Testbericht

Test: Lautsprecher Dynavox Impuls III

Dynamik in Reinkultur - Mit einem Hochwirkungsgrad-Koax transportiert die Dynavox Impuls III (1400 Euro pro Paar) eine gigantische Spielfreude. Beim Preis bleibt sie auf dem Teppich.

  1. Test: Lautsprecher Dynavox Impuls III
  2. Datenblatt
Dynavox Impuls III

© Julian Bauer

Dynavox Impuls III

Das Zusammenspiel zwischen Boxen und Verstärkern führt besonders auf der Elektronikseite zu hitzigen Diskussionen. Sehr ausgereifte Transistorboliden konkurrieren mit modischen Schaltverstärkern und schöngeistigen Röhrenkonzepten. Die Geschmäcker sind verschieden, doch im High-End-Bereich haben die glimmenden Glaskolben derzeit eindeutig den größten Zulauf.

Dynavox Impuls III

© Julian Bauer

Der stark trichterförmige Konus verleiht dem Koaxtreiber eine sehr große Bautiefe. Oben ragt der Magnet des Hochtöners hervor.

Röhren liefern allerdings im Schnitt weniger Ausgangsleistung und reagieren sensibel auf niederohmige Lasten. Passende Lautsprecher sollten sich daher beim Wattbedarf möglichst zurückhalten und eine Nennimpedanz von acht Ohm vorweisen können - statt der sonst üblichen vier.

Dynavox Impuls III

© Julian Bauer

Klangsteller

Ein solcher Schallwandler ist die neue Impuls III von Dynavox, deren Design schon von weitem signalisiert, dass dieses Modell mit dem Mainstream nicht viel am Hut hat. Höhe wie Breite gerieten deutlich üppiger als gewohnt. Die Front ist hochglänzend veredelt, doch muss der Korpus mit einer Holznachbildung auskommen.

Dynavox Impuls III

© stereoplay

So wirken die Klangsteller: Die Drehschalter an der Boxenrückseite sind mit "Bass" und "Treble" beschriftet, halten aber nur teilweise, was sie suggerieren. Der rechte Schalter hebt und senkt die Höhen wie versprochen gegenüber der rot gezeigten Neutralstellung um mehrere Dezibel. Der linke Knopf wirkt nur in den Mitten. Der Bass wird daher nur indirekt verändert.

Verbaut ist ein semiprofessioneller, hart aufgehängter 12-Zoll-Koax, der im unteren Bassbereich von einer komplexen Schallführung und einer bodennahen Austrittsöffnung unterstützt wird. Die im Datenblatt versprochenen 8 Ohm werden bei den Messungen im stereoplay-Labor im Bass- und Grundtonbereich fast hundertprozentig eingehalten. Dass die Kurve bei 15 Kilohertz auf annähernd 5 Ohm absackt, hat selbst für Röhren nur geringe Bedeutung.

Sehr geringer Wattbedarf

Die Empfindlichkeit ist nicht ganz so hoch wie vom Hersteller angegeben, doch mit rund 90 Dezibel an 2 Volt - was bei einer 8-Ohm-Last einem halben Watt entspricht -  übertrifft die Dynavox die üblichen Wohnzimmer-Standboxen um durchschnittlich 6 Dezibel, sie braucht so im Schnitt nur ein Viertel der Leistung.

Dynavox Impuls III

© stereoplay

Frequenzgang & Impedanzverlauf: Welliger Verlauf mit etwas stärkeren Divergenzen ab 1 kHz; hoher Wirkungsgrad; Impedanzmin. 5,1 Ohm

Dass gewöhnliche HiFi-Lautsprecher mit deutlich kleineren Chassis und Gehäusen einen Verstärker ausgiebiger fordern, hat mehrere Gründe. So ist der Wattbedarf mit der Membranfläche der Tief- und Mitteltöner verknüpft. Kleinere Systeme bringen weniger Luftmoleküle zum Mitschwingen und sind deshalb bei sonst vergleichbarer Auslegung von Natur aus leiser. Auch die klangliche Abstimmung beeinflusst den Wattbedarf. Eine besonders tiefe untere Grenzfrequenz lässt den Bass satter und glaubwürdiger klingen, worunter aber meist der Wirkungsgrad leidet.

Dynavox Impuls III

© stereoplay

Pegel- & Klirrverlauf: Sehr geringer Klirr und keine Kompression im vollen Frequenzbereich

Eine hochohmige Last wäre auch bei kleinen Boxen leicht zu erzeugen, dazu müssten nur die Schwingspulen anders gewickelt und die Weichenbauteile angepasst werden. Doch mit der höheren Impedanz würde weniger Strom fließen, was die sowieso schon leisen Boxen noch leiser machen würde.

Sagenhafte Spielfreude

Die üppige Membranfläche erklärt die Genügsamkeit der Dynavox nur zum Teil, der Rest geht auf das Konto der starken Antriebe, die ihrerseits Glanzleistungen bei der Bandbreite verhindern. Der Übertragungsbereich reicht im Bass nur bis etwa 50 Hertz; nicht viel für solch eine Riesenbox.

Die klangliche Abstimmung wirkt trocken und hell, lässt sich aber durch eine bassverstärkende, wandnahe Aufstellung satter gestalten. Doch selbst an der Wand wirkt die Dynavox straffer als die meisten frei stehenden Mainstream-Boxen.

Frisch aus dem Karton klingt die Impuls III erst mal ziemlich unwirsch. Der Einspielvorgang dauert länger als gewohnt, selbst nach einer Woche tut sich noch etwas. Bereits mit preiswerten Transistorverstärkern stellt die Box gigantische Pegelreserven zur Verfügung, doch der Eindruck bleibt nüchtern, streckenweise gar unterkühlt.

Doch sobald Röhren ihren Hang zu geschmeidiger Wärme ins Spiel bringen, klingt das bullige Tonmöbel wie ausgewechselt. Aus Schroffheit wird Schnelligkeit, aus Bissigkeit Brillanz und aus karger Askese hochauflösende Präzision.

Mit Amps wie dem Ayon Orion (2000 Euro, Heft 12/09) serviert die Dynavox selbst feinste Laut/Leise-Abstufungen derart lässig, dass viele konventionelle Boxen in Bedrängnis geraten. Sogar die Maximalpegel liegen voll im grünen Bereich - trotz nur rund 30 Watt.

Dass den Mitten etwas tonaler Feinschliff abgeht und die räumliche Abbildung nicht an das Niveau konstruktiv modernerer Koaxial-Systeme heranreicht, verzeiht man dieser Dynavox gerne. Für Dynamik-Enthusiasten ist die Impuls III ein großer Wurf zum überragend fairen Kurs.

Dynavox Impuls III

HerstellerDynavox
Preis1400.00 €
Wertung54.0 Punkte
Testverfahren1.0

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