Testbericht

Tonabnehmer Benz Micro LP-S

Wenn Sie beste Klänge aus Ihren Schallplatten holen wollen, dann sollten Sie einen Edel-Abtaster wie das Benz LP-S fahren. Der beschleunigt Ihren Puls rasant - ohne Spritverbrauch.

  1. Tonabnehmer Benz Micro LP-S
  2. Datenblatt
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© Archiv

Da könnte man AUDIO ja glatt bösen Willen unterstellen. Ausgerechnet die beiden Spitzenreiter der Tonabnehmer-Bestenliste kamen "nur" als Kurztest zu Ehren: Das Clearaudio Stradivari für 2400 Euro in Ausgabe 12/2006 und das gleichteure Benz Ebony in 9/2004. Böser Wille war sicher nicht im Spiel, doch als Benz-Chef Albert Lukaschek jetzt die neue S-Variante seiner Top-Tondose "LP" schickte, war mehr Raum für den Testbericht eine angenehme Pflicht.

Lukaschek, der die Benz Micro Switzerland 1994 vom Gründer Ernst Benz übernahm, machte sein 2900 Euro schweres Flaggschiff auch physikalisch zum Schwer-Gewicht. Denn in sein Ebenholz-Gehäuse setzte der gebürtige Österreicher statt des vom LP gewohnten Aluminium einen goldglänzenden Messing-Korpus, der den eigentlichen Generator beherbergt. Die mechanisch nochmals stabilisierende Maßnahme treibt das Gewicht des Pickups auf stolze 16,6 Gramm (Herstellerangabe: 16,4) ohne Schrauben. Weil die so genannte Tiefenresonanz von 7,5 Hertz - gemessen am mittelschweren Tonarm Rega RB 250 - gerade noch im Toleranzfeld 7 bis 12 Hertz liegt, empfiehlt AUDIO eher leichtere Tonarme, damit sich bei der Abtastung auch von etwas verwelltem Vinyl nichts bassverschwemmend aufschaukelt. Die Nachgiebigkeit (Compliance) des 0,28 Millimeter durchmessenden Bor-Nadelträgers beträgt "mittelharte" 15 Mikrometer pro Millinewton Auflagekraft.

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© Foto: Härle

Die edle Verpackung in Holzschatulle samt Zubehör ist bei Benz Micro gern gesehener Standard.

Die vom Schweizer Spezialisten Gyger auf Verrundungsradien von nur 5 mal 120 Mikrometer geschliffene Diamant-Nadel (menschliches Haar ist bis 120 Mikrometer stark) überträgt die mechanischen Schwingungen aus der Rille in den Generator. Dort sorgen dann bewegte Spulen (Moving Coils), gewickelt um einen Träger aus Rubin, für die Umwandlung in elektrische Spannung. Die fällt MC-typisch nicht sehr hoch aus, doch die ermittelte  Ausgangsspannung dürfte für Hochleistungs-Phonoverstärker kein Problem darstellen.

Und in der Tat kam AUDIOs Referenz-Pre, der Pass XP-15 (Ausgabe 6/09), eingestellt auf 500 Ohm Abschluss-Impedanz, rauschfrei mit der Schweizer Schwer-Spitze klar. Als operative Basis dienten dem LP-S ein Thorens TD 2030 und ein Clearaudio Anniversary, als Arme kamen Clearaudio Satisfy, Unify_9 und der extralange Unify_14 sowie diverse Rega-Ausleger zum Einsatz. Die Abhörkette vervollständigten eine Röhren-Vor-End-Kombi von Octave (HP 500 SE, MRE 120) sowie die Hybrid-Elektrostaten Martin Logan Summit X, die auch feinste Unterschiede aufdröselten.

Doch so fein waren die Unterschiede gar nicht, zumindest im Vergleich zum Ebony legte das LP-S spürbar vor. Die unvergleichliche Stimme von Maria Callas in der epochemachenden Mono-Aufnahme der "Tosca" (EMI) drang noch nuancierter zum Herzen vor. Die hochenergischen Kontrabässe in Georg Soltis noch immer maßstäbesetzender Einspielung von Mahlers Zweiter (Decca) brausten noch kraftvoller, noch nachdrücklicher in den Raum. Dabei baute sich das symphonische Klangbild mit einer Plastizität und Klarheit auf, die auch das in dieser Beziehung wahrlich nicht schlechte Stradivari nicht hinbekam.

Die Doppel-EP (!) "Kid A" von Radiohead krachte mit unbarmherziger Klangflut, die hochkomprimierten Bluesrock-Phalanxen von The Answers "Everyday Demons" (SPV) brandeten knackig an die Trommelfelle. In jedem Musikstil faszinierte die Souveränität der Dynamik, frappierte die Unmittelbarkeit der Energie-Entladung. Und das auch noch striktest neutral. Damit stellt die Schweiz den Tonabnehmer-Weltmeister.  

Benz Micro LP-S

HerstellerBenz Micro
Preis2900.00 €
Wertung110.0 Punkte
Testverfahren1.0

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