Testbericht

Testbericht: Lautsprecherboxen "Sonus Faber Liuto" um 4000 Euro

Diese Box ist zu schön, um wahr zu klingen? Weit gefehlt! Die neue Sonus Faber Liuto begeistert Herz und Verstand gleichermaßen

  1. Testbericht: Lautsprecherboxen "Sonus Faber Liuto" um 4000 Euro
  2. Datenblatt
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© Archiv

Liuto ist - natürlich - italienisch und bezeichnet ein in der Renaissance und dem Barock sehr beliebtes Musikinstrument: die Laute. Aus Sicht der Tontechniker gehört sie aufgrund ihres filigranen Tons zu den kniffligeren Aufgaben. Und so gemahnt eine Box, die nach ihr benannt wird, natürlich besonders daran, bei zartesten Tönen zu brillieren. Zutrauen würde man es ihr schon ob des optischen Eindrucks: Sanft geschwungene Formen und Echtleder prägen den Eindruck. Da könnte so mancher Techniker die Befürchtung hegen, die verbauten Chassis und die Klangabstimmung seien bei einem so schönen Lautsprecher Sekundärtugenden, schließlich verkaufe er sich ja auch so. Eine These, die Sonus-Präsident Cesare Bevilacqua natürlich weit von sich weist: Man investiere ebensoviel Aufwand in Chassisentwicklung und Klangabstimmung wie ins Finish. Und dabei ist in diesem Fall das Budget für Sonus-Verhältnisse eher knapp: Schmale 4000 Euro kostet die neue, die zugleich einer Spitzenmodell einer ganzen Serie darstellt.

Technisches

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© H.Härle

Die Konus-Körbe sind besonders filigran ausgeführt, beide Zentrierspinnen sind hinterlüftet und schwingen frei.

Dass hier kompetente Entwickler am Werke waren, beweist schon das Konzept: das lupenreine 3-Wege-System trennt  bei 350 und 3000 Hertz. So ist gewährleistet, dass der 15 Zentimeter messende Mitteltöner - eine Spezialkonstruktion aus gewobenem und anschließend verbackenem Kunststoff - den gesamten Formantbereich abdeckt. Das sind jene Tonhöhen, in denen die Vokal-Klänge der menschlichen Stimme geformt werden, die also über das Timbre einer Singstimme ebenso entscheidenwie über den Klang der Vokale. Einige Lautsprecherexperten werden jetzt einwenden, dass im Sinne der Homogenität zumindest ein Teil des Stimmbereichs zum Tieftöner verteilt und damit kein bruchloser Übergang möglich ist. Das ist technisch gesehen richtig, in der Praxis aber ortet das Gehör in diesem Bereich schon sehr ungenau. Und der Vorteil, der aus einer Entlastung des eher klein dimensionierten Haupt-Töners von Bass- und Grundtonanteilen resultiert, wiegt wegen der resultierenden Klarheit stärker.Zumal der Bass über jeden Zweifel erhaben ist, auch als Grundtöner aufspielen zu können: Seine 22 Zentimeter-Membran aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung verheißt Kraft, aber zugleich Kontrolle. Das ohnehin schmale Gehäuse der Liuto ist nach hinten verrundet, um Resonanzen und stehende Wellen zu verringern. Ein Konglomerat aus gleich drei minimal verschieden abgestimmten Reflexrohren soll für eine günstigere Anregung des Raumes im Tiefstton sorgen und zudem Kompressionen minimal halten.

Optisches

Solche drohen natürlich auch im Hochtonbereich, wo alles filigraner ausgelegt ist. Bei der Liuto entschieden sich die Sonus-Entwickler nicht für den schon fast zum Markenzeichen avancierten Ringradiator, sondern für eine klassische Gewebekalotte. Die mag nicht ganz die obere Grenzfrequenz und die Detailfülle des Rings erreichen, verheißt aber deutliche Vorteile in punkto Dynamik und Klarheit, gerade wenn die Ankopplung etwas tiefer ausfällt. Um den Abstrahlwinkel sanft an den bei 3000 Hertz schon bündelnden Mitteltöner anzupassen, begrenzt eine kleine Mulde leicht den Hochton-Winkel. Ein übriges tun die weiche Frontbespannung in edler Lederoptik und die abgeschrägten Kanten der Box hinzu. Auch bei der Verarbeitung gibt es - schon fast typisch für Sonus - nur Bestnoten zu vergeben, einen schwarzen Klavierlack beherrschen die Italiener offensichtlich genauso perfekt wie die Verarbeitung von Massivholz in den deutlich höher gepreisten Serien.

Kulinarisches

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© H.Härle

Organische Formen: Besser kann man es nicht machen, weder akustisch noch optisch. Im Sinne des Purismus setzen Sonus Faber auf Single-Wiring.

"Cremig" - das war das spontane Adjektiv, dass dem Kollegen Bernhard Rietschel nach dem ersten Hörtest mit der Liuto entfuhr. Nun kann man geteilter Meinung darüber sein, ob sich so der Klang einer Box hinreichend beschreiben lässt, aber der warme, gefällige und doch süße Charakter der Sonus scheint selbst nüchterne und hartgesottene Tester zu solchen Beschreibungen greifen zu lassen. Selbst, wenn wahrhaft unitalienische Musik wie Händels "Messias" (Katschner, DHM) von SACD zugespielt wurde - übrigens eine Aufnahme mit dem namensgebenden Instrument im Continuo: der Laute. Der Techniker würde der Sonus statt solcher Schwelgereien vielmehr Ausgewogenheit, Durchhörbarkeit und einen vollständigen Frequenzumfang attestieren und ihre Ortbarkeit loben. Doch das würde nur unzureichend erklären, warum die Sonus Faber im Direktvergleich sowohl mit der Nubert NuVero 14 als auch mit ihrer eigenen, deutlich preiswerteren Genossin Toy Tower immer die samtigere, langzeittauglichere und wärmere Box blieb.Eine solche Abstimmung geht oft zulasten von Agilität und Dynamik - nicht so bei der Liuto. Wenn es gefordert war, etwa bei Totos "Hold The Line" (25th Anniversary Concert), drückte sie knackige Basswellen und konzertreife Dynamik aus den Membranen, bei Distinguierterem (wie bei Julianna Rayes "Slowly" aus "Dominoes", B&W Music Club), hielt sie sich weich und höflich zurück. Im Gegensatz zu den beiden Vergleichsboxen von Nubert und aus dem eigenen Haus, die geradezu mit schulmeisterlicher Strenge Konsonanten und gehauchte Klänge aus der zarten Frauenstimme zu schälen versuchten, konzentrierte sich die Sonus auf den Grundton der schönen Jazzsängerin. Dass die massierten Chorklänge von Wagners "Lohengrin" (Bychkow, Profil) über die Nubert minimal agiler und detailreicher klangen, nimmt man angesichts des weichen Tones und der unbedingten Langzeittauglichkeit der Liuto gern in Kauf. Mit diesem Lautsprecher hört man nicht nur einige Arien, sondern am liebsten eine ganze Oper am Stück.

Sonus Faber Liuto

HerstellerSonus Faber
Preis4000.00 €
Wertung94.0 Punkte
Testverfahren1.0

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