Testbericht

Vollverstärker Arcam A 70

Den A 70 (850 Euro) baute Arcam weniger für den jungen Hans Dampf als für den abgeklärten Musikgenießer.

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Vollverstärker Arcam A 70

© Archiv

Vollverstärker Arcam A 70

Der Arcam A 70 (850 Euro) wirft einige kleine Fragezeichen auf. Was, sapperlot, haben die Tästchen "Select",  "Enter" und "AV"  sowie das Lichtchen mit der Beschriftung "Prozessor" auf der ansonsten tadellos schlicht gestalteten Alufront zu bedeuten? Doch bereits kurzes Spielen sorgt für Entwarnung. Diese Bedienorgane gestatten nichts als den Zugang zu nützlichen Funktionen. Etwa zur Balance, zur Vorpegel-Einstellung für jeden einzelnen Eingang sowie zu einer vom Gehörten unabhängigen freien Auswahl für den Recorder-Ausgang.

Vollverstärker Arcam A 70

© Julian Bauer

Feintuning: Aus Klanggründen klebte Arcam auf ein Controller-IC und auf die Ausgangsrelais ein Ferritscheibchen. Die Netzteil-Elkos (4 x 3300 Mikofarad) schmückt ein Gummiring.

Via "Processor" lässt sich der Tape-Eingang auf eine fixe Verstärkung trimmen, wenn daran mit Front-Links- und -Rechts eine Surroundvorstufe hängt, die nun ihrerseits die Lautstärke bestimmt. Zuletzt erstaunlich, dass der A 70 zusätzlich zu seinem Tape-out und Pre-out auch noch mit Line-out bezeichnete Buchsen mitbringt, die nicht lautstärkegeregelte Hörsignale nach außen bringen.

Ein wenig Mode ließen die Engländer auch bei der in Auflöt-Technik realisierten Schaltung zu. So ruft statt steinzeitlicher Kontakte ein großes Schalt-IC die eine oder andere Quelle auf den Plan, wonach dann ein von Pufferstufen unterstütztes Burr-Brown-IC PGA 2310 die Pegelstellung übernimmt. Dann kommt aber nur noch ein Verstärker-IC, das in urklassischer Weise über seine zwangsläufig symmetrischen Stromversorgungs-Anschlüsse die Vortreibertransistoren lenkt.

Für die Gegentakt-Endstufe suchte Arcam schließlich Pärchen recht teurer, fünfbeiniger Sanken-Halbleiter mit integriertem Treiber und Ruhestromeinstellungs-Fühler aus. Da es zudem gleich mehrere Bias-Konstanthaltungs-Kreise und eine mit ordentlichen Energieportionen und daher zuverlässig arbeitende Strom-Korrektur-Gegenkopplung gibt, geht der Fachmann davon aus, dass der Arcam in jeder Lage säuberlich musiziert.

Vollverstärker Arcam A 70

© Julian bauer

Ein IC regelt Laut und Leise und merkt sich für jeden Eingang eine bestimmte Empfindlichkeit. Trotz derlei Elektronik blieb es bei klassisch-sauberem Klang.

Jawoll, tönte es bestätigend aus dem Hörraum. Das galt schon für das LP-Vorspiel über seinen Phono-MM-Eingang, wobei er minimal höhenbetont, aber immer noch flüssig, lebendig-angenehm klang. CDs sorgten dann noch für eine Steigerung. Der A 70 spielte allerdings weder den Muskelmann noch den Großraumhelden noch den Feuerspucker.

Er agierte dafür für die Preisklasse sagenhaft fein, immer auf vollendete Zeichnung, natürliche Farben und das goldrichtige Timbre bedacht. Und schaffte es der Arcam selbst bei dem dichten Saiten- und Percussionsgeflirre von John McLaughlins CD "Industrial Zen", Ruhe und Übersicht zu wahren und nicht zu nerven, verdiente er sich bei der Wiedergabe der jungen Vienna Teng ("Dreaming Through The Noise", ZOE-CD) den meisten Applaus.

Die Stimme ließ er noch ein wenig klarer, intensiver und anrührender erscheinen als etwa der famose Rotel RA 06 (6/06, 42 Punkte, 750 Euro), sodass er bei der Schlussbewertung mühelos auf 43 Punkte kam.

Arcam A 70

HerstellerArcam
Preis850.00 €
Wertung43.0 Punkte
Testverfahren1.0

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Wer ist die Nummer eins? -

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