mit einer sagenhaften Feinauflösung verband. Und mit noch mehr: Mit tiefgründig-plastischen, nicht einfach dunklen, sondern vielerlei tieffarbigen Bassfiguren. Und mit einer himmlischen Aura, die an die besten Single- Ended-Röhrenverstärker erinnert.

Standbox Technics SB-R1

Je länger man im Netz nach Hintergrundinfos über die neue Technics- Anlage stöbert, desto klarer wird, dass die Japaner nichts, aber auch gar nichts dem Zufall überlassen wollten. Jede Komponente dieses Highend-Trios weckt den Eindruck, es mit dem gesammelten technischen Know-How von Technics beziehungsweise mit dem gesamten Wissen des Mutterkonzerns Panasonic zu tun zu haben. So auch beim Standlautsprecher SB-R1.

Eines vorweg: Bereits beim Blick auf die vom AUDIO-Labor ermittelten Messwerte muss der gemeine, gerne überanspruchsvolle, aber stets technikaffine HiFi-Tester - egal, ob jung oder alt - einen lang anhaltenden, huldigenden Kniefall leisten: Der Frequenzgang verläuft nicht nur axial, sondern auch seitlich gemessen enorm breitbandig und linear - überschreitet dabei sogar die Fähigkeiten der bis 40kHz nachvollziehbar neutral funktionierenden Messmikrofone. Das über die Qualität der Chassis aussagekräftige Wasserfallspektrum und die noch aufschlussreichere Klirramplitudenmessungen sind blitzeblank sauber. Jedenfalls behaupteten die Kollegen aus dem Labor mit leuchtenden Augen, schon lange keinen sich so mustergültig messenden Schallwandler auf dem Prüfstand gehabt zu haben.

Beim Anblick der Güte der einzelnen Komponenten verwundert dies aber auch nicht. Angefangen beim Gehäuse: Der schwarze Piano-Lack entsteht in Handarbeit und benötigt viele stundenintensive Arbeitsschritte, um in dieser Pracht zu erstrahlen. Aber auch unter dem Glanzkleid sieht es ordentlich aus. Die Seitenwände der über 120 Zentimeter hohen Japanerin bestehen aus acht Schichten MDF, die in einem enorm aufwendigen Verfahren zunächst miteinander verleimt und dann in Form gebogen werden. Drei dicke Holzverstrebungen im Inneren versteifen das Gehäuse zusätzlich, während eine davon das Volumen akustisch halbiert. Die Gehäusefront aus 50mm starkem einteiligen MDF sorgt für eine vibrationsfreie, ebenfalls sehr steife Schallwand, was ideale Bedingungen für die Chassis bietet. Die SB-R1 arbeitet nach klassischer 3,5-Wege-Manier und nutzt insgesamt sechs Treiber mit doppelter Reflexrohr- Ventilation. Die Signaltrennung für die verschiedenen Wandler übernimmt ein Weichensystem, das auf drei an unterschiedlichen Orten im Gehäuse platzierte Platinen verteilt ist. Die Aufteilung soll eine gegenseitige elektrische Beeinflussung in den Chassis vermeiden und die Platinen nebenbei vor Vibrationen schützen.

Bei näherer Betrachtung fallen sofort einige technische Details auf. Nummer Eins - fangen wir im Freqenzspektrum mal unten an: Die recht ungewöhnlich geformten Gummi-Sicken der vier identischen Tieftöner, die häufig am Übergang zwischen Membran und Sicke entstehende Verzerrung unterdrücken sollen. Technics setzt bei den Woofern doppelwandige Membranen im kleiner dimensionierten 16-Zentimeter-Format ein. Außen kommt auch von anderen Herstellern gern genommenes Karbongewebe zum Einsatz, innen eine versteifende Zellulosemembran aus der Kunstfaser Aramid und dem Naturpendant Bambus. Die vier Woofer leisten zusammen den gleichen maximalen Schalldruck wie ein Chassis mit 32cm-Membran. Der Vorteil der kleineren Chassis: Die Schallwand ist schmaler, wodurch Ortbarkeit und generell Bühnendarstellung profitieren - oder anders herum: breite Schallwände stehen (nicht nur) bei Technics unter Verdacht, die Abbildung zu beeinträchtigen.

Was für die Japaner vollkommen indiskutabel wäre. Denn die Entwickler sind ganz besonders auf die Auflösungfähigkeiten ihres Koaxes stolz - dem zweiten Technik-Schmankerl an der SB-R1. Die 16er-Membran des Mitteltöners ist nicht konusförmig, sondern vollkommen plan ausgeführt. Dabei setzen die Japaner - wie schon bei den Woofern - auf ein eigenes Rezept und bauen die Membran als Sandwichkonstruktion auf. Die Oberfläche und Rückseite besteht aus leichten und enorm festen Kohlefasern; dazwischen hält sie ein Aluminium-Träger mit etlichen kleinen, wabenartigen Kammern zusammen. Der Antrieb baut auf einen Doppelmagneten, einer kurzen Schwingspule (aber mit großem Windungsdurchmesser) und einem massiven Aluminium-Druckguss-Korb auf, der über seine Streben die Energie kleinerer Resonanzen schlucken soll.

Zu guter Letzt der im Zentrum des Koaxes positionierte Hochtöner, für den die Japaner wahrscheinlich beide Hände ins Feuer legen würden. Für den Tweeter setzt Technics eine sehr leichte und gleichzeitig steife Karbongraphit-Kalotte im Standardformat von 25 Millimetern ein. Eine spezielle Antriebs-Kühlung aus Magnetofluid - das ist mit Ferrofluid verwandt, kann jedoch viel effektiver Wärme ableiten und ist deswegen sehr teuer - verhilft dem Tweeter zu seiner unter anderem eingangs zitierten Breitbandigkeit und extremen Verzerrungsarmut bei hoher Belastbarkeit.

Bereits am obligatorisch zum Vergleich hinzugezogenen Referenz-Verstärker (T+A PA 3000 HV) klang die Technics SB-R1 wie erwartet enorm sauber und spielte in jeder Lage schnörkellos und grundehrlich - eben auf Referenz-Niveau. Doch als die AUDIO-Tester die japanische Klangsäule mit ihren Elektronik-Pendands verkettete, sorgte die SB-R1 für audiophilen Höchstgenuss.

Hörtest

Christine Tantschinez: Natürlich spielt der SU-R1 auch an einem anderen Verstärker herausragend gut - dazu steckt viel zu viel Know-How und Material drin, als das man hier was befürchten müsste. Aber er ist im Duett mit seinem Bruder-Amp einfach noch so viel besser! Zusammen spielte die Technics-Kette nicht nur einfach, sie zelebrierte förmlich die Musik. Irische Folk-Streicher setzen so haargenau und gleichzeitig butterweich ihre Bögen auf die Saiten, dass die Gänsehautentzündung nicht mehr weit war. Audiophile Vorzeigestücke wie Shelby Lynns gehauchte Liebeserklärungen klangen selten so facettenreich, räumlich und dennoch gänzlich ungekünstelt. Am beeindruckensten aber war die pure Seele, Leidenschaft und Bassperfektion bei Daft Punks "Lose Yourself To Dance" - eine Aufforderung, der so fantastisch umgesetzt kaum einer widerstehen dürfte.

Johannes Maier: Sorgte die überragende Technics- Kette für eine besondere Hochkultur- Athmosphäre und für viel Gänsehaut, erhob sich die Frage, ob der Endverstärker SE R 1 auch andere Boxen antreiben kann. Zum Beispiel die Arbeitsmonitore Sonics Allegra, deren klangliche Möglichkeiten die Tester in und auswendig kennen. Und wenn und aber: Mit dem SE-R1 kam - ganz, ganz oben versteht sich - ein neues Kapitel dazu. Die anrührende, in der porentiefen Beschreibung wie im seelischen Inhalt ultimativ echte Stimmenwiedergabe gab es in ähnklicher Vollendung nur bei den besten Class- A-Röhrenmonoblöcken, etwa bei den Transmittern von NAT (AUDIO 7/14). In puncto Geradlinigkeit und impulsiver Kraft schob sich nur ein Kaliber wie der A 3000 HV von T+A noch weiter nach vorne (6/14). Unterm Strich könnte die SE-R1-Mitte für viele Highender exakt die richtige sein.

Alexandros Mitropoulos: Die Technics-Anlage besaß für mich jene Qualität, die eine wahre Referenz-Kette ausmacht und die ich bei vielen anderen - auch wesentlich teureren - Systemen vermisse: Ob neue oder schon mir bekannte Alben wollte ich immer komplett durchhören und dachte nie daran die Skip-Taste zu drücken. Ich wollte keinen einzigen Takt verpassen. Die japanische Kette reißt ihr Publikum absolut in ihren Bann. Sie klingt emotional und enorm facettenreich - gab etwa den Gitarren im Intro des Dire Straits-Klassikers "Money for Nothing" eine Direktheit und Authentizität, die ich einfach nicht fassen konnte: So klingt Rock! Anderseits ist die Anlage auch ein Feingeist. Gerade bei guten Klassikaufnahmen, die hochauflösend vom AUDIO-Server in den Technics- Preamp gelangten, sorgte die Auflösung und Bühnenabbildung nicht nur für staunende Gesichter bei den Kollegen und mir.

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