Netztest Deutschland

E-Plus

Lange Zeit maßen die Verantwort-lichen von E-Plus dem mobilen Internet nur geringe Bedeutung bei. Wir werden erst investieren, wenn der Bedarf da ist und die Technik preiswert wird, lautete sinngemäß der Tenor. Ist für E-Plus jetzt die Zeit gekommen, von UMTS-Basistechnik Abschied zu nehmen?

Es darf als Paradigmenwechsel gewertet werden, was Thorsten Dirks, der Chef von E-Plus, neulich verlauten ließ: "Die Technologie ist da und die Technologie ist günstig. Die Endgeräte sind da und die Endgeräte sind günstig." Mit diesen Worten läutete der CEO von E-Plus den Einstieg ins Zeitalter des mobilen Internet und damit in den HSPA-Ausbau ein. Das bekräftigte er mit dem Satz: "Wir wollen 2012 das beste Datennetz in Deutschland haben." 550 bis 570 Millionen will E-Plus dafür pro Jahr in den Netzausbau investieren. Und gut informierte Kreise sehen in ZTE aus China einen Partner, der sehr begierig ist, in Europa seine Kompetenz für Mobilfunknetzwerktechnik unter Beweis zu stellen.

Doch 2012 ist noch ein Weilchen hin. Und vor die Datenkür haben die Mobilfunkspezialisten von P3 communications im connect-Netztest das Pflichtprogramm der Sprachtelefonie gestellt. Hier hatte natürlich auch E-Plus unter den deutlich härteren Bedingungen der Mobile-To-Mobile-Messungen zu leiden. Dennoch gelang es E-Plus als einzigem Netzbetreiber sich in der Zuverlässigkeit bei Stadtgesprächen gegenüber 2010 zu verbessern. Damit schließen die Grünen zum rosa Riesen auf, der aber noch etwas bessere Sprachqualität liefert.

Telefonieren

Hier spielt wieder der bei O2 schon ausführlich beschriebene Radio Link Timeout eine Rolle, der auch bei E-Plus die Zuverlässigkeit ein wenig auf Kosten der Klangqualität hochschraubt. Auf Landstraßen und Autobahnen liegt E-Plus bei den Sprachverbindungen sogar auf dem Niveau von Telekom und Vodafone. Damit spielt E-Plus beim Telefonieren praktisch auf Augenhöhe mit Vodafone und Telekom, nur O2 kann sich spürbar distanzieren. Das sah im letzten Jahr noch anders aus.

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© Archiv

Datenübertragungen

Doch die Königsdisziplin im Mobilfunk sind heute Datendienste - und hier hat E-Plus den mit den Investionsplänen angedeuteten Performance-Sprung noch vor sich. Immerhin, die Zuverlässigkeit beim Webseiten-Download liegt auf dem Niveau der übrigen Netzbetreiber. Doch die durchschnittlichen Wartezeiten, bis eine der drei Testseiten geladen ist, bemessen sich zwischen 20 und einigen 100 Prozent länger. Ganz so groß wie der Extremfall beim simulierten Surfen sind die Unterschiede beim E-Mail-Empfang nicht - doch doppelt so lange wie beim langsamsten und knapp viermal so lange wie beim schnellsten Mitstreiter dauert die Übung auch hier.

Noch extremer wird das Verhältnis beim E-Mail-Upload, der über siebenmal so lange dauerte wie bei der untereinander ausgeglichenen Konkurrenz. Zur niedrigen Geschwindigkeit kommen hier noch überdurchschnittlich hohe Fehlerraten dazu. Beim Datei-Download über das HTTP-Protokoll liegen die Fehlerraten wieder etwas niedriger. Die Transferraten sind aber auch hier unterdurchschnittlich, die Mitbewerber sind doppelt bis dreimal so schnell.

Immerhin: Die Auswertung der Messprotokolle, die nebenbei bemerkt etwa 16 GB Daten pro Messtag umfassten, zeigten Peak-Datenraten von 2,5 Mbit/s und damit, wohin bei fortschreitendem Netzausbau die Reise gehen kann. Wäre das zum Testzeitpunkt beste Modem aus dem Programm von E-Plus nicht auf 3,6 Mbit/s Brutto-Datenrate beschränkt gewesen, wären womöglich noch höhere Spitzenwerte drin gewesen. Die schlechten E-Mail-Upload-Resultate bestätigen sich beim FTP-Dateitransfer in Richtung Web. Die neuen Messungen der Breitbandverfügbarkeit können 2010 noch nicht überzeugen, hier muss der Netzausbau weiter voranschreiten.

Fazit

In der Vergangenheit hat E-Plus dem Ausbau der HSPA-Netze bei der Konkurrenz mit dem Hinweis auf mangelnde Nachfrage zugeschaut. Doch mittlerweile haben iPhone und Co. genauso Nachfrage geschaffen wie Net- und Notebooks, die via eingebautem Modem oder Datenstick online gehen.

Es ist möglich, dass diese Änderung im Nutzerverhalten E-Plus nun zum Umdenken bewegt hat. Sollten die Grünen in den nächsten Jahren kontinuierlich über 500 Millionen Euro pro Jahr ins Netz investieren und sollten Thorsten Dirks und seine Mannschaft bei den Verhandlungen mit den Infrastrukturherstellern Geschick zeigen, so könnte sich das Bild ähnlich wandeln wie es sich in den letzten beiden Jahren bei O2 gewandelt hat. 2010 zeigt E-Plus Ansätze des HSDPA-Ausbaus, hat ein ziemlich konkurrenzfähiges Sprachnetz und bis zum Durchbruch noch eine Menge Arbeit vor sich.

connect-Urteil: ausreichend (269 Punkte) 

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