Lautsprecher - Standbox

Gauder Akustik Arcona 80 und Vescova: Tonfrequenz und Fazit

Steilflankige Frequenzweichen

Arcona 80 und Vescova verwenden Weichen mit ungewöhnlich vielen Bauteilen, die für eine besonders steilflankige Eingrenzung der für die Chassis typischen Arbeitsbereiche sorgen. Ein zusätzliches Tiefton-Hochpassfilter entfernt subsonische Störungen aus dem Signal und erspart den zwei Tiefmitteltönern unnötige Membranauslenkungen, die nicht zum Klang beitragen, wohl aber die Schwingsysteme belasten.

Der Mitteltonzweig profitiert von einer äußerst wirksamen Ausblendung von störenden Resonanzen, die bei harten Membranwerkstoffen gerne außerhalb der angestrebten Arbeitsbereiche auftreten. Frequenzweichen mit geringen Steilheiten sind hierfür nicht geeignet. Bei steifen Membranen aus Aluminium oder mehr noch Keramik sind hohe Flankensteilheiten klangentscheidend, weil diese Werkstoffe bei Zufuhr unpassender Frequenzen zu unfeinen Resonanzen neigen.

Gauder

© Gauder

Rund 30 Bauteile auf drei Platinen stecken im Bauch der Arcona 80. Die Weiche der Vescova (nicht im Bild) ist noch etwas wuchtiger.

Durch die höheren Steilheiten schrumpfen die Überlappungszonen zwischen benachbarten Zweigen, was die räumliche Abbildung fördert. Weil Chassis, Gehäuse und Weichenbauteile in vielfältiger Weise interagieren, lassen sich ohne Berücksichtigung der Wechselwirkungen selten Steilheiten oberhalb von 18 Dezibel pro Oktave erzielen. Das Simulationsverfahren von Dr. Gauder verspricht ungleich höhere Werte.

Tatsächlich ergab die Überprüfung im AUDIOMesslabor bis zu 90 Dezibel pro Oktave. So ultrasauber filtern sonst nur hochgezüchtete Aktivboxen mit digitalen Frequenzweichen.

Vescova mit Diamant-Hochtöner

Eine wichtige Rolle beim Klangverhalten von Lautsprechern spielen die Membranen, die die Zuckungen der treibenden Schwingspule idealerweise völlig verlustfrei in Schallwellen verwandeln würden, unabhängig von Pegel und Tonhöhe. Das theoretische Ideal wäre ein starrer Kolben.

Tatsächlich existiert für Bässe und Mitten kein Werkstoff mit einem völlig fehlerfreien Schwingverhalten. Viele Membranen zeigen bei komplexen Signalen wilde Verbiegungen und deutliche Aufbrucherscheinungen.

Betont harte Werkstoffe wie Aluminium oder mehr noch Keramik kommen dem Ideal über weite Frequenzbereiche deutlich näher als ihre weicheren Verwandten auf der Basis von Kunststoff oder Papier. Die Frage, ob steifere Membranen letztlich besser klingen, lässt sich am Beispiel der Gauder-Boxen recht zuverlässig beantworten, zumal sich beide bei Rundstrahlverhalten und Frequenzgang kaum unterscheiden.

Gauder, Vescova

© Gauder

Im Gegensatz zur Keramikversion ist die Membran bei der Diamantkalotte nahezu schwarz.

Die Vescova ist der Arcona bei Feindynamik und Spielfreude so deutlich überlegen, dass man ihr stets den Vorzug gibt, zumal die höhere Spielfreude nicht mit anderen Nachteilen erkauft wird. Gewiss spielen auch die unterschiedlichen Gehäuse eine Rolle, doch der Löwenanteil der Überlegenheit geht sicher auf das Konto der höherwertigen Treiber.

Ob nochmal härtere Membranen einen weiteren Klanggewinn bringen, lässt sich leicht überprüfen, indem man die Keramikkalotte durch die fast gleich aussehende Diamantversion ersetzt. Deren etwa 5 Millimeter kleinere Membran markiert in Sachen Steifigkeit die Spitze des technisch Machbaren. Die Bandbreite reicht wegen der geringeren bewegten Masse bis über 60 Kilohertz. Auf Achse gemessen liefert der leider sehr teure Diamant etwas weniger Pegel, dafür erfolgt die Abstrahlung wegen der kleineren Membranfläche etwas breiter.

Der Unterschied ist subtiler als der zwischen Arcona und Vescova, doch auch hier ist die Sache eindeutig. Einmal für ein paar Minuten gehört, mag man den Diamant gar nicht mehr hergeben. Der technisch so harte "Edelstein" wirkt klanglich total sanft und unaufgeregt. Für High-Ender ist das die Erfüllung.

Fazit

Die zwei Gauder-Boxen bestätigen einmal mehr die Erfahrung, dass Eckdaten wie Gehäusevolumen, Membranfläche oder die Zahl der Treiber keine seriöse Vorhersage der Klangqualität zulassen. Arcona 80 und Vescova arbeiten mit der gleichen Filtertechnologie, sind sehr ähnlich geformt und zeigen bei Frequenzgang wie auch beim Rundstrahlverhalten Parallelen.

Dennoch kann sich die Vescova klanglich so deutlich absetzen, dass man die zuvor als auffallend harmonisch empfundene Arcona gar nicht mehr hören mag. Wenn Sie mich fragen: Der Unterschied rührt zum größten Teil von den Keramiktreibern, die Feinheiten deutlich exakter verarbeiten. Der Diamant-Hochtöner ist da nur die logische Fortsetzung.

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