Testbericht

Test: AV-Receiver Onkyo TX-NR 809

Liebevolle Modellpflege führt in der Regel zu attraktiveren Geräten. Nach äußerst intensiver Zuwendung, wie sie Onkyo derzeit betreibt, kommt unter Umständen ein völlig neuer Surround-Receiver heraus.

  1. Test: AV-Receiver Onkyo TX-NR 809
  2. Datenblatt
Onkyo TX-NR 809

© Julian Bauer

Onkyo TX-NR 809

Auf der Front, die gegenüber den Vorgängern viel aufgeräumter wirkt, fällt zunächst die lange Tastenreihe auf. Kurze Irritation: Es gilt, auf die schmalen Stege zu drücken. Doch dann freut sich der Besitzer, dass er ohne Umschweife sage und schreibe zwölf Quellen anwählen kann. Und dazu in 0 bis 100  Anzeigeschritten die Lautstärke einstellt sowie an einem Knopf links den "Pure-Direct" wählt, damit nicht irgend etwas Geheimnisvolles den Klang angräbt. Und fertig!

Onkyo TX-NR 809

© Archiv

Der NR 809 ist neben schwarz auch in silber erhältlich.

Wer die Frontklappe öffnet, stößt dann doch in intimere Bereiche des neuen Multikanalers vor. Dort finden sich etwa Tipper für die Tuner-Abstimmung oder die Aktivierung von einer oder zwei Nebenzonen - neuerdings kombiniert mit einer "Ganzes Haus"-Funktion, die etwa bei entsprechenden Einweihungspartys auf Knopfdruck dafür sorgt, dass in allen Zimmern die Musik im gleichen Rythmus schwingt.

Onkyo TX-NR 809

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An der Buchse Universal Port lässt sich auch ein optionaler DAB-Tuner anschließen, für Ethernet gibt's einen WLAN-Tranceiver. Zu der USB-Buchse hinten gesellt sich eine weitere auf der Front, die von iPods & Co. digitale Musikbotschaften annimmt.

Die Listening-Modes Music, Movie, Games sowie THX führen dann in eine Galaxie von Hallfunktionen. Der Bedien-Swinger kann etwa THX mit der eigens justierbaren Dolby-ProLogic-IIx-Funktion und einer Art Multikanal-Loudness oder mit einer Bremse für Lautstärkespitzen und so weiter verbandeln. So kommt der TX-NR 809, was die Zahl der akustischen Lustwandelmöglichkeiten angeht, nicht etwa bei irgendeiner endlichen Ziffer, sondern definitiv bei Unendlich an.

Onkyo TX-NR 809

© Julian Bauer

Auf der Audio-Seite arbeitet das Digitalboard mit zwei Ton-Großprozessoren, die zahlreiche Surround-Nachbearbeitungen gestatten, Die Video-A/D-Wandlung übertrug Onkyo einem ADV 7844 von Analog Devices, der gleichzeitig HDMI-Signale switcht und empfängt. Allein um Digital-Video zu bearbeiten, setzt der TX-NR 809 zwei Video-IC-Giganten ein: einen Vida von IDT und einen Odeo von Marvell.

Zu alledem offeriert der TX-NR 809 seinen sechsten und siebten Verstärkerkanal nicht nur zur Surround-Back- und Nebenraumbeschallung - oder für Bi-Amping. Er bietet sie - über entsprechende Extraklemmen - gerne auch Vorne-oben- oder Vorne-Seiten-Zusatz-Lautsprechern an. Da für das multidimensionale Processing sowohl das dezente Dolby ProLogic IIz als auch extra auffällig arbeitende Audyssey-Algorithmen zur Verfügung stehen, darf sich kein einziger Homecinema-Fan mehr darüber aufregen, dass es zu wenige Spielmöglichkeiten gibt.

Onkyo TX-NR 809

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Lernfähiger Onkyo-Ferngeber: Die Activity-Keys (zweite Reihe) erlauben via OSD, komponierte Sammelbefehle aufzurufen.

De facto wird er sich vorher dem Videobereich zuwenden, den Onkyo im Vergleich zu Vorgängern kräftig modernisiert hat. Es gibt wieder Ein- und Ausgänge in Hülle und Fülle. Klassische für ein-, zwei- und dreikomponentiges Analogvideo (kurz V, S-V und 3K). Plus eine Multikontakt-RGB-Videobuchse für Laptops als Extra. Hinzu kommen neben zwei Outs nicht weniger als acht HDMI-Ins - sieben hinten und einer auf der Front. So viele, dass der Fan etwa Phono mit HDMI paaren und den Eingang - je nachdem, was anliegt - für zwei Quellen aufteilen kann.

Onkyo TX-NR 809

© stereoplay

Sehr ausgewogen und breitbandig, nur Phono-MM leidet an der zu hohen Eingangskapazität.

Die große Neuerung: Statt eines (relativ viel Strom zehrenden) Universalkünstlers von Faroudja nimmt jetzt ein ADV 7844 von Analog Devices die Video-A/D-Wandlung in die Hand. So kann sich ein Chip namens Vida von IDT (Integrated Device Technology) ganz und gar auf die ausgekocht bewegungsadaptive Vollzeilenbild-Herstellung konzentrieren. Und auf die Linienzahl-Umrechnung - bis zu dem inzwischen allüblichen HD-Bildmodus 1080p. Und jetzt kommt's: Dieser sogenannte 2K-Modus reichte Onkyo nicht mehr. Deswegen spannten die Japaner mit dem Odeo von Marvell ein weiteres  Hightech-IC ein, das 2K in 4K umrechnen kann. Die so erhaltenen 2160 horizontalen und 3840 vertikalen Zeilen stellt bis dato noch kein normaler Bildschirm dar - Anwendung könnte die neue Funktion allenfalls in einigen Digital-Kinos finden. Egal, nach HDMI 1.4a mit 3D-Video und ARC-Rückkanal schlägt Onkyo mit 4K im goldenen Buch der AV-Features ein neues Kapitel auf.

Onkyo TX-NR 809

© stereoplay

Gutes Lastwechselverhalten, leider verlaufen die dominanten ungeraden Klirrkomponenten nicht so gleichförmig.

Bleibt noch zu erwähnen, dass der aktuelle Multikanaler einen Bildfeinabgleich in zwölf Punkten erlaubt und selbst einem Video-Ingenieur ein reiches Betätigungsfeld bietet.

Doch jetzt dürfen endlich auch die mittelständischen iPodler und Netzwerker mal "hier" rufen. Diese Klientel trachtet der TX-NR 809 ebenfalls zu verwöhnen: etwa mit zwei USB-Buchsen, von denen die frontseitige aktuelle iPortis digital bedient. Oder mit einer Ethernet-Schnittstelle, die mit einem 50-Euro-WLAN-Zukaufsmodul auf drahtlos ausgebaut werden kann. Mit seiner Offenheit für die Hochformate WMA lossless, WAV und FLAC gibt sich der TX-NR 809 qualitätsbewusst, auf diverse Radioserver und Musikportale lässt er sich ebenso ein.

Eine diskutierbare Neuerung bei den Messwerten: Im Vergleich zum TX-NR 808 stellte Onkyo beim 809 die Schutzschaltung deutlich vorsichtiger ein. Darüber beschwerte sich aber im Hörraum niemand. Im Gegenteil: Tönte das UKW-Tunerteil schon ausgesprochen luftig, konnte der 809 den 808 bei der CD-Wiedergabe schließlich niederringen.

Nicht nur, dass er Frank Chasteniers Klavierspiel  etwas schöner perlen und nachglühen ließ ("The Songs I Always Loved", Universal). In Lee Ritenours Blueskrachern auf "Six String Theory" holte er auch ganz tief unten noch etwas mehr Schwärze und ganz oben eine Prise mehr Pfeffer heraus. Er spielte ganz und gar nicht angestrengt, vielmehr noch selbstverständlicher. In dem Medeski-DTS-Titel "Ininvisible" verblüffte der 809 mit Ohrläppchen-streifend plastischer Schlagzeug-Abbildung und souverän marschierendem Bass.

Bei Filmen lieferte der Oldie noch mehr Randale ab. Dafür kannte die Sympathie für den nicht so rabiaten, aber natürlicheren neuen Onkyo bei DTS und Dolby HD keine Grenzen mehr.

Onkyo TX NR 809

HerstellerOnkyo
Preis1100.00 €
Wertung49.0 Punkte
Testverfahren1.0

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