Smarter Polo

VW Polo Onboard-Navi im Test

Im neuen VW Polo sollen Smartphones während der Fahrt erstmals sicher bedienbar sein - dank Mirrorlink. Wie gut das klappt, klärt unser Infotainment-Praxistest.

VW Polo Aussen

© VW

VW Polo Aussen

Pro

  • gelungene Geräte-Integration und Hardware-Qualität
  • praktischer Annäherungssensor

Contra

  • kaum kompatible Smartphones
  • wenig Hilfestellungen
  • zum Testzeitpunkt nur vier freigegebene Apps
  • keine Navi-App
  • noch viele kleine Fehler

Seit April 2014 ist der neue VW Polo auf unseren Straßen unterwegs, doch nur Insider können ihn von seinem Vorgänger unterscheiden: Die Veränderungen beschränken sich auf neue Lichter und anders geformte Stoßfänger.

Weitaus mehr hat sich hingegen unter der Haube getan - überarbeitete Motoren, ein verstellbares Fahrwerk sowie Assistenzsysteme wie ein Abstands-Tempomat und ein Notbremssystem rücken den Polo in Sachen Ausstattung so nahe an den Golf heran wie noch nie.

Infotainment-Baukasten

Der heimliche Star unter den neuen Ausstattungsoptionen ist das Mirrorlink-kompatible Infotainment-System "Composition Media", das als erstes VW-System aus dem neuen modularen Infotainment-Baukasten stammt.

Abhängig vom Ausstattungspaket des Fahrzeugs kostet das Grundsystem bis zu 940 Euro Aufpreis, weitere 170 Euro werden für die Mirrorlink-Funktion fällig. Und wer noch die Navigation obendrauf haben will, zahlt für das dann "Discover Media" genannte System weitere 505 Euro extra - maximal werden also 1615 Euro fällig.

VW setzt als einer der ersten Hersteller in einem Volumenmodell auf die Mirrorlink-Technologie. Vor etwa zwei Jahren im Nachrüstbereich gestartet, ermöglicht Mirrorlink die Spiegelung des Smartphone-Displays auf den Bordmonitor - inklusive Bedienung via Touchscreen.

Ganz so komfortabel wie eine Bluetooth-Freisprechanlage ist Mirrorlink jedoch nicht: Das Smartphone muss zusätzlich via USB-Kabel mit dem Bordsystem verbunden werden. Die angekündigte drahtlose Schnittstelle wurde bis dato nicht verwirklicht.

VW Polo Navi Innenausstattung

© VW

Klasse: Der Innenraum des neuen Polo sieht so gar nicht nach Kleinwagen aus. Das Infotainment-System ist zudem griffgünstig eingebaut.

Nur zertifizierte Apps

Doch auch nach dem Anschluss des Phones kann man nicht einfach nach Herzenslust auf dem Bordmonitor losdaddeln: Auf den Monitor dürfen nur Apps, die vom Mirrorlink-Konsortium und dem jeweiligen Hersteller für geeignet erachtet wurden - schließlich soll der Fahrer so wenig wie möglich abgelenkt werden. Enttäuschend: Offiziell für den Polo freigegeben wurden bislang gerade einmal vier Apps.

Der zweite Haken an der Sache ist die Endgeräte-Auswahl. Zwar gibt es von Sony, Samsung, LG und Nokia diverse Smartphones (Liste aller Modelle), die prinzipiell Mirrorlink-fähig sind , doch das Polo-System verlangt nach Modellen, die den Mirrorlink-Standard 1.1 unterstützen. Das war zum Testzeitpunkt lediglich ein Mobiltelefon -das Samsung Galaxy S4 mini.

In wenigen Wochen soll nach einem Update auch das HTC One M8 kompatibel sein. Schließt man ein Gerät mit einem älteren Standard an, kann das funktionieren, muss aber nicht. Mit Sonys Xperia Z2 und dem Samsung Galaxy S3 ging es nur teilweise: Beim Losfahren wird "zu Ihrer Sicherheit während der Fahrt" die App ausgeblendet und der Monitor schwarz.

VW Polo Navi Apps

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Die fantastischen Vier: Zum Start des Mirrorlink- Systems sind erst vier Apps freigegeben.

Geräte-Wirrwar

Zu allem Überfluss interpretieren die Smartphone-Hersteller den Standard auch noch unterschiedlich: Für das Samsung Galaxy S3 zum Beispiel muss aus dem Samsung- Store die "Drivelink"-App geladen werden, die sich im Mirrorlink-Modus ständig in den Vordergrund schaltet - auf dem Smartphone wie auch auf dem Bordmonitor.

Das Sony Xperia Z2 wiederum funktioniert ohne Zusatz-App, auch kann man hier auf dem Bordmonitor über Umwege ins ganz normale Android- Menü gelangen. Während der Fahrt jedoch klappt dies bei beiden Geräten wie erwähnt nicht.

VW Polo Navi Fehlermeldung

© VW

Schade: Das Anschließen vieler älterer Phones führt zu einer Fehlermeldung.

Viel Stückwerk

Vorbildlich auch während der Fahrt verhält sich das voll kompatible Samsung Galaxy S4 mini: Nach dem Anschluss erscheint ohne weitere Installation kurz das Mirrorlink- Symbol auf dem Smartphone, das danach von alleine dunkel wird - bei den älteren Geräten blieb das Display an. Auch kann man im Mirrorlink-Modus weiterhin UKW hören, während bei früheren Geräten auch die Audioquelle auf das Smartphone wechselte.

Restlos fehlerfrei gelang die Anbindung jedoch nicht: Zum Teil mussten wir das Kabel ab- und wieder anstecken, damit die Übertragung funktionierte. Auch Fehlermeldungen auf dem Smartphone blockierten die Verbindung und mussten manuell weggeklickt werden - wer schon losgefahren ist, muss hierzu streng genommen nochmals anhalten.

VW Polo Navi Drivelink

© VW

Drivelink: Die Smartphone- eigene App bietet Zugriff auf die Musik, das Telefon und SMS.

Dann jedoch lief Mirrorlink reibungslos: Die zugelassenen Apps "Drivelink" (Zugriff auf Telefon und Musik), "MyGuide" (Umkreissuche), "Shared Audio" (Mediaplayer) und "Trainer" (Öko- Fahrtrainer) erschienen auf dem Display und ließen sich komfortabel bedienen - man merkte dabei gar nicht, dass die App eigentlich auf dem Smartphone lief.

So richtig sinnvoll sind die Apps indes noch nicht: Eine Umkreissuche bietet auch das Navisystem (sofern mitbestellt), Musik kann das Radio auch direkt wiedergeben, ebenso wie die Bluetooth- Freisprechanlage Zugriff aufs Telefonbuch bietet. Immerhin klappt der SMS-Zugriff. In Vorbereitung sind zudem Apps wie "Aupeo" und "Glympse" - auch eine Navigations- App soll kommen.

Dennoch: Angesichts der schwachen Unterstützung der Smartphone-Hersteller, der eingeschränkten App-Auswahl und der neuen Konkurrenz von Apple Carplay und Android Auto, ist es noch ein langer Weg, bis sich Mirrorlink durchsetzt.

VW Polo Navi MyGuide

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Schick: Was geht, zeigt die App My- Guide. Die Leiste unten blendet sich bei Annäherung automatisch ein und aus.

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