Testbericht

Tonabnehmer Ortofon SPU Classic N

Für Fälle, in denen ein Benz noch zu filigran ist,   ob nun aus klanglicher oder mechanischer Sicht, gibt es immer noch das Parallel-Universum der Ortofon SPUs.  Seit fast 50 Jahren (die Produktion begann im Jahr 1959) bauen die Dänen diesen Urgroßvater aller MC-Tonabnehmer.

  1. Tonabnehmer Ortofon SPU Classic N
  2. Datenblatt
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Besitzer passender Arme bestellen ihn vormontiert in der klassischen Bakelit-Tondose mit SME-Befestigung. Modernisten ordern die nackte und entsprechend günstigere Halbzoll-Variante, die in jedes Standard-Headshell passt. Der daran anschließende Arm muss allerdings eine hohe effektive Masse haben: Damit die Resonanzfrequenz der sehr harten SPU-Aufhängung in jenen goldenen Bereich um acht Hertz kommt, wo sie weit genug von der Musik entfernt und noch nicht zu nah an Subchassis-Schwingungen und Plattenwelligkeiten liegt, bedarf es schon der Mitwirkung eines kapitalen 20-Gramm-Prängels.

Ist der Arm zwar leicht, aber steif genug, lässt er sich mit Ballast schwerer machen. Der Linn Ekos des Autors funktionierte beispielsweise, mit etwas Zauberknete und einem Clearaudio-Stahlplättchen um fünf Gramm aufgelastet, blendend als SPU-Führungskraft. Von Natur aus schwer genug sind vor allem Zwölf-Zoll-Arme wie der 3012 von SME oder natürlich die langen Ortofons. Aber auch auf manchem erschwinglichen Komplettspieler-Klassiker finden sich SPU-kompatible Arme. Etwa auf den untereinander fast baugleichen, fabelhaft verarbeiteten Kenwood-Direkttrieblern KD-990, -7010, -770_D und -8030, deren mächtige Tonbügel bei Tests in den Low-Mass-verseuchten 80er Jahren eher durchfielen.

Dabei hätte man nur ein SPU reinschrauben müssen. Die Kombination KD-990/SPU Royal N läuft seit Jahren in der Verwandtschaft des Autors und klingt himmlisch. Oder besser: erdig. Denn als erste und wichtigste Eigenschaft des SPU-Sounds tritt ein Bass in Erscheinung, den man nie wieder vergisst: ein extrem verbindlicher, bei aller Kraft völlig trockener Bass. Im Frequenzgang sieht er völlig normal aus, aber irgendwie schafft es dieser Tonabnehmer, über das ganze Band hinweg mehr Intensität, mehr Dynamik, unterm Strich einfach mehr Wirkung aus dem Vinyl zu holen. Faszinierend ist auch die Mühelosigkeit, mit der das SPU Royal mitten in stressigste Passagen hinein- und dann entspannt hindurchreitet. Wer das Gefühl hat, immer weniger Platten wirklich genießen zu können, weil die anderen nicht klingen, kann mit einem SPU vielleicht das Steuer nochmal herumreißen. Selbst das SPU Classic mit seiner konischen Nadel meistert kritische Zischlaute und hoch ausgesteuerte Tutti mit erstaunlicher Gelassenheit, klingt sogar noch ungekünstelter - im positiven Sinn noch weniger nach HiFi als das Royal.

Letzteres ist aber plattenschonender: Sein moderner "Replikant"-Nadelschliff ähnelt im Radienverhältnis (5/ 100_µm) dem Gyger S im Glider; der Auflagedruck (empfohlen sind drei Gramm) verteilt sich über die große Kontaktfläche günstiger als beim SPU Classic. Zumal dieses offiziell nicht drei, sondern erschreckende vier Gramm verlangt.

Am Ekos schien das klangliche Optimum eher bei 3,8 Gramm zu liegen. In einem wärmeren Hörraum und nach noch etwas mehr Spielstunden dürfte sich der Wert eher noch etwas tiefer einpendeln. Das Gefühl, den Platten unnötig Gewalt anzutun, stellte sich jedenfalls niemals ein. Die Musik schien vielmehr einem ungewöhnlich sauberen Hintergrund zu entspringen, Nebengeräusche störten kaum. Kritische S-Laute wirkten nicht so sauber wie beim Benz ACE, spritzten aber nicht vorlaut heraus, sondern gerieten im (seltenen) Grenzfall eher dezent aus der Fasson. Die meisten Platten kamen aber schon über das Classic mit enormer Dynamik ohne jede Unsauberkeit.

Beide SPUs sind sehr leise und brauchen hochwertige MC-Vorverstärker oder, viel stilechter, Übertrager wie den hervorragenden Audio Note AN-S 2. An letzterem erreichten die SPUs dann auch ihr klangliches Optimum.

Ortofon SPU Classic N MK II

HerstellerOrtofon
Preis575.00 €
Wertung90.0 Punkte
Testverfahren1.0

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