Testbericht

Test: High End Sound von Burmester im Porsche 911

Freude an der dynamischen Fortbewegung lässt sich nicht nur in PS und Drehmoment ausdrücken. Inzwischen gehört in Supersportwagen ein amtliches Audio-System von Rang und Namen zum guten Ton. Wir sind einen Porsche mit Burmester-Anlage Probe gefahren.

Kurver-Diskussion

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Kurven-Diskussion: Die Porsche Entwickler Mathias Renz und Dirk Lesslich (1. u. 3. v. l.) übergaben mit Dieter Burmester einen Carrera-Testwagen an die AUDIO-Autoren Bernhard Rietschel (r.) und Stefan Schickedanz.
TML-Subwoofer

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Geniestreich: Durch die Umwandlung des Windlaufrahmens in einen TML-Subwoofer spart Porsche Platz und speckt fast fünf Kilogramm ab.

Der Porsche 911 Carrera fesselte Generationen von Männern bereits in ihren Matchbox-Tagen. Den Autor erwischte es mit drei Jahren: Wenn ein Carrera mit seinem damals noch luftgekühlten Boxer-Motor vorbeibrauste, erkannte er ihn aus der Ferne am Klang. Kein Wunder, die findigen Schwaben hatten der Zuffenhausener Auto-Ikone aus Frust über das Lichtmaschinenpfeifen mittels Sound-Design (damals etwas ganz Außergewöhnliches) zu einem unnachahmlichen akustischen Fingerabdruck verholfen.

Inzwischen bekommen sogar verwöhnte High-Ender beim Anblick beziehungsweise Anhören des Carrera feuchte Augen: Der gerade vorgestellte 911, intern als 991 bezeichnet, lockt als Top-Ausstattung mit einer richtigen High-End-Anlage von Burmester. Die basiert auf der Anlage aus den Fünftürern Panamera und Cayenne.

Damit beflügelt Porsche den mitbegründeten Trend zu ambitionierter Beschallung im Luxus-Sportwagen-Segment - Audio-Systeme, die in einigen Disziplinen fünf- oder sechsstellig bepreiste Heim- Systeme auf die Ränge verweisen.

Porsche 911 Carrera: Karosserie als Subwoofer

Dieter's Digest

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Dieter's Digest: Trotz zwölf Lautsprechern und einer Zwölf-Kanal- Endstufe glänzt das Burmester-System durch niedriges Gewicht.

Grundsätzlich kann man von Glück reden, wenn sich unter den verantwortlichen Ingenieuren der Autohersteller waschechte High-Ender wie Mathias Renz (Porsche) oder Olaf Herholz (Mercedes AMG) finden. Doch es ist kein Zufall, sondern voll im Trend, dass diese kompromisslosen Musikliebhaber sich heute mit ihren Sonderwünschen gegenüber Motor- und Fahrwerks- Ingenieuren durchsetzen können. Die legen in ihren Bereichen größten Wert auf maximale Performance - ein Zielkonflikt.

Im Fall des 911 bedeutet das: Zwölf insgesamt 821 Watt starke Endstufenkanäle, die das Bordnetz belasten, ein Dutzend Lautsprecher, die in der eng anliegenden Karosserie untergebracht werden wollen. Gewöhnlich führt das auch zu besonders platzzehrenden, gewichtstreibenden Subwoofern. Doch gerade im letzten Punkt favorisieren die Ingenieure bei Porsche oder AMG inzwischen eine in jeder Hinsicht überzeugende Lösung: Karosserie-Elemente weisen aus statischen Gründen oft Hohlräume auf, die sich als Luftvolumen für den Tieftöner eigenen.

Der Windlaufrahmen, der unterhalb der Frontscheibe beim 911 die beiden A-Säulen miteinander verbindet, wurde von den findigen Schwaben durch Anbringung eines Druckguss- Bass-Chassis in einen TML-Subwoofer verwandelt. Das senkt das Gewicht des Bassmoduls von 5,7 auf 1,2 kg. Die Effizienz steigt dabei gegenüber dem bisherigen, hinter den Rücksitzen platzierten Subwoofer um satte 13 dB und spart gleichzeitig einige Liter Bauraum - in einem Sportwagen vom Format des Porsche Carrera ebenfalls ein wichtiger Faktor.

Klangspektrum

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Wieder Erster: Bei Porsche blickt man auch auf eine lange Tradition im Motor-Sound-Design zurück. Dazu wird die Motorakustik wie ein HiFi-Gerät abgestimmt, damit sich das markentypische Klangspektrum einstellt.

Diese von Porsche patentierte Lösung kommt ebenfalls bei der zwischen Serienausstattung und dem High-End-System angesiedelten Bose-Anlage zum Tragen, allerdings mit einem einfacheren Treiber. Ein Alleinstellungsmerkmal der audiophilen Top-Ausstattung sind die im Audio-Bereich seltenen, im Auto exklusiv in den Burmester-Systemen von Porsche eingesetzten AMT Hochtöner. Deren zwölf µm dünne Folie aus Polyamid und Capton wiegt lediglich 0,4 Gramm. Eine 25-Millimeter-Kalotte kommt bei gleichem Gewicht nur auf eine Membranfläche von 7,1 Quadratzentimetern, der AMT erreicht das Vierfache. In Verbindung mit dem winzigen Luftvolumen des Porsche Carrera ermöglicht das neue Audio-System jene spielerische Leichtigkeit und Attacke, die selbst Dieter Burmester ins Grübeln bringt: "Der gewaltige Schalldruck, der sich damit erreichen lässt, ist im Wohnzimmer mit einer High-End-Anlage praktisch nicht zu realisieren." Das macht das für rund 3500 Euro Aufpreis angebotene Sound-System des Porsche 911 nicht nur zur günstigsten Burmester-Anlage, sondern zu einem Ereignis. Das gilt ganz besonders für die offene Version des 911ers, die wir auf Gran Canaria ausgiebig erproben konnten.

Porsche 911 Carrera: Die Burmester-Anlage im Test

Mercedes SL 63 AMG

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Wishing on a Star: Trockener klarer Sound, kein Tropfen Wasser auf dem Lack. Klar, der neue Mercedes SL 63 AMG macht eher die anderen nass. Zur Abkühlung und Untermalung roter Ampelphasen schneiderte AMG ein B&O-System mit neuem Frontbass.

Der Test ergab zwei wichtige Aspekte: Erstens gelang es dem Berliner tatsächlich, die von der Fachwelt geradezu euphorisch aufgenommene Klangperformance des Panamera in der Essenz auf den kompakten Sportler zu übertragen. Zweitens kommt spätestens mit der Einführung des Carrera Cabrios die vom HiFi-Stammtisch bekannte Ideologie ins Spiel. Zwar gleicht die Elektronik die Abstimmung bei geöffnetem Verdeck automatisch an. Doch führt der über 100 dB liegende Geräuschpegel dazu, dass das System seine betörende Eleganz verliert, wenn sich der Fahrer nicht mit gehobener Hintergrund-Beschallung zufrieden gibt. Soll heißen: Wer die letzten Reserven des akribisch abgestimmten Systems kompromisslos auskosten will, sollte das neu konzipierte, durch zwei Metallplatten versteifte Verdeck am besten geschlossen halten - oder gleich das Coupe kaufen. Aber dann bleibt viel Spaß auf der Strecke.

Das Open-Air-Konzert, untermalt von einer Brise Fahrtwind und dem kernigen Sound des Sechszylinder-Boxers, ist ein Genuss für die Sinne - mit Musikhören im stillen Kämmerlein überhaupt nicht vergleichbar. Soll heißen: Auch der Autor würde in diesem Fall mit der reinen Lehre brechen. Was dabei an subtilen Details verloren geht, bringt diese Kombination aus Ausnahme-Auto und -Anlage doppelt und dreifach an Emotion zurück. Schließlich darf man nie vergessen: Die meisten können daheim ihre Anlage genauso wenig aufdrehen wie schweizer Millionäre ihre Ferraris oder Mercedes AMG auf eidgenössischen Autobahnen.

HiFi bei Ferrari und Mercedes

Ferrari

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Horse with Pro Name : Ferrari machte eine klare Ansage zur Anlage des neuen vierradgetriebenen Viersitzers FF: "Wir wollen etwas Exotisches." Harman holte dafür die Profi-Sparte von JBL auf die Straße, mit Folienwandlern und neuem Quantum-Logic-Raumklang.

Apropos: Die Kultmarke aus Maranello ließ sich für den Gran Turismo Ferrari FF von JBL Pro ein nach ersten Eindrücken überragendes 15-Kanal-Sound-System mit 1280-Watt schneidern. Das Debüt von Quantum-Logic. Mit diesem Verfahren will Harman demnächst auch in seinen Heim-Geräten sogar phasenkritischen MP3-Quellen zu 3D-Räumlichkeit verhelfen. Und AMG ging beim neuen Mercedes SL mit Partner B&O einen Schritt weiter als beim Flügeltürer SLS. Der in die Karossiere integrierte Frontbass soll noch bessere Performance bei niedrigerem Gewicht ermöglichen. Prüfen wir gerne bei Gelegenheit nach: Wo kann man schon so unbekümmert Musik genießen wie am Volant eines Sportwagens? Jede Menge Dynamik, toller Sound auch vom Motor, kein Stress mit Setup oder Nachbarn - und stundenlanges Sitzen im Sweetspot sowieso.

Quick Nick: Ein Leben für Musik und Motorsport

Quick Nick

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Mit dem Erfolg von "The Dark Side Of The Moon" (1973) konnte sich Pink-Floyd- Schlagzeuger Nick Mason (67) den Wunsch erfüllen, in seiner Freizeit Autorennen zu fahren. Aus dem Hobby entstand eine Passion. Während der Brite in Sachen Musik inzwischen erstaunlich gelassen bleibt ("es macht auch Spaß ohne Pink Floyd aufzutreten"), lodert in ihm die Leidenschaft für kompromisslose Sportwagen respektive reinrassige Rennwagen. Zwar hat er seine Sammlung auf rund 40 historische Pretiosen reduziert ("Downsizing"), doch ist ihm der in einer seiner Sammlergaragen logierende Ferrari FF "zu praktisch". Heißt, Mr. Mason möchte demnächst lieber einen supersportlichen Zweisitzer aus Maranello erwerben. Der dürfte sich neben dem inzwischen fast unbezahlbaren 250GTO von '62 und einer Rallye-Version des Daytona sowie Schränken voller Pokale heimisch fühlen - trotz des launischen englischen Wetters. Nach einem Benzingespräch beim Dinner interessierte den Autor eine Frage: Was ist der größte Adrenalinkick? Rennenfahren wie in Le Mans oder live Musik machen wie in Pompei? Mason: "Ohne Frage Autorennen. Auf der Bühne spürt man nur Erregung, im Rennwagen bringt man sich zudem richtig in Gefahr. Dabei habe ich keine Angst vor einem Abflug. Das Schlimmste wäre, mich zu blamieren. Im Konzert den Drumstick zu verlieren ist wie Letzter zu werden."

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