Testbericht

Testbericht: Phono-Verstärker Pass XP-15 um 4650 Euro

Dieser Phono-Verstärker spielt so überirdisch gut, dass er fast jeden Plattenspieler zum Himmelsstürmer macht. Der ultimative Kick für Analog-Fans.

  1. Testbericht: Phono-Verstärker Pass XP-15 um 4650 Euro
  2. Datenblatt
image.jpg

© Archiv

Den schönsten Momenten im Leben eines HiFi-Testers folgen nur allzu oft die bittersten. Nein, ich will hier nicht Mitleid heischen. Schließlich haben wir Redakteure das Privileg, von Zeit zu Zeit die besten Erzeugnisse unserer Branche zu hören. Nur: Diese Preziosen müssen eben meist wieder zurück zu Hersteller oder Vertrieb, das gebieten Anstand, Gesetz und Girokonto.

Diesem - angesichts des Welten-Elends durchaus rückstufbaren - Leidensdruck fühlte ich mich seinerzeit auch ausgesetzt, als der rechtmäßige Besitzer den Pass XOno zurückwollte. Diesen Über-Phono-Vorverstärker bejubelte ich in AUDIO 11/2002, anschließend gönnte mir der Vertrieb eine kurze private Liaison mit dem amerikanischen Traum-Amp. Lange her, doch unauslöschlich hat sich der Trennungsschmerz eingebrannt.

Jetzt werde ich wohl demnächst wieder ganz tapfer sein müssen. Denn mit dem XP-15 stand der Nachfolger des legendären XOno ins Haus. Und der Abschied, soviel vorweg, wird diesmal noch schlimmer werden. Dabei bringt der schaltungstechnisch weitgehend gleiche Thron-Erbe rein äußerlich erst mal weniger mit in die analoge Ehe.

Im Gegensatz zum spürbar teureren Vorgänger begnügt sich der 4650 Euro teure XP-15 mit nur einem Gehäuse. Das wiederum extrem potente Netzteil platzierte Pass-Entwickler Wayne Colburn also diesmal im gleichen Voll-Aluminium-Areal wie die eigentlichen, doppelt mono aufmarschierenden Verstärker-Züge. Die arbeiten in echter Symmetrie, verstärken also phasenrichtiges und phaseninvertiertes Signal tatsächlich getrennt. Die um sechs Dezibel, also doppelte Spannung, lauteren XLR-Ausgänge beweisen die doppelt aufwändige Gangart, die im Idealfall zu vollkommener Auslöschung von Störsignalen führt, da sich diese beim Wiederzusammenführen gegenseitig terminieren.

Aber auch an den asymmetrischen Cinch-Ausgängen sind die Fremdspannungsabstände jenseits von Gut und Böse. Selbst leisest säuselnde MC-Systeme werden ohne hörbares Rauschen und Brummen auf Hochpegel-Niveau gehievt.

image.jpg

© H.Härle

Speziell: Netzteil-Dimensionierung mit acht mal 10000 µF-Siebung, Platinenlayout in konsequenter Doppel-Mono-Ausführung und weiteren Speicher-Elkos, Bauteile-Bestückung (gegenüber XOno neue JFETS im Eingang, etwas andere XLR-Ausgangsverstärker) - alles vom Feinsten.

Ohnehin dürfte nur eine schwindsüchtige Minderheit von Tonabnehmern nicht mit dem Pass anbandeln wollen. Denn der nahezu universelle XP-15 lässt sich so ziemlich an jeden Moving Magnet, jedes Moving Iron und jede Moving Coil in den Generatoren der Abtaster perfekt anpassen. Ohne dass man - ein echter Fortschritt gegenüber dem dazu aufzuschraubenden XOno - ans Eingemachte gehen müsste. Denn die zwei mal zwei achtpoligen DIP-Schalter-Batterien sind bequem von außen an der Rückseite zugänglich.

So kann der experimentierfreudige Pickup-Probierer bewegten Magneten acht verschiedene Kapazitäten bieten, was wohl jeden Frequenzgang einigermaßen linearisieren und jede Resonanz aus dem Hörbereich verbannen dürfte. Noch variabler wird der MC-Besitzer verwöhnt: 256 Abschlussimpedanzen stehen zur Verfügung, dazu drei verschiedene Verstärkungen: 50 dB/symmetrisch 56, 60/66 und 70/76; bei MM sind 40/46 dB fix eingestellt. Alles ist in der hervorragenden Bedienungsanleitung gut verständlich erklärt, nicht ohne die Aufforderung zur eigenen Überprüfung per Gehör.

Der ich dann nur zu gerne nachkam. Freilich zügelte ich meine Ungeduld noch, denn erfahrungsgemäß müssen sich Pass-Verstärker erst mal akklimatisieren. Also mit dem voodoofreien beiliegenden Kabel ans Netz, mit dem Kimber KS 1036 an die Röhrenvorstufe Octave HP 500 SE angestöpselt und eine Nacht warmlaufen lassen. Dann, am nächsten Tag, begann ein Hörfest sondergleichen. Das Herumgefummel an den DIP-Schaltern - man ist ja schließlich Tester - ließ ich übrigens ganz schnell sein. Standardmäßige 100 oder 200 Ohm für meine MC-Favoriten Benz Ebony und Clearaudio Stradivari, 70 dB Verstärkung - und ich bekam, was ich brauche. Der Pass XP-15 zählt zu den ganz wenigen HiFi-Geräten, die einen förmlich in den Sessel zwingen. Zum Zuhören, Genießen, Versinken, Welt-Vergessen verführen. Schon nach wenigen Sekunden eines Monteverdi-Madrigals war klar: Hier spielt ein Großer, ein Meister, ein König.

Der "göttliche Claudio" Monteverdi schrieb einige Madrigal-Bücher: weltliche, manchmal allzu weltliche Gesänge für meist fünf Stimmlagen. Das vierte Buch etwa ist eine Sammlung schönster Musik. Jahrhunderte alte Klänge, die ans Herz greifen, wie eine unbekannte Macht aus großer Ferne und doch hautnah. Meine alte Philips-Pressung mit Raymond Leppard ist wahrlich kein High-End, es knistert leicht und tockt ab und an. Na und? Wie die Schaltkreise des Pass das zarte Stimmgeflecht modellierten, wie sie das Gewebe mit ungeheurer Dynamik und unfassbarer Präsenz vor mir aufbauten: Das ließ mich highfidele Reinheitsgebote vergessen. Es zählte nur noch die Musik.

Ich habe den XP-15 tagelang genossen, unter anderem hörte ich die Scheiben für das große Vinyl-Special eine nach der anderen ab. Heavy Metal, Rock, Blues, Jazz, Audiophiles, Kammermusik, Großorchestrales. Ich verglich mit alternativen Pressungen, manchmal sogar mit CDs, klärte für mich die Frage aus dem Forum www.audio.de, welche Einspielung von Mahlers Zweiter Symphonie ich denn nun empfehlen würde: Georg Soltis Großtat von 1966, Vinyl. Auf CD brauche ich das nicht. Nicht wenn der XP-15 im Spiel ist.

Frappierend, wie dieser Über-Amp jeden Mitbewerber - und ich ließ bärenstarke und von mir heißgeliebte auflaufen - regelrecht deklassierte. Da war immer mehr Volumen und Kraft in den Stimmen, mehr Druck in den Drums, mehr Feinzeichnung in den Höhen, mehr Dynamik im Gesamtgeschehen. Und so verblasste sogar die Erinnerung an den guten alten XOno....

Obwohl der neue Traum-Pass aus jedem Tonabnehmer das Optimum her-ausholt, können doch nur die besten Pickups die vollen Qualitäten ausloten. Und da die besten uns bekannten bekannten Abtaster Moving Coils sind, erhält dieser Phono-Amp für MC eine höhere Punktzahl als für MM. Die höchste, die AUDIO je vergab.

Pass XP 15

HerstellerPass
Preis4650.00 €
Wertung130.0 Punkte
Testverfahren1.0

Mehr lesen

Wer ist die Nummer eins? -

Mehr zum Thema

Pass XP-25
TEstbericht

Die neue Pass-Phono-Vorstufe hat Ambitionen. Die XP 25 will nicht nur in die Fußstapfen der XOno treten. Sie will der neue Maßstab sein.
Goldenote Microline PH-7
Testbericht

Der Goldenote Microline PH-7 ist eine flexible Phono-Vorstufe, die beim Preis-Leistungs-Verhältnis punkten will. Ob das gelingt, verrät unser Test.
Pure Sound P-10/T-10
Testbericht

Für die Verstärkung von MC-Signalen braucht der Pure Sound P-10 die Hilfe eines Übertragers. Wie die Phono-Vorstufe sonst klingt, haben wir…
Test REF Phono 2 SE  Audio Research
Phono-Vorverstärker

Die Vorstufe Reference Phono 2 SE von Audio Research holt knallharte Innenspannung aus scheinbar bekannten Rillen. Auch der Preis schafft…
Vincent Phono-Vorverstärker PHO-700
Phono-Vorverstärker

Wenn man schon einen teuren Vollverstärker hat, lohnen sich da 500 Euro extra nur für den Phonozweig? Wenn so viel Dynamik und Tempo herauskommen,…
Alle Testberichte
Acer Switch Alpha 12
Detachable
75,4%
Das Acer Switch Alpha 12 ist das erste lüfterlose 2-in-1-Gerät mit Core-i-Prozessor. Im Test hinterlässt es einen…
Huawei P9 Plus
5,5-Zoll-Smartphone
88,0%
Huawei optimiert das P9 und heraus kommt ein echter Überflieger: Wir haben das Huawei P9 Plus getestet.
Samsung Galaxy A3 rosa
Testberichte
Alle Tests von Smartphones, Handys, Tablets, Navis, Notebooks und Ultrabooks, DECT-Telefonen und DSL-Routern in der Übersicht.