Testbericht

Test: Standboxen Canton GLE 490.2

Die Canton GLE 490.2 (800 Euro pro Paar) begeisterte mit ihrer Dynamik, Ausgewogenheit und Abildungsgenauigkeit die in der Preisklasse selten geboten wurde.

  1. Test: Standboxen Canton GLE 490.2
  2. Datenblatt
Canton GLE 490.2

© Archiv

Canton GLE 490.2

Pro

  • Dynamische, ausgewogene, abbildungsgenaue und sehr vielseitige Box für alle Pegel

Contra

  • Für Klassik dürfte es transparenter sein

Zu den meistverkauften Boxen des wiederum meistverkauften deutschen Herstellers Canton gehörte die GLE 490, die jetzt mit der GLE 490.2 eine Nachfolgerin erhält. In idealtypischer Weise vertritt die Hessin den Anspruch, das Prinzip "value for money" in die Praxis umzusetzen: Für 800 Euro bekommt man zwei solide, offenkundig auch partytaugliche Standboxen mit farblich auf die Schallwand angepasstem Aluminiumgitter.

Nimmt man die Abdeckung ab, erinnern die Formen der Konustöner eher an die höheren Canton-Serien wie die Vento. Das ist kein Zufall, denn erstmals erhält die Einsteigerlinie GLE technische Anleihen bei ihren teuren Geschwistern: etwa die doppelt gefaltete W-Sicke zur Vermeidung von Verzerrungen und Wellenreflexionen am Rande der Membran.

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Als Material bevorzugt man im Taunus Aluminium, das zwar von sich aus nicht so hart ist, aber durch entsprechende Formgebung und Verklebung mit der Staubschutzkalotte und dem Schwingspulenträger zu einer verwindungssteifen Einheit verbacken wird.

Canton GLE 490.2

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Die Form des Alu-Konus' und der Sicke wurde aus teureren Canton-Serien adaptiert. Die Gewebekalotte bekam eine etwas stärkere Schallführung für homogenes Abstrahlverhalten.

Hochtontechnisch setzt die GLE weiterhin auf Gewebekalotten, allerdings änderte Chefentwickler Frank Göbl maßgeblich die Filterabstimmungen der Weichen. So gelang es ihm, eine hohe Flankensteilheit von akustisch 24 Dezibel pro Oktave mit einer günstigen Phasenlage im Übergangsbereich zu verbinden.

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Lohn ist eine besonders verzerrungsarme, aber zugleich unter Winkel interferenzfreiere Wiedergabe. Der Verzerrungsarmut dient auch die mit 3200 Hz relativ hohe Übergangsfrequenz zur Gewebekalotte - um hier keinen Bruch im Abstrahlverhalten zu bekommen, optimiert ein Waveguide die Bündelung des Domes.

Erbarme, de Hesse komme

Mit Herbert Grönemeyers "Alkohol" (Unplugged) und einem leichten "Ruhrpott-Charme" zeigte die aus Weilrod stammende Canton GLE 490.2 einen ausgeprägten Sinn für musikalisches Timing und Spaß an der Sache. Egal, bei welcher Pegeleinstellung gehört wurde, die GLE stellte die erstaunlich straff produzierte MTV-Aufnahme mit Verve und Rhythmusgefühl in den Hörraum.

Leise verlor sie nie die Prägnanz, laut blieb sie sauber und ansatzlos in der Dynamik. Besonders beeindruckend geriet der tiefe, durchsetzungsfähige Bass und die nicht allzu tiefe, aber genau projizierte Bühnenabbildung. Das setzte sich besonders mit klassischer Musik fort: Bei Gustav Mahlers 4. Sinfonie (Haitink) sortierte sie fein das Panorama der vielen Einzelinstrumente, ohne den Überblick für das große Ganze zu verlieren.

Canton GLE 490.2

© AUDIO

Raum und Aufstelung: Etwa auf den Hörer richten, Hörabstände 2,5 bis 3,5m ideal. Geht zuweilen auch wandnah, dann aber fetter Tiefbass.

Allenfalls einen Hauch mehr Transparenz und Sanftheit bei allzu ruppigen Blechbläser-Attacken hätte man sich gewünscht. Doch letztlich bleibt die Canton erste Wahl vor allem für alle Pop-, Rock- und Jazz-Fans, die zum günstigen Preis eine klanglich riesige Box erstehen wollen, die auch noch partytauglich ist. Das unterstrich sie noch einmal eindrucksvoll bei Dream Theaters "Metropolis Part II".

Canton GLE 490.2

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Ausgewogen mit etwas kräftigem Bass, breite Abstrahlung. Klirr durchgehend auf niedrigem Niveau.
Canton GLE 490.2

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Impedanz benötigt stabile Amps

Canton GLE 490.2

HerstellerCanton
Preis800.00 €
Wertung75.0 Punkte
Testverfahren1.0

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