Testbericht

Vollverstärker Unison Unico Primo

Der Unison Unico Primo (1500 Euro) ist ein Verstärker, dem man zunächst unterstellen könnte, dass er sich unzulässig in die Wiedergabe einmischt - was er freilich unter Verweis auf die tadellosen Messwerte energisch bestreiten würde.

  1. Vollverstärker Unison Unico Primo
  2. Datenblatt
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Primo, Sohn des Piccolo

Der Ur-Unico (AUDIO 9/03) und der etwas schwächere Unico P (für "piccolo", AUDIO 5/06) waren sogar so erfolgreich, dass der deutsche Vertrieb einige Zeit zögerte, deren Nachfolger einzuführen, und lieber, solange es ging, die beiden Klassiker anbot. Ein Grund dafür war sicher auch die gestraffte neue Familienstruktur: Unterhalb des mächtigen Unico Secondo (4/09) produzieren die Italiener noch immer zwei Modelle, heben den Einstieg aber mal eben um 50 Prozent an - von 1000 Euro für den Piccolo auf 1500 Euro für den neuen Primo.

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Am Heck lassen sich zwei Lautsprecherpaare anschließen, aber nicht um- oder abschalten.

Dafür ist dieser aber auch enger mit dem "richtigen" Unico verwandt als mit dem Piccolo: Netzteil und Endstufe sind eher wie im Ersteren dimensioniert und sogar noch schöner aufgebaut; vom Letzteren hat der Primo die etwas sparsamere Eingangsstufe, die mit nur einer statt zwei Doppeltrioden bestückt ist. Aus der ECC82 in der alten Schaltung wurde eine mit höherer Verstärkung gesegnete ECC83, was auch im Rest der Schaltung etliche Detailänderungen zur Folge hat. Die Doppeltriode leistet nach wie vor einen guten Teil der Spannungsverstärkung, unterstützt von einem Trupp Hochfrequenz-Feldeffekttransistoren mit individuellen Kühlhüten. Auch am eigentlichen Endstufen-Kühler schwitzen Feldeffektler: zwei Paar MOSFETs, die ein habhafter 380VA-Ringkern und vier purpurrote, bei einem italienischen  Hersteller eigens für Unison angefertigte Elkos unter Strom halten.

Als hätten die Entwickler mit ihrer ausgefuchsten Verstärkerschaltung schon genug zu tun gehabt, hielten sie sich mit sonstigem Hightech wohltuend zurück: Die Eingänge schaltet nach alter Väter Sitte ein mechanischer, via Gestänge betätigter Drehschalter direkt bei den Buchsen, die Lautstärke dosiert das ebenso bewährte wie - zwecks Fernbedienbarkeit - motorbewehrte blaue ALPS-Poti. Phonoeingänge gibt es nur gegen Aufpreis, dann aber, ähnlich wie bei Creek, in Form einer hochwertigen Steckplatine. Ansonsten bietet der Amp, mit Ausnahme sehr edler Verarbeitung, eines Vorstufenausgangs und des originell an der Seite platzierten Netzschalters, nichts weiter Bemerkenswertes.

Locker und lebendig

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Hybrid mal anders: Die Röhre im Unico wirkt schon in der Endstufe mit, stromabwärts folgen Feldeffekt-Halbleiter. Die ECC83-Doppeltriode gehört zu den gebräuchlichsten Röhrentypen und lässt sich, sollte das je nötig sein, problemlos und günstig tauschen.

Wenn da nicht der Klang wäre: Der Primo ist ein Verstärker, dem man zunächst unterstellen könnte, dass er sich unzulässig in die Wiedergabe einmischt - was er freilich unter Verweis auf die tadellosen Messwerte energisch bestreiten würde. Tom Brosseau jedenfalls, der stimmlich zwischen Bob Dylan und dem frühen Lou Reed changierende Songwriter aus North Dakota, wirkte mit seinem 2009er Album "Posthumous Success" noch jugendlicher, witziger und charmanter, wenn er via Unison musizierte. Kein anderer Amp in diesem Testfeld - nicht der Transistor, auch nicht die Röhre - schaffte eine so schöne Balance zwischen Fülle, Punch und klarer, singender Tonhöhendefinition. Der Creek hatte zwar einen noch kräftigeren Tiefbass, doch schien dieser nicht denselben opulenten Tonumfang, dieselbe Wandlungsfähigkeit zu besitzen wie der des Primo. Gekrönt wurde der Klang des Unison durch einen zwar überhaupt nicht hellen, aber doch ungemein lockeren, ausdrucksstarken und dynamisch ungebremsten Hochtonbereich.

Der tonale Grundcharakter des neuen Unison blieb dabei stets eher dunkel und warm, wie wir es von den Unison-Hybriden seit Jahren gewohnt sind. Die Wärme ist hier aber nicht das Produkt gekappter oder sonstwie modifizierter Obertöne, sondern eher eines besonders substanz- und kraftvollen, lebendig pulsierenden Grundtons, der die Musik nicht etwa eindickt, sondern sie dem Hörer mit Wucht gegen Brustkorb, Herz und Seele presst.

Sieht man von seinem nicht ganz so gewaltigen Tiefbass ab, der je nach Hörsituation und angeschlossener Box durchaus auch mal ein Vorteil sein kann, ist eine enge Verwandtschaft des Primo mit dem Unico Secondo nicht zu überhören: Beide opfern etwas Kontrolle zugunsten einer atmenden, raumgreifenden Wiedergabe. Ein solcher Familienklang, die Fähigkeit der Entwickler, ein gewähltes Ideal mit unterschiedlichem Aufwand immer wieder zu erzielen, zeichnet alle guten Verstärkerhersteller aus. Michael Creek bekommt das mit seinem neutralen, etwas nüchterneren Understatement-Klang ebenso zielsicher hin wie Giovanni Sacchetti mit seinen extrovertierteren, körperbetonten Unicos. Bevor man wegen ein paar Punkten oder 100 Euro hin oder her anfängt, Haare zu spalten, sollte man daher erst einmal herausfinden, welchen Klang man grundsätzlich braucht. Die Unterschiede sind größer, als man denkt.

Unison Unico Primo

HerstellerUnison
Preis1500.00 €
Wertung100.0 Punkte
Testverfahren1.0

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