Testbericht

Vollverstärker Sony TA FA 1200 ES

Mit dem Hochgefühl, dass der Weltkonzern die Wende zurück zur zweikanaligen Wahrhaftigkeit vollzog, blättert der Sony-Neubesitzer in die kurzgehaltene Bedienungsanleitung des TA FA 1200 ES (700 Euro) hinein.

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  2. Datenblatt
Vollverstärker Sony TA FA 1200 ES

© Archiv

Vollverstärker Sony TA FA 1200 ES

Hoppla, in der Bedienungsanleitung steht "Verwenden einer Zwei-Verstärker-Konfiguration". Sollte der TA FA 1200 ES etwa Bi-Ampen können, also doch vier Endstufen besitzen? Nein, Sony meint Bi-Wiring und dass der TA FA 1200 ES Schallwandler mit auftrennbaren Terminals entsprechend ansteuern kann. Die Basschassis dürfen dann die Klemmen A in Anspruch nehmen, Mitten und Höhen laufen über sepate Kabel und über B.

Für eine gewisse Verwunderung könnte weiterhin die Nachricht sorgen, dass der Verstärker über seine vier digitalen Eingänge nicht nur die CD-gerechte Puls Code Modulation, sondern die für Video-Surround-DVDs typischen Formate Dolby Digital und DTS und sogar das schnell taktende DTS 96/24 akzeptiert. Aber bitte, der Sony stellt - während sein Display etwa mit 3/2.1 brav die Anzahl der ankommenden Tonspuren meldet - subito einen Zweikanal-Downmix her.

Vollverstärker Sony TA FA 1200 ES

© Julian Bauer

Vollverstärker mit Display-Ansage: Wird die Einmess-automatik aufgerufen, bietet der Sony die Wahl zwischen "Engineer" und "Full Flat". So wird ein Sony-Hörraum nachempfunden oder ein linearer Frequenzgang am Hörplatz ausgesucht.

Oder er bekommt von DVB-S-Tunern gleich Dolby Digital 2.0 und damit die leckerste Feinkost der Radiogeschichte, wie sie im Moment schon Bayern 4, Hessen 2, Südwestradio 2 und der Westdeutsche Rundfunk 3 offerieren.

Gebongt! Und von nun an heißt es "warum nicht". Warum sollte der Sony sich via Stereo-Mikrofon und reichlich Prozessor-Intelligenz nicht auf den Hörraum einstellen können? In der Tat, nur zu gern gleicht der TA FA 1200 den Zeitverzug von unterschiedlich weit entfernten Boxen aus. Zwecks Frequenzgang-Korrektur am Hörort setzt er gern auch einen Equalizer ein.

Vielleicht wird es nächtens auch mal nicht schaden, dass der Sony den Dynamikbereich einschränken kann. Und wer weiß es schon im voraus, es mag Umstände geben, wo sich die "Gleichstromphasen-Linearisierung" (Timing-Verschiebung der Tiefstbass-Schwingungen) als nützlich erweist.

Kein Problem, wenn der Sony-Beginner zunächst mit dem Bedien-Menü nicht klar kommt: Ausschalten und wieder einschalten, gleichzeitig auf den "Direkt"- und den "Muting"-Tipper drücken - dieser Kniff stellt auf jeden Fall wieder den jungfräulich-linearen Zustand der Verstärker-Seele her.

Der Phono-MM-Preamp und einige Puffer-ICs bei den drei Line-Eingängen sowie beim Tape-Out sind die letzten verstärkenden analogen Überbleibsel im Sony. Ansonsten sorgt ein mit 96 Kilohertz taktender A/D-Wandler des Typs PCM 1802 dafür, dass der 174-beinige Haupt-Bordrechner - die Digital-In-Signale überweist ein Interface directement - nichts als Daten kriegt. Sodann transformiert ein Stream-Prozessor die Bitworte in eine fließende Kette mit mehr oder minder breiten Impulsen, in eine Pulsweitenmodulation, und treibt diese zu zwei in ICs vergossenen Schalt-Endverstärkern und dann zu Spulenfiltern im Ausgang.

Die Pegelregelung erledigt der TA FA 1200 ES, indem er die Leistungs-Versorgungsspannung anhebt oder absenkt, was kräftige Regelstufen erfordert. Erst bei kleinen Lautstärken setzt dann eine zusätzliche digitale Regelung ein, die wiederum erst, wenn's sehr, sehr leise wird - wenn's also keine Rolle mehr spielt - wichtigere Bits unterschlägt und an der Auflösung zu knabbern beginnt.

Der Sony-Verstärker bewies vor seinem Hörtest erst mal Geschmack. Die automatische Raumeinmessung führte nicht etwa zu den häufigen Fehleinstellungen, sondern zu etwas mehr Fülle im Bass und zu zarteren Höhen. Es war vor allem der an sich schon recht ordentliche Phonoklang und auch der Downmix beim Anschluss von Video-DVD-Spielern, die von der Automatik profitierten.

Zurück in der Flat-Position tönte er nicht minder eindrucksvoll. Für die Preisklasse fantastisch, wie die Posaunen zu Anfang von "Mozart Revisited" ("stereoplay Masterpieces 2", Titel-CD 10/06) strahlten. Toll, wie treibend und federnd die Rhythmusgruppe der Big Band ihre Arbeit aufnahm und der pralle Bass zu swingen begann.

Der zum Vergleich herangezogene PM 7200 von Marantz (Test 9/03, 500 Euro, 39 Punkte) wies zwar mit Erfolg auf seine lieblichere Stimmenwiedergabe hin, beschloss dann aber - im Bass wackeliger und in der Höhenzeichnung ungenauer - sich lieber zu trollen. Zeigte sich, dass der Sony bei digitaler Ansteuerung den noch feineren CD-Klang bot, bekam erst Rotels Highlight RA 06 (6/06, 750 Euro, 42 Punkte) den High-Techler mit Mühe in den Griff. Bei "The Sad Machinery Of Spring" von Tin Hat (Hannibal/RTD) ließ der Analog-Amp das Percussions-Metall noch eindringlicher zingern, während ihm der Sony ein klein wenig die Strahlungskraft nahm. Den gelösteren, lebendigen Bässen stellte der straffere, aber auch statischere Rotel die feineren Gitarren-Klänge entgegen, was aber nicht verhinderte, dass der TA FA 1200 ES beachtliche 41 Punkte und somit eine immer noch hervorragende Bewertung bekam.

In der Summe bildeten die Sonys ein perfekt ausgeglichenes Gespann. Wer da nicht mit Stereo leben kann?

Sony TA FA 1200 ES

HerstellerSony
Preis600.00 €
Wertung41.0 Punkte
Testverfahren1.0

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