Testbericht

Test: Piega Coax 70.2

Piega hat bei der 2. Generation der Coax 70 (12 000 Euro pro Paar) eigentlich nur das Gehäuse verändert - und damit klanglich viel mehr, als man denken sollte.

  1. Test: Piega Coax 70.2
  2. Datenblatt
Piega Coax 70.2

© Julian Bauer

Piega Coax 70.2
Piega Coax 70.2

© Julian Bauer

Die Treiber der Coax 70.2, der Piega-eigene Koax....

Sechs Jahre gab es die Coax 70 (Test 10/10), und die elegante Standbox lief eigentlich recht erfolgreich. "Im Grunde", sagt Piega-Entwickler und -Mitinhaber Kurt Scheuch, "hätten wir technisch und klanglich nichts ändern müssen. Aber es gab viel Nachfrage nach einem etwas anderen Gehäuse." Also änderte er nicht viel, machte sich aber auf die Suche nach einem neuen Gehäuse.

Piega Coax 70.2

© Julian Bauer

...und die 7-Zöller von Scan Speak, sind klanglich erste Sahne.

Auf die Form kommt es an

Und Scheuch wurde fündig. Von der Parallelogramm-Form der ersten Generation kam er wieder ab. Der neue Strangguss-Korpus hat eine C-Form und dementsprechend nun gar keine parallelen Wände mehr. Weil Scheuch eh ein neues Gehäuse konzipierte, stellte er alles auf den Prüfstand. Die Wandstärke liegt jetzt bei sechs statt vier Millimeter starkem Aluminium - was bei Gehäusen dieser Art eine Menge ist.

Piega Coax 70.2

© Archiv

Gehäuse in C-Form: Überall, wo eventuell Resonanzen drohen, sind Versteifungen eingesetzt.

Vor allem aber die Resonanz-Optimierung durch lange Simulation und anschließende Laser-Überprüfung brachte die akustische Qualität nachhaltig voran. Hier hat Piega neuerdings Zugriff auf eine hochkomplexe und sehr teure Software, die eigentlich für die Autoindustrie entwickelt wurde. Das Geheimnis ist, die Masseverhältnisse der Wände so geschickt zu gestalten, dass sie von sich aus kaum schwingen. Häufig ist da weniger mehr, denn eine große Masse braucht längere Zeit zum Ausschwingen. An die Stellen, an denen das neue Coax-70.2-Gehäuse trotzdem noch resonierte, setzten die Schweizer Versteifungsringe und beruhigten den Korpus zusätzlich mit schweren Bitumenplatten.

Piega Coax 70.2

© stereoplay

Der Mittelhochton-Koax der 70.2 ist nicht so extrem stark bedämpft wie etwa Gewebekalotten; die klingen äußerst schnell und ebenmäßig ab. Doch für eine so steife, impulsfreudige Membran wie das Bändchen ist das Resonanzverhalten auch über die Zeit hervorragend.

Mehr kostet eben mehr

Der höhere Aufwand an Material (die Neue ist vier Kilo schwerer als die Alte) und die schlaue Energiebetrachtung  bringen selbst bei brachialen Pegeln eine deutliche Beruhigung des Gehäuses, treiben allerdings auch die Kosten hoch. Noch Ende 2010 war die Coax 70 für knapp unter 10000 Euro zu haben. Ihre Nachfolgerin ist gleich 2000 Euro teurer.

Piega Coax 70.2

© stereoplay

Frequenzgang & Impedanzverlauf: Leicht welliger Verlauf im Grundton, sonst sehr ausgewogen mit tadellosem Abstrahlverhalten; Imp. ≥3 Ω

Die Impedanz im Griff

Dass der Teuerungsfaktor eindeutig das Gehäuse betrifft, zeigt der Blick auf die Chassis-Bestückung: Scheuch hat alles beim Alten belassen. "Über die Qualität des Koax und der Scan-Speak-Bässe geht derzeit nichts", sagt er achselzuckend. "Was soll ich da verbessern?"

Piega Coax 70.2

© stereoplay

Pegel- & Klirrverlauf: Kleine Klirrspitze bei 2 kHz, sonst tadellos; keine Kompression erkennbar

Nun, zumindest den recht anspruchsvollen Impedanzverlauf der ersten Generation. In die Weiche der Coax 70.2 wurde eine Impedanz-Korrektur für den Bereich zwischen 80 und 120 Hertz eingefügt. Das macht es den angeschlossenen Verstärkern leichter und, wie Scheuch unterstreicht, "den gesamten Bass- und Grundtonbereich klarer, griffiger."Doch dieser Eingriff erforderte - wie übrigens auch das deutlich neutralere Gehäuse - eine neue Weichenabstimmung: "Sie ist unten etwas schlanker geworden, deshalb musste ich oben etwas wegnehmen", sagt Scheuch. Im Frequenzgang sieht man da aber nichts - wohl aber im Ausschwingverhalten. Das ist deutlich besser - siehe auch Kasten unten.

Überhaupt misst sich die neue Coax 70 noch etwas besser als die alte: Der Bereich oberhalb von 400 Hertz läuft wie ein Strich, die Verzerrungen bleiben mit zwei kleinen Ausnahmen bei 400 und 1700 Hertz in einem sehr guten Bereich, und der Wirkungsgrad ist mit 85,4 Dezibel so passabel, dass auch Verstärker-Modelle um 100 Watt pro Kanal bestens mit ihr auskommen dürften.

Wunderbar feiner Klang

Vor allem aber klingt die Box noch nobler. Der extrem homogene, zugleich äußerst transparente und zarte Mittelhochtonbereich war schon immer eine Dömane dieser Piega. Das feine Geflirr auf Monty Alexanders "Hurricane Come And Gone" ist für die 70.2 wie gemacht: Was es da alles zu entdecken und zu entwirren gibt! Wie schön und natürlich so ein Becken nachschwingen kann, wie aufpoliert glänzend hier Cymbals oben in den Raum projiziert werden. Piegas neue C-Säule nimmt den Zuhörer mit in eine fantastische Welt, die er sonst nicht ohne Weiteres betreten könnte; der Bändchen-Koax ist mit breitbandig-homogener Auflösung einzigartig.

Neu bei der 70.2 aber ist diese sehr homogene, bruchlose, niemals dick auftragende Art der Stimmwiedergabe. In Hans Theessinks "No Expectations" (von der stereoplay-Titel-CD 11/11) trifft sie genau den herzhaft-sonoren Ton, der die Aufnahmen des niederländischen Blues Man so besonders macht. Auch die Gitarre des Meisters hat Fülle, Körper und Kraft. Alles klingt sehr natürlich, locker und echt; die Anbindung zwischen den beiden Bässen und dem Koax scheint bestens gelungen.

Der Unterschied zwischen alter und neuer Coax 70 ist sicherlich kein großer - und doch ein entscheidender. Weil die 70.2 im Grundton schlanker und präziser spielt, wirkt sie offener und freier, was schließlich zu einem Punkt mehr in der Bassqualität führt.

Ebenfalls freier ist ihr Besitzer: Er kann die neue Piega viel bedenken- und reue-loser auch in Wandnähe aufstellen.

Piega Coax 70.2

HerstellerPiega
Preis12000.00 €
Wertung63.0 Punkte
Testverfahren1.0

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