Testbericht

Martin Logan Motion 12 im Test

Martin Logan startet mit der "Motion 12" eine Serie so gar nicht nach Art des Hauses. Ungewohnte Silhouette, ungewohnte Chassis, ungewohnte Preise. Eins aber blieb beim Alten: der piekfeine Klang.

  1. Martin Logan Motion 12 im Test
  2. Datenblatt
Martin Logan Motion 12

© Martin Logan

Martin Logan Motion 12
Martin Logan Motion 12

© Herbert Härle

Als AUDIO-Redakteur sollte man seinen Ohren schon trauen können. Doch dieses Vertrauen wurde unlängst erschüttert bei einem Telefonat mit dem deutschen Martin-Logan-Importeur Audio Components. AC-Chef Adib Khavari, seit Jahrzehnten im High-End-Geschäft und auch mit großen Zahlen bestens assoziiert, bestand darauf, der Autor hätte sich nicht verhört. Nein, die neue Motion 12 von Martin Logan koste wirklich nur 1880 Euro. Das Paar.  Und ja, die größte und teuerste (!) Vertreterin einer ganzen neuen Serie stünde sofort zum Test bereit.

Martin Logan Motion 12

© Herbert Härle

Höhenflüge: Den Hochtonbereich ab 3000 Hertz überantwortet Martin Logan einem Air Motion Transformer, den die Amerikaner Folded Motion Transducer nennen.

Selten einmütig reagierte die gesamte Redaktion begeistert. Denn, kein Zweifel: Nach langer Aufbauarbeit genießt Martin Logan auch hierzulande einen Ruf; nein, nicht wie Donnerhall, sondern wie fein strahlende Klangblitze. Was die US-Experten vor allem ihren immer weiter perfektionierten Hybrid-Elektrostaten verdankten: Eben erst in AUDIO 2/2011 hatte die Martin Logan Ethos mal wieder die erfolgreiche Kombination von aktivem, dynamischen Bass und feinst auflösendem, blitzschnell reagierendem Folien-Mittelhochton bewiesen.

Martin Logan Motion 12

© AUDIO

Etwa 10 Grad am Hörer vorbei richten, Ohrhöhe über der Hochtöner-Ebene. Beim Wandabstand experimentieren, nicht für dröhende Räume.

Die Motion-Serie wirkt da auf den ersten Blick, weil nur elektrodynamisch vorwärtsgerichtet, wie ein Bruch mit der elektrostatischen Dipol-Tradition . Die mit unter 20 Zentimeter Breite gertenschlank gebaute Motion 12 betraut mit dem Bass zwar zwei parallel arbeitende 16,5-cm-Konen, die ganz konventionell den rückwärtig ins asymmetrisch sich nach oben verjüngende Gehäuse abgestrahlten Schall über ein Bassreflexrohr nach außen leiten.

Und doch Dipol

Martin Logan Motion 12

© AUDIO

Die Amplituden-Frequenzgänge zeigen auf Achse einen vergleichsweise starken Peak um 5 kHz. Dass die 60- und 90-Grad-Kurven nicht allzu stark abfallen, weist die Motion 12 als dank schallführender Abdeckung "untypischen" Dipol aus.

Doch ab 300 Hertz bleibt ML-Boss Gale Sanders sich weiterhin treu. Denn die separate Behausung des Mittelhochton-Bereich ist akustisch nach hinten offen - hier waltet also das dipolare Prinzip. Und das findet man, zumindest wenn es sich um einen "normalen", dynamischen 13-er Mitteltonkonus handelt, eher selten.

Doch so ganz freien Lauf nach vorne und hinten verweigert Martin Logan dem nicht auf allzu große Hübe ausgelegten Doppelsicken-Chassis. In der Frontabdeckung verbirgt sich ein Waveguide, der dafür sorgt, dass sich im seitlichen Umfeld des Lautsprechers vor- und rückwärts abgestrahlter Schall nicht so komplett auslöscht wie das bei reinrassigen Dipolen der Fall wäre - siehe dazu auch die 90-Grad-Messung rechts unten.

Martin Logan Motion 12

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Impedanz und Phase weisen Minimum (2,2 Ohm) und Maximum (60 Grad) um 100 Hz aus - der Verstärker muss Strom liefern können, zumal der Wirkungsgrad (AK 62) durchschnittlich ist.

Ein wenig Lenkfunktion übernimmt auch die Frontbespannung vor dem Air Motion Transformer (AMT), der die oberen drei Oktaven des Hörbereichs ab 3000 Hertz bestreicht. Dieser von Oskar Heil entwickelte Wandler-Typ nach dem magnetostatischen Prinzip ist von Hause aus ein Dipol: Die Ziehharmonika-ähnlich gefaltete Membran drückt die Luft  aus allen ihren Falten im Takt des Wechselstroms, der durch die mäanderförmig aufgedruckten Leiterbahnen im kon-stanten Magnetfeld fließt.

Im Messlabor und auch im Hörraum zeigte sich, dass Martin Logan den für Elektrostaten-Fans so unverzichtbaren, blitzschnellen und ultrapräzisen Impuls-Kick, das so faszinierend von räumlicher Enge befreite Flirren der Obertöne und die vom Wandler losgelöste Raumabbildung auch mit der Motion 12 erreichen wollte. Nüchterne Techniker observieren zwar misstrauisch den doch nennenswerten Anstieg der Frequenzgangkurve so um fünf Kilohertz - ein alter Indianertrick, um sprühende Hochton-Energie vorzugaukeln.

Und doch Ausgewogen

Musikliebhaber und Logan-Fans aber werden sich lieber bemühen, dem vermeintlichen Makel durch optimale Aufstellung etwas abzuhelfen - schließlich ist der Höhenzug am stärksten auf Achse. Der Hochtöner und damit die Box sollte also tunlichst nicht ganz direkt auf den Hörer gerichtet sein. Und dass man mit dem Abstand zur Rückwand und der Distanz zwischen den Lautsprechern sowie geduldigem Einspielen ruhig mal ein paar spannende Stunden verbringen kann, wissen Loganisten nur zu genau.

Martin Logan Motion 12

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Und sie werden, ebenso wie die restliche HiFi-Welt, auch von der Motion 12 belohnt. Wunderbar fein aufgelöste instrumentale Höhen, präzise artikulierende statt kieksende Frauenstimmen machten das Vivaldische "Laudamus" (AUDIO Digital Masters 3) zum wahren Lobgesang. Eine messerscharfe Telecaster-Gitarre, wie sie der selige Roy Buchanan  zum Weinen bringen konnte (ZOUNDS-Gold-CD "Hendrix Hits"), sprang förmlich in den Hörraum, ohne sich ätzend an den Trommelfellen zu vergehen.

Da dröhnte nichts, zischte nichts - stimmiger, purer Genuss machte sich breit. Wobei: Gegenüber einer musterknäblich ausgewogenen Canton Karat 770.2 wirkte die ML doch hörbar spektakulärer. Geiger würden sagen: mehr kolophoniumstaubende Stahlsaite bei der Motion, mehr samt sirrende Darmsaite bei der Karat.

Wie relativ dabei auch der außermusikalische Aspekt der Aggressivität wird, zeigt sich, wenn sie in Bela Bartoks  ironisch titulierten Violin-"Romanzen" gefordert wird. Die auf SACD (Hungaroton / Klassik Center) unfassbar differenziert konservierten Paradestücke will man genau so hören. Nur bei zeittypisch überproduziertem, studioseitig mit Zusatzbrillanz aufgemotztem Pop/Rock kann die bärenstarke Logan-Präsenz doch des Schlechten zu viel zeigen.

Fazit

Die neue Linie steht Martin Logan gut. Die Amerikaner haben mit der Motion eindrucksvoll bewiesen, dass sie Lautsprecher mit dem gewissen Etwas auch für den nicht so prallen Geldbeutel bauen können. Aus nachvollziehbaren Gründen vergibt AUDIO im Ressort "AUDIOphile" keine Preis-Leistungs-"Kauftipps". Die Motion 12 bekommt einen - soviel Linien-Untreue muss in diesem Fall sein.

Martin Logan Motion 12

  
HerstellerMartin Logan
Preis1880.00 €
Wertung86.0 Punkte
Testverfahren1.0

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