Import-Smartphone

Xiaomi Mi Note 2 im Test

Der chinesische Elektronikriese Xiaomi wäre eine Bereicherung für den deutschen Smartphone-Markt, das macht das Edel-Phablet Mi Note 2 eindrucksvoll deutlich. Zwei gewichtige Gründe sprechen allerdings gegen den Kauf per Direktimport.

Xiaomi Mi note 2

© Xiaomi

Der zu den Rändern hin symmetrisch gebogene Korpus aus Glas und Metall ist ein Hingucker, der alle Blicke auf sich zieht. Design und Verarbeitung sind absolute Spitzenklasse.

Pro

  • elegantes Design mit gebogenem Display
  • leistungsstarker Chipsatz mit 4 oder 6 GB RAM
  • Dual-SIM
  • intuitive Benutzeroberfläche mit zahlreichen Extras
  • gute Funkeigenschaften

Contra

  • OLED mit sichtbarem Blaustich bei Schrägperspektive
  • Micro-SD wird nicht unterstützt
  • Kamera kann nicht überzeugen
  • Importmodell, daher Risiken beim Software-Support und der Abwicklung der Gewährleistung

Fazit

connect Testurteil: gut (394 von 500 Punkten)
78,8%

Das 2010 gegründete Start-up Xiaomi erlebte innerhalb weniger Jahre einen phänomenalen Aufstieg zu einem der größten Smartphone-Hersteller der Welt; im Heimatmarkt China stand man eine Zeit lang sogar an der Spitze. In den letzten Monaten hat der Lack allerdings Kratzer bekommen: Das Expansionstempo ließ merklich nach, zudem verließ mit dem 2013 von Google abgeworbenen Hugo Barra ein prominenter Mitarbeiter das Unternehmen. Hinzu kommt, dass die Ausdehnung in neue Märkte oft von Patentstreitigkeiten begleitet wird, was Zweifel am langfristigen Erfolg des Unternehmens aufkommen lässt. Denn im Gegensatz zu einem anderen Global Player aus China, Huawei, verfügt Xiaomi über keinen starken Patent-Unterbau. Das dürfte auch der Grund sein, warum der Hersteller in Deutschland nicht aktiv ist.​

Was schade ist, denn das aktuelle Phablet-Flaggschiff der Chinesen würde hierzulande sicher Freunde finden. Das Mi Note 2 kostet zwischen 450 Euro (4 GB RAM/64 GB ROM) und 550 Euro (6 GB RAM/128 GB ROM) – ein attraktiver Preis für ein Modell, das optisch und technisch deutlich an Samsungs Super-Phablet Galaxy Note 7 erinnert, das die Koreaner wegen Akkuproblemen Ende 2016 vom Markt nehmen mussten. Wer mit dem Xiaomi liebäugelt, sollte aber unbedingt​ darauf achten, dass es sich um die „Global Version“ des Mi Note 2 handelt, ein entsprechender Zusatz sollte in der Produktbeschreibung enthalten sein – denn nur so ist gesichert, dass die in Deutschland relevanten LTE-Bänder (insbesondere Band 20) unterstützt werden und dass eine internationale Software-Version inklusive Google Play Store installiert ist. Allein diese Hürde macht klar, dass der Kauf per Direktimport mit einigen Besonderheiten und Risiken verbunden ist.

Displayrundung à la Samsung 

Die augenfälligste Finesse des Mi Note 2 ist das OLED-Display, das zu den Rändern hin gebogen ist und daher rechts und links praktisch randlos in den Rahmen aus eloxiertem Aluminium übergeht. Eine solche Bauweise kennt man sonst nur von Samsungs Top-Modellen der Galaxy-Serie. Die Rückseite besteht ebenfalls aus Glas und ist symmetrisch gekrümmt, weshalb der Rahmen rechts und links deutlich schmaler ausfällt als oben und unten. Die beidseitige Biegung sorgt dafür, dass das Mi Note 2 außerordentlich gut aussieht und trotz der immensen Größe (der 5,7-Zöller ist 156 Millimeter lang) noch bequem in der Hand liegt. Das viele Glas bringt aber nicht nur Vorteile, denn die uns vorliegende klavierlackschwarze Variante (das Mi Note 2 ist in Graublau und Schwarz erhältlich) war innerhalb kurzer Zeit mit Fingerabdrücken übersät. Ein weiterer Kritikpunkt ist die fehlende IP-Zertifizierung, das Smartphone ist also nicht wasserdicht wie die Flaggschiffe von Apple und Samsung.​​

Xiaomi Mi Note 2

© Xiaomi

Die Kameraoptik steht so minimal aus dem Gehäuse heraus, dass sie kaum auffällt. Auf der Vorderseite überzeugt der Fingerprintsensor mit schnellen Reaktionszeiten.

Das 5,7 Zoll große Display bietet OLED-typisch exzellente Kontraste, ist mit 340 Candela aber nicht besonders leuchtstark. Ein weiterer Qualitätsunterschied im Vergleich mit Samsungs Galaxy-Serie ist der deutlich sichtbare Blaustich, wenn man seitlich auf den Bildschirm schaut. Und während die Koreaner die Ränder nutzen, um Steuerungselemente und App-Verknüpfungen zu platzieren oder Statusmeldungen einzublenden, muss bei Xiaomi der schöne Schein reichen. Es gibt softwareseitig keine besonderen Funktionen, die das gebogene Display in Szene setzen.

Darunter werkelt mit Qualcomms Top-Prozessor Snapdragon 821 ein leistungsstarker Chipsatz, der wahlweise von 4 oder von 6 GB RAM unterstützt wird. Mit diesem Motor ist man auch 2017 noch auf der Überholspur unterwegs, leistungstechnisch wird also Spitzenklasse geboten. Von der Speicherausstattung lässt sich das nicht behaupten: Zwar ist mit 64 oder 128 GB ordentlich Platz vorhanden, es fehlt aber die Möglichkeit, mit Micro-SD-Karten aufzurüsten.

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