Testbericht

Vollverstärker T + A PA 1260 R

Beim digital remasterten "Eleanor Rigby" schienen die Streicher über den T + A PA 1260 R (3200 Euro) regelrecht zu "atmen"; beim Vorgänger machten sie einfach nur Töne.

  1. Vollverstärker T + A PA 1260 R
  2. Datenblatt
Vollverstärker T + A PA 1260 R

© Archiv

Vollverstärker T + A PA 1260 R
Vollverstärker T + A PA 1260 R

© Julian Bauer

1) Des Pudels Kern: Die aufwendig abgeschot- tenen OPs auf den Extra-Platinchen sorgen für die klanglichen Höhenflüge. 2) Der Trafo ist kräftiger, und die Siebkonden- satoren wurden auf 50000 Mikrofarad hoch- gerüstet: So ist das Netzteil noch stabiler. 3) Der PA 1260 R ist wegen der geringen Bauhöhe mit einem Lüfter ausge- stattet, der aber nur ganz selten anspringt.

Sein Vorgänger ließ kaum eine Ehrung aus: In den sechs Jahren seiner Amtszeit bekam der smarte PA 1230 R ein dickes Highlight beim Test (5/07) und wurde von den Lesern bei der turnusmäßigen Wahl der Geräte des Jahres mehrfach auf einen der vordersten Plätze berufen.

Doch sechs Jahre sind im HiFi eine ungewöhnlich lange Angebotszeit, und so machte sich T+A-Chefentwickler Lothar Wiemann an die komplette Renovierung des hochdekorierten Flachmanns. Diese allerdings beschränkt sich komplett auf die Schaltung; äußerlich gleicht der neue dem alten bis aufs i-Tüpfelchen - wenn man einmal von der veränderten LED-Farbe (PA 1230 R: rot + grün, PA 1260 R: blau) absieht. Ansonsten beließen es die T+A-Designer bei dem - wirklich gelungenen - Stil der R-Serie aus dem Jahre 2003.

Wohl auch deshalb hat sich an der Ausstattungsliste nichts geändert: Sieben Hochpegel- plus zwei Tapeeingänge und ein Vorstufenausgang reichen für fast alle Gegebenheiten. Nach wie vor äußerst praktisch ist der typische TASI-Eingang, der eigentlich den Kontakt zu anderen T+A-Geräten erleichtern soll, der aber in Verbindung mit einem AV-Receiver den PA 1260 R auch zum zentralen Teil einer Surroundanlage erheben kann  - frei nach dem von stereoplay propagierten "Aus 2 mach 4"-System (siehe Ausgabe 1/09. Die beiden Kanäle des T+A werden dann vom Prozessor des angeschlossenen Receivers mitgesteuert.

Doch wie gesagt, das konnte der Vorgänger auch schon. Und selbst beim Blick unter die Haube kann man kaum Unterschiede erkennen...

Bei genauerem Hinsehen aber doch. Wiemann ersann ein kürzeres Platinen-Layout und stellte kurzerhand alle Bauteile auf den Prüfstand: Genügen sie noch neuesten T+A-Anforderungen? Der Trafo zum Beispiel nicht; ein leistungsfähigerer Typ musste her, der   den PA 1260 R allerdings von der Leistung her nicht deutlich beflügelt: 134 Watt an 4 Ohm maß die TESTfactory beim Vorgänger, 136 beim Neuling. Doch in der Regel bringt ein stärkerer Trafo das bessere Impulsverhalten - einfach, weil er später in die Sättigung kommt. Auch die Operationsverstärker wurden komplett gegen breitbandigere, "schnellere" Typen getauscht und auf Extra-Platinen gesetzt. Jedes dieser Module hat seine eigene Spannungsstabilisierung und wird so vom Rest der Schaltung entkoppelt. "Dieser Schritt", betonte Firmenchef Siegfried Amft beim Redaktionsbesuch," hat total viel gebracht".

Vollverstärker T + A PA 1260 R

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Lothar Wiemann, Chefentwickler bei T+A: "Auf dem Datenblatt sind die neuen Operationsverstärker gar nicht mal besser als die alten. Sie klingen nur sehr viel schneller und offener."

Dem können wir nur zustimmen. Schon nach kurzem Einspielen an den Arbeitsreferenzen Magico V 3 (6/08) und Sonics Allegra (8/05) wurde deutlich, dass dieser T+A klanglich einen Riesenschritt voran gemacht hat. Die Leichtigkeit, mit der er die Hochtongeflechte auf Monty Alexanders "Caribbean Circle" (Chesky) auflöste, die Kraft, die er dem Klavier des Meister gab, provozierte den Kollegen Dalibor Beric zu einem anerkennenden Pfiff: "Hey, das ist ja mal richtig gut."

Aber auch besser als sein hochdekorierter Vorgänger? Um Längen. Die Tonalität der beiden mochte noch ähnlich sein, aber in allem, was Feinauflösung, Offenheit, plastische Abbildung angeht, war der Neue einfach besser, präziser, offener. Gerade das "Caribbean Circle" schien mit dem 1260 viel mehr zu leben; es gab viel mehr Details zu entdecken.

Beim digital remasterten "Eleanor Rigby" (siehe stereoplay 10/09) schienen die Streicher über den 1260 regelrecht zu "atmen"; beim Vorgänger machten sie einfach nur Töne. Sogar im Bassbereich, den der 1230 auf das erste Hinhören mit etwas mehr Substanz füllte, gefiel letztendlich der Neue besser - weil er bei der wuchtigen Trommel im Intro zum "Hotel California", dem endlos oft gehörten Klassiker der Eagles, einfach noch mehr Struktur, Klangfarbe und Punch zeigte. Gegen diesen eleganten und agilen Auftritt des PA 1260 R, man muss es so hart formulieren, wirkte der hochdekorierte Vorgänger fast schon grob.

Vollverstärker T + A PA 1260 R

© Julian Bauer

Äußerlich hat sich der neue Vollverstärker praktisch nicht verändert. Außer: Der neue erlaubt per Plexiglas-Ausschnitt auf dem Deckel nun Einblicke ins Innere und hat blaue LEDs.

Und selbst im Vergleich zur Unsion-Röhre schlug sich der  neue T+A bravorös. Womöglich zeigte der Italiener die schöneren Klangfarben bei Streichinstrumenten oder Stimmen ("Eleanor Rigby"). Vielleicht trifft der warme Ton des S 6 schneller ins Herz des Musikhörers. Und sicher bezaubert auch die großzügige Raumabbildung.

Aber nur, solange die Lautstärke überschaubar bleibt. Und das nur an wirkungsgradstarken Boxen. Für alle, die "normale" Boxen zu Hause haben und es auch gern lauter mögen, ist T+As PA 1260 R derzeit das beste Angebot dieser Preisklasse.

+ Stärken: Traumhaft leichter, dennoch präziser Klang

- Schwächen: Fernbedienung kostet 250, Phono 500 Euro

Meinung

Zuerst einmal war ich enttäuscht: Das soll eine komplette Neuentwicklung sein? Sieht doch 1:1 aus wie der Vorgänger. Doch ich muss zugeben, selten einen derartigen Fortschritt durch reine Bauteile-Erneuerung erlebt zu haben. So wie er klingt, wird dieser PA 1260 R die sechs Jahre Laufzeit des Vorgängers womöglich noch toppen.

T+A PA 1260 R

HerstellerT+A
Preis3200.00 €
Wertung55.0 Punkte
Testverfahren1.0

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