Testbericht

Unison Unico Secondo

Wieviel Röhrenklang steckt in den neuen Hybridverstärker wie dem Unison Unico Secondo? Und vor allem: welche Art von Röhrenklang? HiFi-Fans schreiben den archaischen Bauteilen nämlich ganz unterschiedliche, zum Teil gar gegensätzliche Qualitäten zu.

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© Archiv

Die einen erwarten eine akustische Schmusedecke zum Schutz gegen die Härten liebloser Digitalproduktionen und pochen daher auf das althergebrachte Image vom warmen, weichen Röhrensound. Andere verehren ein moderneres Klangideal und nutzen Röhren, um jene seltene Mischung aus Schnelligkeit und völliger Körnungsfreiheit zu erzielen, für die angelsächsische High-Ender das schöne Wort "liquidity" geprägt haben.

Messtechnisch lassen sich die Amps beider Schulen oft kaum auseinanderhalten, was auch den Vorwurf entkräftet, es handle sich bei Röhrenverstärkern generell schlicht um Effektgeräte. Ihre Konstrukteure nutzen lediglich die Chance, jenen letzten Rest von Charakter, den jedes HiFi-Gerät unweigerlich aufweist, klar und konsistent nach ihren jeweiligen Vorstellungen zu formen. Mit Ergebnissen, die sich in jeder Anlage nachvollziehen lassen.

Unison Research bietet für 150 Euro Aufpreis die Wahl zwischen MM- und MC-tauglichen Phono-Steckkarten, die im äußersten linken Eck des Verstärkers Platz finden. Der im norditalienischen Treviso gebaute Unico Secondo bot nicht nur die beste Anfassqualität im Test, sondern auch die mit Abstand komplizierteste Schaltung, deren ausgedruckt vier Seiten umfassender Plan auch gestandene Schaltbild-Versteher zu respektvollem Murmeln bewegt, nicht jedoch zu verständlichen Erklärungen. Die zwei ECC83-Doppeltrioden sitzen hier im Eingangsteil einer Endstufe, die mit raffinierten lokalen Gegenkopplungen, diversen weder auf der Platine noch im Schaltplan näher spezifizierten Hilfsverstärkern und schließlich einem Oktett schlagkräftiger MOSFET-Endtransistoren ihrer Arbeit nachgeht. Um sich an der Eleganz des Platinenlayouts und den zahlreichen intelligenten Detail-Lösungen zu erfreuen, muss man aber gar nicht in allen Feinheiten verstehen - so, wie der Blick unter eine Ferrari-Haube auch den Nicht-Maschinenbauer fasziniert, besitzt auch der Secondo eine eigene nahezu selbsterklärende innere Schönheit - von der äußeren Eleganz ganz zu schweigen.

"Schön!" ist auch der erste Gedanke, wenn man mit dem Unison Musik hört. Wer Röhren mit einem warmen, dunklen Klang verbindet, findet diesen beim Unison in Reinkultur. Der Italiener klang so mild und edel, so zurückhaltend und in sich selbst ruhend, dass die Tester lange suchen mussten, um auf der Hörraum-NAS, die den Linn Sneaky DS mit Musikdaten belieferte, eine Platte zu finden, die vordergründig oder gar lästig wirkte.

Der Unico Secondo schont die Ohren, aber er animiert Bauch und Beine: Im Bass, etwa wenn sich bei Carl Craigs Remix von Cesaria Evoras "Angola" ("Sessions Vol. 1") nach rund einer Minute eine gerade Techno-Bassdrum in die Afro-Rhythmen schiebt, entwickelte er einen überwältigenden Druck, der selbst teureren, stärkeren Vor-End-Kombis meist fehlt. Ob lustvoll pulsierende Beats, gewichtig präsente Sänger oder drohend wabernde Orchestermassen - es war, als hätte ein kleiner Ton-Regisseur von der Verstärkerseele Besitz ergriffen, der jede Chance nutzte, hindurchfließende Musik zum donnernden Melodram zu veredeln.

Unison Unico Secondo

HerstellerUnison
Preis2100.00 €

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