Testbericht

Vollverstärker Naim Nait XS

Naim-Fans sind ein kritisches Publikum: Bei aller Freude über ein neues Modell wird stets argwöhnisch geprüft, ob die Entwickler im englischen Salisbury auch ja keines der alten Ideale verraten haben.

  1. Vollverstärker Naim Nait XS
  2. Datenblatt
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© H.Härle

Made in England: Bauteil- und Bestückungsqualität sind beim Nait XS über jeden Zweifel erhaben. Der massive, polierte AluBlock in der Mitte übernimmt nur die erste Wärmeabfuhr für die vier Endtransistoren und ist seinerseits mit Wärmeleitpaste an den Gehäusedeckel gekoppelt.

Beim Nait XS folgt die rituelle Inspektion der besonders langen Checkliste für Verstärker: Sind die "Banana Only"-Terminals und die DIN-Eingänge noch da? Jawohl, alles da, erstere samt maßgeschneiderten, CE-konformen Steckern, letztere sogar jeweils mit parallelen Cinch-Buchsen. So kann jeder selbst testen, was an der Naim-These dran ist, dass die DIN-Verbinder besser klingen.Zwei der DINs sind per Link-Stecker gekoppelt - klarer Fall, ein weiterer wichtiger Punkt ist abgehakt: Der Nait XS ist in Vor- und Endstufe auftrennbar und kann am Preamp externe Netzteile engagieren. Was nicht heißt, das die Briten Strom gespart hätten: Mehr als der verbaute 380-VA-Ringkern passt einfach nicht ins Gehäuse.Überhaupt bietet der Nait XS maximale Raumausnutzung: Wie mit dem Schuhlöffel hat Naim die Schaltung des Top-Amps Supernait (1/08) in das flache Gehäuse der 5er-Serie eingepasst. Die separate Digitaleingangs-Platine fehlt, ansonsten ist das XS-Herz nur am kleineren Trafo und der etwas weniger opulenten Siebung der Vorstufen-Betriebsspannung erkennbar. Das Datenblatt lässt allerdings noch weitere, nicht auf Anhieb sichtbare Unterschiede erahnen. So besitzt der Supernait einerseits die höhere Eingangsempfindlichkeit, andererseits aber auch die doppelte Übersteuerungsfestigkeit; auch sind die Vorstufenausgänge beim Großen noch niederohmiger.

XS mit XL-Klang

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© H.Härle

Im Hörtest war die klangliche Verwandtschaft zwischen den beiden Amps dennoch unverkennbar, zugleich aber auch der deutlich höhere Verfeinerungsgrad des Supernait: Die Perkussion auf Vienna Tengs "Soon Love Soon" ("Waking Hour") klang im Ein- und Ausschwingen noch delikater und Frau Tengs Stimme noch feiner moduliert, wenn der Große spielte.Dass der Nait XS seinem mehr als doppelt so teuren Bruder den Vortritt lässt, war zu erwarten. Deutlich schwerer fiel es den Testern, sich zwischen dem Naim und dem Musical Fidelity A 5.5 zu entscheiden. Der Musical wirkte glatter, praller und tonal milder, manchmal fast zu mild: Der XS konnte die Hörer, etwa beim HD-FLAC des Islandsmoen-Requiems, noch tiefer in die Mikrokosmen unter der klanglichen Oberfläche führen. Beim A 5.5 war diese Oberfläche dafür einfach größer und wie mit schimmerndem Lack versiegelt. Beide Abstimmungen haben je nach Musik ihre Stärken. Die des Naim liegen bei kleinen bis mittleren Leistungen: Hier klingt der  flache Verstärker extrem aufschlussreich, sensibel und auf angenehme, warme Weise durchhörbar.Die 60/90 Watt des Naim (an 8 und 4 Ohm) sind nicht weltbewegend, aber immerhin bis kurz vor der Clippinggrenze ohne die geringsten Anzeichen von Stress nutzbar: Erstaunlich, wie selbstverständlich Chorstimmen über den gesamten Dynamikbereich glitten, ohne, wie sonst oft, mit jedem Dynamikschritt forcierter zu wirken.Besonders schön kam dieses kraft- und seelenvolle Spiel an der Tannoy Definition DC__8 (Seite 126) zur Geltung, die am Naim mehr Schmelz und saftige Fülle zeigte als sogar am Referenz-Accuphase

Naim Audio Nait XS

HerstellerNaim Audio
Preis1700.00 €
Wertung105.0 Punkte
Testverfahren1.0

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