Standbox

Rega RS7 im Test

Nicht nur mit den Plattenspielern verfolgt Rega eine eigensinnige, eben urbritische Modellpolitik. Die RS7 ist eine angesichts der Fertigung in England erstaunlich preiswerte Standbox.

Rega RS7

© Hersteller/Archiv

Rega RS7

Pro

  • feindynamisch herausragend
  • sehr antrittsschnell und auch bei geringen Pegeln detailreich
  • sehr gute Ortbarkeit
  • ideal für Betrieb an der Wand

Contra

Gut

Mit Quasi-Breitbänder, Parallelschaltung unterschiedlicher Töner und einer Abstimmung fu?r wandnahen Betrieb schwimmt die RS7 absolut gegen den Mainstream. 

Zu einer solchen Abstimmung, die auch in kleinen Räumen präzise Bässe liefern muss, passt natu?rlich eine echte Transmissionline. Echt heißt in diesem Fall nicht nur, dass der Töner am Anfang plaziert ist, sondern dass die Line auch nicht gefaltet wurde: Sie beschreibt die Form eines "U", ist im Bodenbereich verrundet, um neben dem Basschassis den Tiefbass wieder an die Luft zu lassen. Damit Resonanzen hier nicht unschön hineinspielen, wurde die Line auf weiter Länge bedämpft.

Rega RS7 - Innenaufbau

© Hersteller / Archiv

Die Line in der Rega ist im Bodenbereich grosszügig verrundet, was stehende Wellen reduziert.

Rega RS7: Aufbau

Angetrieben wird sie durch einen seitlich in der Box eingebauten Siebenzöller mit Phaseplug und leichter Pappmembran, dessen achtfach gewickelte Schwingspule eine Tiefpasswirkung hat und so eine aufwendige Frequenzweiche u?berflu?ssig macht. Eine Übergangsfrequenz zum Tiefmitteltöner wird ausdru?cklich nicht angegeben. Beide spielen in einem weiten Bereich parallel, da auch der 4,5-Zöller nach unten nicht begrenzt wird.

Kaufberatung: Vier italienische Standboxen im Test

Seine leichte Pappmembran mit kleiner Schwingspule und Phaseplug erinnert an gute Breitband-Konstruktionen, und auf deren Tugenden zielt der Tiefmitteltöner auch ab. Die eigens von Rega entwickelte 0,75-Zoll-Kalotte u?bernimmt daru?ber nur noch die Funktion eines Superhochtöners, der nicht mehr in den relevanten Stimmbereich eingreift.

Rega RS7: Hörtest

Auch die Messwerte riefen nach der Kombination mit einem Röhren-Amp. Die ersten Takte von Deep Purples "Highway Star" zeigten mit dem Ayon Spirit: In puncto Speed will es die Rega wissen. Mit ansatzlosem Punch, direkter Abbildung und unbändiger Energie besonders im Präsenz- und Brillanzbereich legte sie los und erzeugte schon bei Zimmerlautstärke ein Gefu?hl von echter Live-Dynamik und brillanter Impulsverarbeitung.

Rega RS7 - gute Nachbarschaft

© Hersteller / Archiv

Auf gute Nachbarschaft: Der Tieftöner und die Transmissionline- Öffnung sitzen nebeneinander, sie sind aber durch einen akustischen Umweg von etwa 1,8 Metern getrennt. Das Innere der Line ist mit Langfaserwolle grosszügig bedämpft.

Der Bass fu?gte sich eher unauffällig, dafu?r aber tief und flink ein. Der anfänglich etwas du?nne Grundton gewann durch Platzierung in geringem Wandabstand deutlich.

Klassisches - wie Brittens "War Requiem" - ging die RS7 mit ähnlich explosiver Energie an, wobei es Männerstimmen aber etwas an Volumen fehlte und Frauenstimmen zuweilen u?berengagiert tönten. Doch die Rega machte das mit einem Feuerwerk an dynamischen Details und der holografischen, von den Boxen wunderbar losgelösten Bu?hne wieder wett.

Bei gehobenem Pegel klang ihr Fundament schnell gepresst. Stings "Englishman in New York", trug sie aber auch in normaler Lautstärke wenig sanft, dafu?r sehr schwunghaft vor. Eine Box, die nicht jedem gefällt, aber viele glu?cklich machen du?rfte.

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