Virtuelle TK-Anlagen

Cloud-Telefonanlagen im Vergleich

Firmen, die für ihre Mitarbeiter eine Telefonanlage benötigen, können diese längst als Dienst aus der Cloud buchen. Doch wie gut sind Sprachqualität und Kompatibilität zu älteren Techniken wie ISDN und Fax? Und was taugen die zugehörigen Internetanschlüsse? connect und zafaco liefern die Antworten.

Cloud-Telefonie

© Syda Productions / Fotolia.com

Cloud-Telefonie

Virtuelle TK-Anlagen, Cloud-PBX, IP-Centrex – das Kind hat viele Namen. Gemeint sind Nebenstellenanlagen, die nicht mehr als grauer Kasten in den Räumen des Unternehmens stehen, sondern die als Cloud-Dienst angeboten werden. Voraussetzung sind eine Internetleitung mit hoher Kapazität und passende, IP-basierte Endgeräte – wobei sich das Telefon auf Wunsch auch auf einen „Software-Client“ auf PC oder Mac reduzieren kann und viele angebotene Lösungen auch Mobiltelefone als Nebenstellen integrieren können.​

Auf Details und Leistung achten 

Wenn solche Cloud-TK-Anlagen halten, was sie ihren Kunden versprechen, bieten sie viele Vorteile: Sie sind oft günstiger als Leasing und Wartung einer konventionellen Telefonanlage. Wenn sich die Anzahl der Mitarbeiter verändert, lässt sich die Kapazität der TK-Anlage schnell anpassen. Da die Kernfunktionen per Software in Rechenzentren realisiert sind, rüsten die Anbieter immer wieder neue Features nach. Und als IP-basierte Lösung eignen sich Cloud-Telefonanlagen gut dafür, mit anderen modernen Diensten wie Webkonferenzen oder Microsofts „Skype for Business“ zusammenzuarbeiten.​

Doch vor einer Einführung sollten Unternehmen kritisch auf die Details achten: Bleiben auch Teilnehmer an konventionellen Anschlüssen wie ISDN oder Analogleitungen gut erreichbar? Wie steht es um Sprachqualität, Rufaufbauzeiten und Signalverzögerungen? Und bieten die meist mitgelieferten Internetanschlüsse auch genügend Leistung für die parallele Nutzung von Web- und Cloud-Diensten? Wir sind diesen Fragen mit unserem langjährigen Testpartner zafaco in einem vierwöchigen Stresstest auf den Grund gegangen.​

Test-Installation Cloud-Telefonanlagen

© connect

Simulierte Firmenzentrale: Die Test-Installationen wie hier am Standort Düsseldorf führten in vier Wochen über 94.000 Anrufe und rund 88.000 Datenübertragungstests durch.

So testen connect und zafaco

Das Festnetz-Testinstitut zafaco baute vom 14. März bis 10. April 2016 (vier Wochen) über 94.000 Sprachverbindungen auf und nahm zusätzlich rund 88.000 Datenübertragungstests vor. Das Testszenario simulierte eine Firmenzentrale am Standort Düsseldorf und fünf Homeoffices in unterschiedlichen Städten. Getestet wurde bei allen Anbietern mit sieben eingerichteten Teilnehmern. Anbieter mit eigenen Anschlussleitungen stellten diese mit der zugehörigen Hardware zur Verfügung. Für Sipgate und Vio Networks kamen Standard-DSL-16.000-Anschlüsse vom Marktführer Telekom zum Einsatz. Für den Netzanschluss sorgten hier Fritzboxen vom Typ 7390. An jedem im Test berücksichtigten Standort baute je ein Industrie-PC die Verbindungen auf.​

Bei den Messungen wurden verschiedene Szenarien berücksichtigt: Anrufe von der Zentrale in die Homeoffices und zurück, Anrufe von einem Homeoffice zu einem anderen, Anrufe von der Zentrale ins konventionelle ISDN und zurück, sowie Anrufe aus den Homeoffices ins ISDN-Netz und zurück. Dabei fanden die Verbindungen sowohl innerhalb der IP-Netze jedes Kandidaten (On-Net) als auch in das ISDN-Netz der Telekom statt. Zur Ermittlung der Ende-zu-Ende-Sprachqualität wurden Super-Wideband-Sprachproben männlicher und weiblicher Stimmen übertragen. Um eine realistische Beanspruchung der IP-Leitungen zu simulieren, führte das Testsystem zum Teil auch parallele Up- und Downloads großer Dateien durch. Außerdem wurden Multitone-Signale (DTMF) und Faxübertragungen getestet. Auch Aufrufe populärer Webseiten aus der Kategorie „Business“ (zum Beispiel Xing, LinkedIn oder Wiwo.de) sowie Zugriffe auf die Cloud-Dienste Amazon S3, Microsoft OneDrive und Google Drive zählten zum Testumfang.​

Zur Beurteilung der Sprachverständlichkeit hat zafaco den sogenannten POLQA-Wert ermittelt (Perceptual Objective Listening Quality Assessment – wahrgenommene Einschätzung der Sprachqualität). Dabei handelt es sich um ein von der ITU-T standardisiertes Verfahren, das die Qualität einer Sprachübertragung messtechnisch erfasst. Ein POLQA-Wert von 3,5 steht für sehr gute Übertragungsqualität, unterhalb von 3,0 nimmt die Verständlichkeit ab. Außerdem wurden die Rufaufbauzeiten und die Sprachverzögerung ermittelt. Erreichen die Messwerte in diesen Kategorien Größen, die als störend wahrgenommen werden, führt dies zu Punktabzug. Eine detaillierte Dokumentation des Testverfahrens können Interessenten unter www.zafaco.de/uploads/media/kyago_Whitepaper_Multi_Play_Benchmarking_Plattform.pdf​ herunterladen.​

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