Testbericht

Vorverstärker Mcintosh C 2300 AC

Wenn eine Vorstufe gut klingt und außergewöhnliche Technik mitbringt, wie der McIntosh C 2300 AC (6900 Euro) zum Beispiel ein per Fernbedienung trimmbares Phonoteil, darf sie sich auch mit Lichterglanz schmücken.

  1. Vorverstärker Mcintosh C 2300 AC
  2. Datenblatt
Vorverstärker Mcintosh C 2300 AC

© Archiv

Vorverstärker Mcintosh C 2300 AC
Vorverstärker Mcintosh C 2300 AC

© Tillmann schreiber

Der Eingangs-Lautstärkestell-IC PG 2311 P stammt von Burr-Brown. Damit er nicht allzu tief abregeln muss und den Rauschabstand gefährdet, wird er von einer Verstärkungs-Abschwächung unterstützt. Mit einem aus acht Einzeltransistoren komponierten Endstüfchen verwöhnt die C 2300 auch Kopfhörer. Im eigentlichen Vorstufenausgang agieren relativ preisgünstige ICs des Typ 5532 als Puffer-Amps.

Bei allen guten Vorahnungen könnte der Highender nach dem ersten Einschalten der neuen McIntosh-Vorstufe C 2300 AC für 6900 Euro erschrecken: Da strahlen aus einem Glasfenster im Gehäusedeckel plötzlich sechs Röhren heraus. Und zwar nicht schön gemütlich, sondern mit einem höchst intensiven Minzgrün, das nach aller Erfahrung sofortiges Ableben der schönen Kolben bedeutet.

Doch gemach, die Heizfäden der auf eine Art Show-Podest gehobenen Doppeltrioden des Typs 12 AX 3 (zu Deutsch ECC 83) glimmen behutsam wie eh und je und genau so wie in der Vorgängerin C 2200 (4/03, 7950 Euro), wo diese Röhren und eine zusätzliche 12 AT 7 (ECC 82, etwas stromstärker als die 83) noch auf der Hauptplatine standen. Die Ingenieure haben offenbar der Gaudi wegen diesmal lichtstarke LEDs in einer Extrabohrung in den Sockeln untergebracht. Geschenkt. Was eher aufstößt: Den letzten Schub für die Ausgänge - einen permanenten sowie zwei schaltbare und das ganze alternativ in Cinch oder XLR-symmetrisch - liefert jetzt statt der 12 AT 7 eine Halbleiter-Anordnung. Das erscheint bei der preisgünstigeren C 2300 insofern akzeptabel, als diese Kreise das Musiksignal nicht verändern, sondern im Falle eines Falles nur genug Strom bereitstellen sollen.

Wenn die Amerikaner an dieser Stelle vielleicht doch etwas sparten, so haben sie an anderer Stelle umso mehr geklotzt. So bauten sie nicht nur ein Phonoteil für die relativ lauten Moving-Magnet-Pickups, sondern nun noch ein zusätzliches, separates für die zarteren Signale von Moving-Coil-Tonabnehmern ein. In beiden Sektionen sorgt je eine Röhrenstufe für Verstärkung und eine weitere für die Entzerrung des Schallplatten-Frequenzgangs. Bei MC helfen zudem vier Fünfergruppen von parallel (Faulkner-Prinzip) und im Gegentakt geschalteten Eingangstransistoren, den Störgrund bei noch ordentlicher Übersteuerungsfestigkeit tiefer in den Keller zu drücken.

Damit nicht genug! Während die genaue Feinanpassung der diversen Systeme bis dato ein unsägliches Gefummel mit Y-Adaptern und in Cinchsteckern eingelöteten Zusatzelementen bedeutete, baute McIntosh eine variable Impedanzanpassung gleich mit ein.

Vorverstärker Mcintosh C 2300 AC Rückseite

© Jan Winckler

Die symmetrischen Eingänge können nicht extra angewählt werden, beim Anschluss von vier Hochpegel-Quellen heißt es also XLR oder Cinch. Bei "SRVR"-Out (viertes Buchsenpaar von links) handelt es sich um den Aufnahmeausgang. Im Remote-Verbund steuert die C 2300 eine Mac-Großanlage.

Die Krönung: Die "Trim"-Drehknöpfe und die entsprechenden Tipper auf der Fernbedienung erlauben nun nicht nur, für jeden Eingang bestimmte Klang- und Pegelstellungen vorzumerken, sondern jetzt kommt bei MM die Anwahl von Kapazitäten und bei MC von Eingangswiderständen dazu. Mithin gelingt das Phono-Tuning erstens bequem und zweitens so feinfühlig wie korrekt auch vom Hörplatz-Sofa aus - bei Bedarf von LP zu LP mit Variationen.

Lass Halbleiter-Helfer schalten und walten: Zwecks eigentlicher Verstärkung strömen aber auch die von feinen Schutzgas-Relais separat angewählten Hochpegel-Stereokanäle alsbald den bekannt musikalischen Doppelröhren zu. Bleibt wie bei der C 2200 das einzige Manko, dass sie die beiden Pole von symmetrischen Ankömmlingen mit unterschiedlicher Eingangsimpedanz empfängt, was die Einstreufestigkeit des Anschlusskabels unterminiert.

Mit Vorzug via Cinch betrieben, marschierte die C 2300 bei der CD-Wiedergabe auf der Linie ihrer Vorgängerin. Wieder hasste sie Nervöses, Krispeliges und schuf stattdessen ein ruhiges, nie überdimensionales Fluidum, das dazu einlädt, sich auf das Wesentliche der Musik zu konzentrieren: auf elegant dahinziehende Basslinien, auf warmes, blühendes Gitarrengeranke, liebliche Frauenstimmen und Pianoläufe, bei denen mehr das fruchtig-rundlich Perlende als das Geblitze überwiegt.

Vorverstärker Mcintosh C 2300 AC Fernbedienung

© Jan Winckler

Als dickes Bonbon kam nun die Phonojustage dazu: Ob bei MC-, MC-High-Output- oder MM-Systemen, stets ließ sich im Handumdrehen der definitiv günstigste Eingangswiderstand oder die optimale Kapazität finden und einstellen. Dann agierte die C 2300 vielleicht nicht so robust im Bass wie bei CD, dafür aber noch bewegter. Dabei legten etwa mit dem Lyra Titan i (6/06) die Höhen an feiner Strahlung zu. Die Mac braucht ihr Licht also wahrlich nicht unter den Scheffel zu stellen.

McIntosh C 2300 AC

HerstellerMcIntosh
Preis6900.00 €
Wertung54.0 Punkte
Testverfahren1.0

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