Testbericht

Vorstufe T+A P 10-2

Die T+A-Vorstufe P 10-2 (7500 Euro) rückt Hochpegelsignalen pro Kanal gleich mit zehn Röhren-Systemen auf den Leib - und verzichtet auf jegliche Korrektur-Gegenkopplungsschleifen. Kann das noch klingen?

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  2. Datenblatt
Vorstufe T+A P 10-2

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Vorstufe T+A P 10-2
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Die T+A-Vorstufe nimmt die Signale mit einer Gegentakt-Anordung, Differenzverstärker genannt, in Empfang. Die Kathoden der beiden Trioden-Röhrensysteme stehen über eine "Stromspiegel"-Schaltung in Verbindung. Sie sorgt dafür, dass die eine Seite der anderen haargenau folgen muss. Im Falle einpoliger Cinch-Ansteuerung wird somit zwangsbalanciert. Der springende Punkt: Der Doppeleingang ermöglicht es, den Minuspol von Masse abzutrennen. Damit werden unter Umständen störende Masse-Ausgleichsströme unterbunden. Messtechniker nennen das Verfahren "Floating Ground".

Die Firma Theorie und Anwendung, kurz T+A, besitzt fraglos hohe technische Kompetenz. Doch wenn die Herforder in einer Broschüre zur P 10-2 für 7500 Euro schreiben, dass eine Vorstufe im Prinzip mit nur einer Röhre auskommen kann, drücken sie sich ausnahmsweise irrtümlich aus. Denn im Prinzip ist der Glimmkolben überflüssig, im Zeitalter reichlich sprudelnder Hochpegelquellen tut's zur Not auch ein Lautstärkepotentiometer.

Doch dann treten eben Sonderwünsche auf. Die beginnen damit, dass der Hörer die Auswahl zwischen einer ganzen Reihe von Quellen treffen will. Dies möglichst über Omron-Relais, die gasdicht gekapselte und kompromisslos schließende Goldkontakte besitzen. Und zwar nicht nur für die heißen, sondern auch für die Masse-Pole, damit sich die Vorstufe von nicht aktiven Lieferanten dezidiert abtrennen kann. Schön, wenn solche Relais für gleich sechs Quellen zur Verfügung stehen. Beruhigend auch, wenn eine Vorstufe über Eingangsbuchsen aus nichtmagnetischem, reinem (vergoldetem) Messing statt aus klirrgefährlichem Compound verfügt - so wie die P 10-2 von T+A.

Solche Ehren lässt diese Edelstufe auch den abschaltbaren Tape-Outs angedeihen. Oder einem Phonoeingang, sobald ein auf Moving-Magnet- oder Moving-Coil-Pickups ausgelegtes 350-Euro-Optionsboard in ihr steckt.

Nun kennen High Ender - weniger bei Plattenspielern als bei sonstwo vernetzten Gerätschaften - noch ein anderes Problem. So fangen sich viele Vorstufen über die Minuspol-Masse-Verquickung Störungen ein. Also brauchte die T+A einen mit Langlebe-Doppeltrioden (ECC 81 LPS) bestückten Eingangs-Differenzverstärker, der die Trennung von Minus und Masse erlaubt.

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Eine Alps-Spezialanfertigung: Vierfach-Poti mit linearer und logarithmischer Schleiferbahn.

Die Gegentakt-Schaltung, die nebenbei die Klirrarmut fördert, arbeitet am stress-ärmsten einer praktisch leistungslos anzusteuernden weiteren Triode zu. An deren Kathode kann ohne Reue - der Musikfreund hört auch mal leise - eine Loudness-Klangregelung stattfinden. Und steht an dieser Stelle genug Dampf zur Verfügung, dass es auch bei der Lautstärke-Dämpfung keine größeren Dynamik-Einschränkungen gibt, mutet T+A den Musiksignalen die Tortur erst nach abermaliger Kathodenfolger-Aufmunterung zu.

Wegen der bei den Cinch-Hochpegel-Ins angewende-ten Floating-Ground-Technik glaubten die Herforder, auf XLR-Eingänge verzichten zu können. Doch Symmetrie-Outs betrachteten sie als Pflichtprogramm. Pro Kanal war also ein ECC-81-Phasensplitter gefragt, der die pegelgeregelten Schwingungen in einen Hü- und einen Hott-Pol aufteilen kann. Möglichst kräftige Ausgangsverstärker sollte die P 10-2 auch haben. Vorsichtshalber nahm T+A für Plus und Minus und Rechts und Links jeweils zwei parallel geschaltete Triodensysteme einer bereits ordentlich strompotenten ECC 99. Damit addiert sich die Anzahl der Doppelröhren völlig logisch auf insgesamt zehn. Hatte da jemand über eine Einzelröhre oder ein Potentiometer spekuliert?

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Die Signale werden nach dem Passieren der Eingangs-Relaisbank (1) von den Eingangsröhren ganz oben rechts und links (2) in Empfang genommen. Hinter doppelten Kathodenfolgern (3) mit Loudness-/Pegelstellung liegen je eine Symmetrierstufe (4) und die Ausgangs-Amps mit je zwei Doppeltrioden (5).

Mit Verneigung begrüßt der High Ender die Glimmkolbenschar der P 10-2 - und mit Respekt notiert er die vier Schutzbecher, die aus dem massiven Fräs-Alu-Acrylglas-Chassis aufragen. Sie enthalten 450 Volt feste Elkos mit 8200 Mikrofarad Kapazität, für Röhrenverhältnisse also eine Art Speichersee. Da unter den runden breiten Kappen nicht etwa normale Netztrafos stecken, sondern je ein Hochfrequenz-Schaltumsetzer für die Hoch- und die Heizspannung, besteht umso mehr Aussicht, dass sich die T+A ein Brummen jeder Art verkneift.

Wird schon gut tun, hofften auch die Tester und verkuppelten die P 10-2 mit der Referenzkette aus Ayre-Player C 5xe und -Monoblöcken MX-R. Doch was war das? Schon der erste Titel, "The Last Snowfall" von Vienna Tengs CD "Inland Territory", wischte die graue HiFi-Theorie weg. Ja, das war lebendiges High End. Das sonst lästige Knistern erschien via T+A tatsächlich wie Schneefall - mit feinen Flocken und Kristallen. Das Eis knirschte, dann trat eine Sängerin aus Fleisch und Blut, mit roten Backen, dampfenden Lippen und heißem Atem näher - ganz so, als wolle sie die hin- und hergerissenen Hörer gleich umarmen.

Donnerwetter, bei der Teng-CD hatte selbst die Referenzvorstufe Thorens TEP 3800 das Nachsehen. Hier kam der P 10-2 ihre Neigung zu warmen Farben, zu Handfestigkeit und Ruhe zupass. Sie ließ es auch gerne krachen - etwa bei den wilden Bassströmen, dem Gitarrenklang-Urwald und den beinharten Trommelschlägen in Dominic Millers "W3" (CD "November"). Solch explosiver Vitalität zeigte die T+A keine Grenzen auf - der Preamp signalisierte vielmehr, dass alles seine nimmersatt-natürliche Ordnung hat.

Hier wie bei anderen CDs gewannen die Thorens und weitere Vorstufengiganten mit noch mehr Verve wieder Oberwasser über die T+A. Was diese nicht kratzen sollte, denn mehr Vorstufe für 7500 Euro gab es noch nie.

T+A P 10.2

HerstellerT+A
Preis7500.00 €
Wertung57.0 Punkte
Testverfahren1.0

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