Testbericht

Vollverstärker Magnat MA-800

Wieviel Röhrenklang steckt in Hybridverstärkern wie dem Magnat MA-800? Und vor allem: welche Art von Röhrenklang? HiFi-Fans schreiben den archaischen Bauteilen nämlich ganz unterschiedliche, zum Teil gar gegensätzliche Qualitäten zu.

  1. Vollverstärker Magnat MA-800
  2. Datenblatt
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HiFi-Fans schreiben den archaischen Bauteilen nämlich ganz unterschiedliche, zum Teil gar gegensätzliche Qualitäten zu. Die einen erwarten eine akustische Schmusedecke zum Schutz gegen die Härten liebloser Digitalproduktionen und pochen daher auf das althergebrachte Image vom warmen, weichen Röhrensound. Andere verehren ein moderneres Klangideal und nutzen Röhren, um jene seltene Mischung aus Schnelligkeit und völliger Körnungsfreiheit zu erzielen, für die angelsächsische High-Ender das schöne Wort "liquidity" geprägt haben.

Messtechnisch lassen sich die Amps beider Schulen oft kaum auseinanderhalten, was auch den Vorwurf entkräftet, es handle sich bei Röhrenverstärkern generell schlicht um Effektgeräte. Ihre Konstrukteure nutzen lediglich die Chance, jenen letzten Rest von Charakter, den jedes HiFi-Gerät unweigerlich aufweist, klar und konsistent nach ihren jeweiligen Vorstellungen zu formen. Mit Ergbebnissen, die sich in jeder Anlage nachvollziehen lassen.

Ein besonders günstiger Einstieg in die Hybrid-Welt markiert der im Verstärkerfach noch recht neue Lautsprecherhersteller Magnat. Die Firma hat dafür weder ihre Boxenentwickler zu fachfremdem Einsatz verdonnert, noch ist sie den unwürdigen Weg gegangen, ein reines Zukauf-Produkt mit dem eigenen Namen zu labeln. Der MA-800 ist, wie schon der erstaunliche, voll-röhrenbestückte RV-1 (AUDIO 2/09), ein echtes, eigenständiges Produkt.

Und ein ziemlich leckeres obendrein: Der Aufbau des MA-800 folgt konsequent der audiophilen Lehre. So gibt es gekapselte Relais für die Eingangswahl, langlebige ALPS-Potis und einen IC-freien Signalweg bis in die aus selektierten Einzeltransistoren bestehende Endstufe. Chips finden sich lediglich im Phonoteil, wo sie aber keineswegs negativ auffallen: Es handelt sich um teure, rauscharme Operationsverstärker, die den MA-800 zu einem der wenigen voll MC-tauglichen Vollverstärker machen. Die eng tolerierten Bauteile verraten wie die in der verlagseigenen TESTfactory ermittelten, brettgeraden Frequenzgänge und praxisgünstigen Anschlusswerte die Arbeit eines Phono-Überzeugungstäters - tatsächlich hat Magnat hier die Dienste des deutschen Entwickler-Urgesteins Walter Fuchs (SAC) in Anspruch genommen.

Die Beschaltung der Röhren im raffinierten "shunt regulated push pull"- Verfahren zeigt dagegen Parallelen zum großen Bruder RV-1. Wie bei diesem bilden die beiden russischen ECC82-Doppeltrioden in der SRPP-Anordnung eine äußerst lineare und ausgangsseitig niederohmige Vorstufe. Statt Leistungsröhren arbeitet diese im MA-800 aber einem Pärchen bipolarer Sanken-Transistoren pro Kanal zu, die ihren Strom aus jeweils eigenen Trafo-Sekundärwicklungen und Gleichrichtern beziehen.

Der Ringkern-Umspanner des Magnat ist zwar nicht ganz so mächtig wie die der teureren Kandidaten, aber dafür liegt der MA-800 in puncto Ausstattung sogar vorn: Der erwähnte Phonozweig samt doppelten Anschlussbuchsen, die sogar das Umschalten zwischen zwei zugleich angeschlossenen Spielern erlauben, der Balance-Regler (wenn auch nicht motorisiert), Kopfhörerausgang und Miniklinken-Eingang auf der Frontplatte - solchen sinnvollen Luxus sucht man an vielen anderen Amps vergeblich.

Wenn andere Röhren-Hybride einen großen, aber künstlichen Western auf die Bühne zaubern oder umgekehrt sich in leiser, intellektueller Weise in klanglichen Tiefen verlieren, so bleibt für den Magnat das Genre der britisch-aristokratischen Romanze, die auf schlossartigen Anwesen mit großen Parks spielt - und meist nicht auf den ganz großen Leinwänden läuft. Absolut sauber, fein und ausgewogen, fehlt dem MA-800 zur Klasse der beiden teureren Hybriden lediglich deren intensive, Aufmerksamkeit erzwingende Präsenz. Wobei eine Inszenierung, die es schon mal bei einer dezenten Andeutung belässt, statt stets jede kleinste Regung voll auszuspielen, auch ihre Reize und Berechtigung hat.

Auf welch hohem Niveau sich der ganze Vergleich abspielte, zeigte der Quercheck mit dem superben, packend lebendigen, dem Magnat dann doch überlegenen Naim Nait XS (105 Punkte, 2/09). Unison und Vincent konnten jeder auf seine Weise - die aber in beiden Fällen auf Vorteilen in den Disziplinen Kraft und Bass beruhte - problemlos mit dem flachen britischen Transistor mithalten.

Magnat Audio Produkte MA-800

HerstellerMagnat Audio Produkte
Preis1500.00 €
Wertung100.0 Punkte
Testverfahren1.0

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Wer ist die Nummer eins? -

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