Testbericht

Vollverstärker Densen B 110

Flach, schick und mit einer Ausgangsstufe, die außerhalb von Gegenkopplungsschleifen arbeitet. Kann der Densen B 110 (1600 Euro) mit derlei Schaltungsfinessen den Testsieg an sich reißen?

  1. Vollverstärker Densen B 110
  2. Datenblatt
Vollverstärker Densen B 110

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Vollverstärker Densen B 110
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Der Densen B 110 gibt sich extrem anschlussfreudig, mit sechs Hochpegel-Ins, zwei Aufnahme-Ausgängen, zwei Pre-Outs und einer Prozessorschleife. Die EPS genannte Buchse bietet einem externen Zusatznetzteil Anschluss.

Der B 110 bringt ein ähnlich schickes, aus einer massiven Alu-Ober- und Unterschale bestehendes Gehäuse mit wie sein mehr als viermal so teurer großer Bruder B 175 (Test in stereoplay 5/10). Er hat auch die gleiche ausgefuchste Lautstärkeregelung, die mit lebhaftem Kontaktgeklapper auf sich aufmerksam macht.

Dass der Densen nach dem Ein- und Ausschalten so laut hörbar wie langsam zu einem Voreinstellpegel hoch- oder zu Null heruntertippelt, erscheint eher wie ein Gag. Dass dabei acht Relais 200 unterschiedliche Kombinationen aus Präzisionswiderstands-Werten herstellen, bedeutet aber für einen Verstärker dieser Preisklasse schlicht und ergreifend eine Sensation. Zumal ein Teil dieser Widerstände - wie im B 175 - die Eingangssignale nicht auf einmal, sondern erst um die Hälfte absenkt. Es folgt eine aus Einzeltransistoren komponierte, extrem rauscharme Verstärkerstufe und dann erst die zweite Dämpfung. Diese Prozedur lohnt sich, denn bei den mehr oder minder zurückgeregelten Lautstärken in der Praxis springt - bei immer noch ausreichender Übersteuerungsfestigkeit - immerhin drei Dezibel mehr an Störabstand heraus. 

Wie zu dem großen Bruder bietet Densen auch zum B 110 eine ganze Reihe von Ausbauoptionen an. Zum Beispiel eine auf den jeweiligen Kundenbedarf zugeschnittene Frequenzweiche, die den Bassbereich einem aktiven Woofer zuspielen kann. Ein Surround-Board inklusive extra Cinch-Buchsen regelt die Lautstärke für drei weitere Kanäle. Schließlich gibt es ein Zusatznetzteil sowie Phonoboards für MM- und MC-Tonabnehmer.

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1) Die Lautstärke regelt der Densen mit Präzisionswiderständen, die von acht Relais geschaltet werden. 2) Zwei Elkos dienen den Endstufen. Kontroll- und Vorstufen tanken bei fünf kleinen Speichern. 3) Reihen von Metallfilm-Auflötwiderständen ersetzen die üblichen Einzel-Zement-Kollegen.

Wer sich nun darüber ärgert, dass auch für die System-Fernbedienung Gizmo ein Aufpreis von 220 Euro zu zahlen ist, sollte andererseits anerkennen, dass der deutsche Vertrieb für die Densen-Verstärker 20 Jahre Garantie gewährt.

Galt dies alles auch für den B 175, mussten die Dänen beim Netzteil und bei den Ausgangsstufen des B 110 sparen. Der stramme, 360 Watt feste Ringkern-Trafo erzeugt noch Zuversicht. Doch für die Hochleistungs-Energiespeicherung mussten dann zwei 10000-Mikrofarad-Elkos reichen.

Endstufe ohne Feedback

So viel Strom werden die auch nicht ziehen, schließt der Techniker, wenn er auf die eher kleinen, von einem Bügel auf eine massive Kühlplatte gepressten Endtransistor-Pärchen blickt. Doch wenn er bedenkt, dass der B 110 sich nur in den Spannungsverstärker-Kreisen, die mit zierlichen Auflötbauteilen realisiert wurden, und in der Treiberstufe selbst korrigiert und die Stromliefer-Ausgangshalbleiter ohne jegliche Gegenkopplungsschleife agieren, wird ihm vielleicht doch blümerant - weil jeder Versorgungs-Wackler ungebremst zu den Lautsprechern vordringen kann.

Hörtest

Fetzig, temperamentvoll startete der Unison Unico Nuovo mit dem Eric Legnini Trio sein Hörtestdebüt. Mit entschieden durchgezogenem Rhythmus, trockeneren Trommelschlägen und rabiater gezupften Bässen setzte er das Nordlicht von Densen gleich mächtig unter Druck. Mit seinen intensiver leuchtenden E-Piano-Läufen deutete der B 110 aber auch schon hier seine Sondertalente an, die er dann etwa mit Ulita Knaus vertiefte. Beseelt, frei atmend, von den Boxen völlig gelöst, nur ein wenig heller und schlanker: Mit der bereits highendigen Stimmenwiedergabe erinnerte der B 110 durchaus an den 58-Punkte-Bruder B 175 (Test in stereoplay 5/2010).

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Der Densen-Geber Gizmo kostet 220 Euro extra.

Auch hier griff der Nuovo im Bass wieder herzhafter zu, er öffnete auch den Raum etwas weiter. Bei den zarteren Weisen konnte er aber nicht verhindern, dass der zurückhaltender, dafür reiner agierende B 110 von Densen den Zuspruch der Jury erhielt.

Sogleich erinnerten sich die Tester an den um 300 Euro teureren Unico Secondo (3/09, 51 Punkte), der aber in Stresssituationen in den Höhen klarer, in den Mitten runder blieb und im Bass noch einige Pfunde mehr auflegen konnte.

So stand die Bewertung für den neuen Unico mit schönen, aber nicht sensationellen 50 Punkten bald fest. Zudem empfahl sich das (im Falle Nuovo mitgeschickte) Phonoteil auch bei den leisen Moving-Coil-Tonabnehmern als brauchbar, ausgeglichen und sauber.

Den anfänglichen Plan, dem ohne Phono angetretenen B 110 für seine highendigen Anwandlungen etwa mit Ulita Knaus' CD "It's The City" (Minor Music) ein Pünktchen mehr zu geben, mussten die Tester spätestens bei "Everybody's Brahms" (Telarc) aufgeben. Dichtere Streichermassierungen litten unter einer gewissen Sprödigkeit, die Anschläge auf dem großen Konzertflügel nahmen dann und wann etwas Spinetthaftes an.Ergo blieb es auch hier bei 50 Punkten, und der Vergleich des italienischen und des dänischen Vollverstärkers endete mit einem Patt. Dabei sprechen die Amps unterschiedliche Gemüter an: Wer es rockiger mag, darf auf den Unico Nuovo, wer ein sensibler Typ ist, auf den Densen B 110 spekulieren.

Densen B 110

HerstellerDensen
Preis1600.00 €
Wertung50.0 Punkte
Testverfahren1.0

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