Wireless Aktivbox

Yamaha NX-N500 im Test

Die Yamaha NX-500 nimmt Musik aus den verschiedensten Quellen an - drahtlos, aber auch über optische Eingänge. Wie klingt das Aktivboxen-Pärchen im Test?

Yamaha NX-N500

© Yamaha

Yamaha NX-N500

Pro

  • platzsparend
  • flexibel
  • breitbandiger Klang
  • satte Bässe

Contra

  • zu deutliche Mittenbetonung im Frequenzgang

Fazit

stereoplay Testurteil: 63 Punkte; Klang: Spitzenklasse (47 Punkte); Preis/Leistung: gut - sehr gut

Yamaha macht mit seiner MusicCast-Reihe rasante Fortschritte. Zwar kamen die Japaner viel später mit ihren Streaming-Lösungen auf den Markt als Platzhirsch Sonos. Doch sie begrenzen ihr äußerst leistungsfähiges System nicht auf ein paar spezielle Streaming-Produkte, sondern bieten ein Ökosystem, das sogar ihre aktuellen Receiver und Soundbars, ja sogar automatische Klaviere einbezieht. Und sie nutzen ihre HiFi-Kompetenz.

Anders als die Einbox-Lösungen von Sonos, die man auch zu Stereopaaren koppeln kann, kommt die NX-N500 von vornherein als Paar, das ausschließlich füreinander bestimmt ist. Das zeigt sich schon beim Aufstellen.

Zwar sind die beiden Lautsprecher weitgehend gleich, doch die linke Box ist frei nach Orwells "Animal Farm" "etwas gleicher als die andere". Sie fungiert als Master, nimmt den Audio-Datenstrom über LAN oder WLAN entgegen, wandelt ihn in ein Analogsignal und leitet ihn über ein symmetrisches XLR-Kabel an die rechte Box weiter. Zusätzlich ist eine LAN-Verbindung zwischen beiden Lautsprechern nötig, um die synchrone Steuerung zu gewährleisten. Die Kabel sind im Lieferumfang enthalten.

Die linke Box kontaktiert auch Quellen jenseits des Netzwerks. Sie stellt für CD-Player und ähnliche Fossilien des Digital-Zeitalters einen optischen S/PDIF-Eingang bereit und besitzt eine USB-B-Buchse, die sie zur externen Soundkarte macht. Dafür greift sie auf einen hochwertigen 32-Bit/384-kHz-D/A-Wandler ESS ES9010K2M zurück, der natives DSD 5,6 MHz unterstützt. Ein professioneller ASIO-Treiber sorgt für niedrige Latenz und hohe Datenraten.

Yamaha NX-N500 Rückseite

© Yamaha

Der linke Lautsprecher funktioniert als Master. Er verfügt nicht nur über Eingänge für Computer oder CD-Player sowie einen Pegelsteller für die Grundlautstärke des Systems. Er übernimmt mit seinem 32-Bit-/384-kHz-DAC auch die Digital- Analog-Wandlung. Das Analogsignal liefert er via XLR verlustfrei an den rechten Slave.

Über das Netzwerk lassen sich Daten mit einer maximalen Auflösung von 24 Bit/192 kHz nutzen. Das ist deutlich mehr, als mit Sonos möglich ist: Bei Sonos ist das System auf 16 Bit/48 kHz limitiert. Das ist aber längst nicht alles. Neben Bluetooth haben die Entwickler auch AirPlay für drahtloses Audio-Streaming von iDevices integriert. Zur beispiellosen Konnektivität gehört noch ein Bluetooth-Sender, mit dem sich die Musik von der Box auf einen Funkkopfhörer übertragen lässt.

Außerdem gehört eine kleine Fernbedienung zur Serienausstattung für alle, die nicht ständig mit dem Handy herumhantieren möchten. Aber natürlich gibt es auch eine passende App, die überwiegend sehr gut verständlich ist.

Fast wie im Studio

Mit ihren weißen Membranen für die Tief-Mitteltöner wecken die Zwei-Wege-Boxen Erinnerungen an die Studiomonitore der Marke, mit denen Toningenieure ihre Produktionen vor der Veröffentlichung auf Kompatibilität mit Radios und anderen Kleingeräten überprüfen. Die Membran besteht wie bei den High-End-Soavo-Modellen aus New Advanced PMD und hat einen Durchmesser von 13 cm. Sie überlässt die Arbeit oberhalb von 2 kHz einem 3-cm-Kalotten-Hochtöner mit einem Wave-Guide-Vorsatz zur Steigerung der dynamischen Fähigkeiten.

Für das Gehäuse verwendet Yamaha besonders dicke MDF-Platten für höchste Stabilität. Wie bei den High-End-Modellen des Hauses vertrauen die Entwickler auf dreifache Gärung an den Kanten der einzelnen Platten. Dieses nach allen Regeln der Kunst gefertigte Bassreflex-Gehäuse unterscheidet sich zusammen mit dem professionellen Monitor-Look die NX-N500 von den Sonos-Boxen, aber auch von den HEOS-Modellen des direkten japanischen Mitbewerbers Denon, bei denen Kunststoff den Ton angibt.

Yamaha MusicCast App

© Yamaha

Napster, Spotify, Juke! Die NX-N500 unterstützt einige Online-Streaming- Dienste und gewährt via vTuner Zugriff auf die grenzenlose Vielfalt des Webradios. DLNA-Server werden ebenfalls unterstützt. Auch Funktionen wie AirPlay oder Bluetooth lassen sich über die kostenlos im iTunes Store beziehungsweise in Google Play erhältliche App MusicCast Controller abrufen.

Ein Übriges zum professionellen Auftritt steuern die rückseitigen Elektronik-Einschübe aus Metall mit großen Kühlrippen bei. Die Botschaft ist klar: Hier kommt ein amtlicher Aktiv-Lautsprecher für ambitionierte HiFi-Stereophonie-Liebhaber, kein neumodisches Gadget für Digital Natives.

Dabei reicht die Leistung aus für zünftigen Pegel, doch richtig spektakulär wirken die Herstellerangaben angesichts der großzügigen, aus dem Vollen gefrästen Kühlkörper nicht: Dem Bass stehen 45 Watt Sinus zur Verfügung, dem Hochtöner 25 Watt. Trotz der getrennten Verstärkerzweige schafft Yamaha nur Bi-Amping, verwendet aber keine Digital-Weiche. Das hätte aufwendiges Processing im rechten Lautsprecher erforderlich gemacht, während so die digitale Audio-Elektronik in der linken Box gebündelt wurde.

Hörtest

Der Ausrutscher im Frequenzgang wäre sonst noch verwunderlicher gewesen. Klanglich wurde jedoch alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wurde. Die beiden kompakten Zwei-Wege-Boxen brachten selbst freistehend auf Ständern platziert immer noch einen erstaunlich breitbandigen Klang mit vergleichsweise sattem und dabei sehr trockenem Bass. Zwar prägte der Peak in den Mitten das Klangbild dahingehend, dass die Japanerin an die sehr direkten älteren britischen Boxen von Naim oder Linn erinnerte. Und ähnlich wie diese Klassiker konnte die NX-N500 je nach Musik und Pegel auch mal etwas quengelig wirken.

In den Höhen verhielt sich die Yamaha völlig unauffällig. Sie packte weder übertriebenen Strahlglanz obendrauf, noch nahm sie irgendwas weg. Abgesehen davon, dass sie bei ohnehin hellen Stimmen etwas presste, gab es über die Zwei-Wege-Konstruktion nur Positives zu berichten. Sie besaß eine stabile Abbildung und schälte besonders im mittleren Frequenzbereich Details mit größter Akribie aus dem Klangdickicht - eigentlich ganz so, wie man es von einem Monitor erwartet. Mit ihr ließ sich tief in die Musik hineinhören - fast so, als würde man dem Toningenieur im Studio über die Schulter schauen, wenn er an den Reglern der einzelnen Tonspuren dreht.

Das verlieh der Yamaha einen gewissen Werkzeug-Charakter: etwas, das in diesem Bereich bislang sehr rar ist und sie trotz ihres kleinen Patzers klanglich über die eher als Hintergrundbeschallung gedachten Lösungen der Mitbewerber stellt. Ihre Flexibilität erledigt den Rest, denn ihre Grundtugenden bleiben sogar mit Bluetooth erhalten.

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