Testbericht

Vollverstärker Pioneer A 6

Positiv fällt beim Pioneer A 6 die Anfassqualität auf. Seine solide, recht massive Alufront, der fein rastende Eingangswahl Schalter, der sich samtig drehende Lautstärkeregler sowie die edle Optik lassen einen Verstärker einer deutlich teureren Preisklasse vermuten.

  1. Vollverstärker Pioneer A 6
  2. Datenblatt
Pioneer A 6

© Archiv

Pioneer A 6

Dieser Eindruck setzt sich aber auch beim Blick ins Innere fort.

Pioneer A 6 Innleben

© Julian Bauer

Der Pinoneer A 6 beeindruckt mit kanalgetrenntem Aufbau, der sogar zwei Trafos beinhaltet.

So spendierten die Japaner zwei Trafos, die jeweils einen Kanal mit einem eigenen Stromkreis versorgen. Diese klare Trennung setzt sich auch danach recht konsequent fort. Die Vorstufensektion mit hochintegrierten Bauteilen ist zwar für beide Kanäle noch auf einer gemeinsamen Platine untergebracht, doch die Endstufen sind wieder räumlich getrennt. Sie sind klassisch als Gegentakt-Variante mit strompotenten bipolaren Sanken-Transistoren ausgeführt, die durch einen recht hohen Ruhestrom weit im Class-A-Betrieb arbeiten. Den klanglichen Feinschliff vertraute man bei Pioneer den Profis der Air Studios des Beatles-Produzenten Sir George Martin an. Hier wurde in langen Hörsitzungen mit den Aufnahmetechnikern eine Abstimmung gesucht und gefunden.

Die hübsche Optik mit nur zwei Reglern bringt die Eigenart mit sich, dass man die Klangregler oder die Balance nur mittels Fernbedienung einstellen kann. Den Musikfreund wird dies jedoch nicht stören, da er den deutlich besser klingenden Direct-Weg aktivieren wird. Schade ist hingegen, das es keinen Anschluss für mobile Geräte an der Front gibt. Der eigentlich löbliche Phono-Eingang machte im Messlabor mit relativ hohen Eingangskapazitäten auf sich aufmerksam, die in Kombination mit MM-Tonabnehmern keine Glanztaten im Vinyl-Hörtest versprachen.

Und wie vermutet führte die hohe Kapazität des Pioneer A 6 dazu, dass die Signale des am Referenzplattenspieler Linn Sondek LP 12 SE mit Tonarm Ekos SE (3/07) montierten MM-Abtasters Reson Reca (2/06) eher Telefonqualität hatten, als dass sie zu musikalischen Genüssen führten. Denn zum einen fehlte Offenheit, und zum anderen waren die Mitten verfärbt, während der Bass unkonturiert vor sich hin brummte. So kann stereoplay hier nur ein High-Output-MC-System empfehlen, etwa das Benz ACE H (10/05), durch das zwar noch immer die Klangfarben des Pioneer-Phonoeingangs fahl blieben, es aber nun nicht mehr so gedeckelt und gebremst ertönte.

Mit CD-Kost zeigte er aber einen anderen Charakter. Er strahlte im Hochton mehr und langte im Bass deutlich zu. So konnte der A 6 zum Beispiel Becken nicht nur zischen lassen, sondern verlieh ihnen Materie. Dass er auch eine gewisse Zurückhaltung pflegte, zeigte etwa "Staple It Together" von Jack Johnson ("In Between Dreams" / Bushfire Records), denn er bremste die Verve der Musiker ein wenig ein. Zudem stellte sich heraus, dass der satte Bass zeitlich dezent zurückgesetzt erschien, wodurch das Zusammen-spiel der Band litt. Dafür baute er eine große Bühne auf, umriss in Orchestern die Soloinstrumente sehr genau und zeigte sich von Fortepassagen unbeeindruckt.

Stärken:

+ Haptisch und optisch ein Parade-Verstärker

+ Stabiler, druckvoller Klang

Schwächen:

- Für MM-Abtaster untauglicher Phono-Eingang

- Kein Front-Eingang für mobile Geräte

Pioneer A 6

HerstellerPioneer
Preis500.00 €
Wertung37.0 Punkte
Testverfahren1.0

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