Testbericht

Vollverstärker Pathos Ethos

An Pathos-Verstärkern befand sich stets ein Stück Holz. Der Pathos Ethos (3800 Euro) verzichtet darauf - und richtet sich dafür auf die Zukunft ein.

  1. Vollverstärker Pathos Ethos
  2. Aus dem Messlabor + Technik im Detail
  3. Datenblatt
Pathos Ethos

© Julian Bauer

Pathos Ethos

Ob Schuhe, ob Espressomaschinen oder eben Verstärker: Die Produkte, die der Kenner schon aus Qualitätsgründen aus der Gegend um Venedig bezieht, zeichnen sich stets auch durch ein charakteristisches Aussehen aus. So bildeten der Logos und der Inpol2, die älteren Verstärker des in Vicenza beheimateten Edel-Herstellers Pathos, eine Art Altar mit Holzplatte und sakral leuchtenden Röhren darauf (Test in 12/05 und 6/06).

Pathos Ethos

© Julian Bauer

Trotz der fehlenden Holzapplikationen ist der Pathos Ethos eine wahre Schönheit

Der brandneue Pathos Ethos für 3800 Euro zieht mit seiner inversen Frontplatten-Keilform die Blicke magisch an. Und lenkt sie - ein Novum - auf ein Display, das nicht nur Zahlen, sondern auch Worte darstellen kann. Dort macht der Norditaliener unter "Volume" schnell klar, dass er in puncto Lautstärke von minus 58 bis plus 38 in Halbdezibel-Schritten zählen kann. Und dass er für nicht weniger als fünf Hochpegel-Quellen Cinch-Eingänge bereithält sowie für zwei weitere symmetrische XLR-Kontakter dazu.

Schließlich erscheint das Feature "Digital Input", das - im Moment noch unbeschaltet - vielversprechend in die Zukunft weist. In einigen Monaten wird es für 700 Euro eine Einsteck-D/A-Option geben, nach deren Montage der Ethos auch Musikdaten annehmen kann. Neben dem Platinenplätzchen im Innern sind  entsprechende Eingänge schon vorhanden: ein koaxialer (fürs SPDIF-Format von CD-Playern), eine normale USB- und eine USB-A-Buchse für Massenspeicher.

Ein weiterer Ausstattungsluxus: Neben die Audio-Buchsen setzte Pathos auch noch In- und Outputs für Einfach-Videosignale. Moderne 3-Komponenten- und HDMI-Seher runzeln möglicherweise erst die Stirn, bis ihnen dämmert, dass der Pathos-Bonus - super praktisch - für die Kinderzimmer-, Küchen- oder Vorgartenüberwachung eingesetzt werden kann.

Die ein wenig verschämt aus seiner Oberseite herausschimmernden Röhren verraten trotzdem: Bei allem Bekenntnis zur Moderne schwört der Pathos Ethos der Vergangenheit nicht ab. Das zeigt auch die konservative Schaltung: Statt der allüblichen Billig-Schalt-ICs führen kompromisslose Kontakte einer Relaisbank in den Verstärker hinein.

Pathos Ethos

© Julian Bauer

Ethos von links nach rechts: Trigger-Buchsen, Pre-Outs und insgesamt sieben Line-Ins - zwei davon symmetrisch. Darunter Video-In/Outs; ganz rechts diverse Digital-Ins.

Dort werden die Signale sogleich von den Doppeltrioden empfangen, deren besonders eng um die Kathode gewickelte Spann-Steuergitter auch den feinsten Winken sauber und ohne Verzug gehorchen. Erst nach der feinfühligen Röhren-Stärkung mutet der Ethos der Musik die Pegelregelung zu - sie kann an dieser Stelle kaum mehr einen Schaden anrichten, auch wenn sie ein IC des Burr-Brown-Typs PGA 2310 übernimmt.

Bis zu dieser Stelle arbeitet der Pathos auf sich allein gestellt und ohne Gegenkopplungs-Schleife, die möglicherweise grobe Fehler korrigiert, andererseits aber der Schaltung ins harmonisch geordnete Handwerk pfuscht. Erst in den Stufen danach setzen die Italiener zarte Rückkopplungs-Bandagen ein. Also bei den Endverstärkern.

Ein solcher beginnt mit einem extra impulsschnellen Edel-IC TL081 (mit FET-Eingang). Dieser OP steuert über seine Plus- und Minus-Versorgungsströme auf zwangsläufig symmetrische Weise die Treiber. Dann setzen auf der rechten und linken Seite bereits Gegentakt-Sextette kerniger Feldeffekt-Endtransistoren (mit relativ leicht zu steuernden, vom Stromkanal isolierten Lenk-Elektroden) zur Ausgangs-Kärrnerarbeit an.

Pathos Ethos

© Julian Bauer

Wo steckt der Netztrafo? Er befindet sich unter der Abschirmkammer, aus der die ECC-88 (1) herausschauen. Darüber arbeiten Stabilisierungs- (2) und Steuerungselektronik (3). Die Eingangsrelais (4) sitzen auf der Rückwand, die Endstufen an Pathos-Kühlprofilen.

Die wird durch nichts mehr eingeschränkt, denn auf dem Weg zu den massiven, isolierten Boxenklemmen wachen allenfalls noch ein Boucherot-Glied (kleine Spule plus Widerstand gegen Hochfrequenz-Rückwirkungen) und ein Schutzrelais. Die "Source"-Widerstände, die den Halbleiter-Übermut bremsen, hat Pathos - unter Umständen mit klanglichem Vorteil - nicht an der Boxen-zugewandten Source-Seite, sondern bei den heißen "Drain"-Polen der Halbleiter untergebracht.

"Hier bleib ich", lautete der erste Kommentar zur Ethos-Wiedergabe. Mit sanfter, organischer und doch mächtiger Kraft lud der Norditaliener nicht nur zum Reinhören, sondern zum sich ausgiebig Verwöhnenlassen ein. Sein ausgeprägter Sinn für Substanz, Oberflächen und schöne, warme Farben vertieften den Genuss.

Etwa mit der rockigen CD "November" von Dominic Miller, deren Bass absolut urgründig, tiefschwarz und doch wie ein riesiges, gemütliches Ledersofa erschien, in das man sich unwillkürlich reinfallen lassen will. Mit äußerst viel Gefühl sowie mit Sinn für Perspektive und Weite stellte der Ethos die E-Gitarren dar - erst raubauzig, dann strahlend, um zuletzt den überreich wachsenden Klangverästelungen mit fürsorglich milder Hand zu folgen.

Ebenso gerne schilderte der Ethos einen Orchesterkorpus: mit Kraft untenrum sowie den in schön-schwerer Süße und rundem Duft schwelgenden Geigen. Nachdem der Beau schließlich der relativ leichten Stimme von Vienna Teng viel Volumen und viel Fraulichkeit gab, war die Tester-Liebe zu diesem Verstärker besiegelt. Auch wenn sich dann herausstellte, dass der - in mehreren Jahren perfekt eingespielte - Vorgänger Logos akzentuierter agierte und bei der Trennung einzelner Instrumente noch mehr herausholte.

Nach dem Vergleich mit anderen Amps stand aber bald fest, dass der Neue immer noch eine fantastische Bewertung verdiente: 54 Punkte. Er klingt in jeder Lage angenehm - was mit Sicherheit auch für die D/A-Option gilt, die bald erscheint.

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