Testbericht

Vollverstärker Unison Unico Secondo

Mit dem Unico Secondo (2100 Euro) bietet Unison einen neuen Hybrid-Verstärker an. Klingt er mehr nach Röhre oder Transistor oder nach etwas ganz anderem?

  1. Vollverstärker Unison Unico Secondo
  2. Datenblatt
Vollverstärker Unison Unico Secondo

© Archiv

Vollverstärker Unison Unico Secondo

Auch wenn Unison noch so schöne Röhrenamps baut, so wissen die Italiener doch, dass es da und dort weniger auf die Spitze getriebenen Feinsinn als einfach Schmackes braucht. Deswegen offerieren sie mit den Hybriden Unico 100 und 200 Schwergewichte, denen stereoplay schwarz auf weiß bestätigte, dass sie vor Kraft kaum laufen können (Tests 11/06 und 11/08, 4000 und 5000 Euro, beide 56 Klangpunkte).

Vollverstärker Unison Unico Secondo

© Julian Bauer

XLR-Signale nimmt der Secondo hochsymmetrisch mit Instrumentations- Verstärker-ICs an. Einen Fixpegel- Eingang für AV-Einbindung besitzt der Italiener nicht.

Die Frontplatte des neuen Secondo für 2100 Euro geriet zwar immer noch stolze 1,5 Zentimeter dick, zum aufwendigen Doppelmono-Aufbau wie bei den Großen hat es nun aber nicht mehr gereicht. Trotzdem ähneln sich die Schaltpläne wiederum stark. Auch der Secondo empfängt Hochpegelankömmlingee wieder jeweils mit einer zweistufigen, mit der Doppeltriode ECC 83 bestückten Röhrenanordnung. Wie gehabt, wird die zweite von Halbleitern unterstützt. Nach der Gegentakt-Um-formung strömen die Signale wie beim 100er und 200er nach dem Motto "wieselflink und doch druckvoll" über eine Horde parallelgeschalteter Hochfrequenztransistoren bereits recht kernigen Treiberkollegen zu.

Es blieb auch bei den Ausgangs-Feldeffekttransistoren, die dank vom Stromkanal isolierter Steuerelektrode eine gewisse Röhrenähnlichkeit besitzen. Wenn im Secondo nur noch 8 statt 12 oder 24 dieser Bauteile schwitzen, reicht die Leistung für den Hausgebrauch aber sicherlich gut aus.

Was sich bei den ersten Hörproben des Secondo (zu dem es für 250 Euro ein MM- und MC-taugliches Phono-Einsteckboard gibt), eindrucksvoll bestätigte. Bei Bassknallern, die selbst den wahrhaft nicht schwächlichen SV 234 von Vincent bewogen, die SchutzschaltungsNotbremse zu ziehen, schien sich der Unison erst locker warmzulaufen. Und empfahl sich der in Heft 5/07 getestete Vollverstärker wieder als Freund tiefer Töne, suchte der Italiener mit noch viel mehr Begeisterung dunkelste Abgründe auf.

Vollverstärker Unison Unico Secondo

© Julian Bauer

Zu den beiden kardinalroten Hauptelkos (mit zwei Mal 10 000 Mikrofarad Kapazität) hat Unison jeweils zwei kleinere 4700er parallel geschaltet, die unmittelbar neben den insgesamt acht Endtransistoren stehen.

Um daraus - etwa über ein Paar Vescova von Isophon (8/08) - bestens dreidimensional geformte, sagenhaft substanzielle Druckwellen zu wuchten. Die satt federnden Felle und das Volumen großer Trommeln darzustellen, gelang ihm mit bewunderswerter Meisterschaft.

Untenrum so tapfer, zog sich der Secondo in den oberen Lagen aber eher aus der Affäre. Snaredrum-Wirbel ("Besame Mucho", stereoplay-SACD "Ultimate Tunes") präsentierte er noch mit besonderer Intention. Die Platten des Vibraphons schienen jedoch auf besonders weichem Filz zu liegen. Wenn sie selbst über den in den Höhen bedächtigen Vincent noch leuchteten und funkelten, blieben sie beim Secondo deutlich bedeckter. In entsprechender Weise gab er die Stimme Linda Sharrocks mit übertriebener Milde wieder, wonach sich die Tester unisono einigten, dass der Secondo unterm Strich  nicht mehr Punkte als Vincents SV 234 bekommen kann.

Das schien den Italiener nicht zu bekümmern, er nahm sich statt dessen mit mehr und mehr Inbrunst der ihm auf den Leib zugeschnitteten Platten  an. Zum Beispiel einer CD namens "Battle Of  The DJs".  Was sonst leicht als Lärm empfunden werden könnte, breitete der Secondo als ebenso spannende wie angenehme Vollmassage aus. Junge oder junggebliebene Bassgenießer werden am Secondo also ihre helle Freude haben. Extra für diese Klientel - die anderen sollen Röhren des Hauses nehmen - wird Unisons neuer Hybrid gebaut.

Unison Unico Secondo

HerstellerUnison
Preis2100.00 €
Wertung51.0 Punkte
Testverfahren1.0

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