Lautsprecher - Standbox

Gauder Akustik Arcona 80 und Vescova im Vergleichstest

Arcona 80 und Vescova aus dem Hause Gauder Akustik tragen die gleiche Handschrift, doch letztere ist wesentlich aufwendiger bestückt, besonders in der Nobelversion mit Diamanthochtöner. Die Klangunterschiede sind ebenso faszinierend wie deutlich. Wir haben die Standboxen im Vergleichstest.

Gauder, Arcona 80 und Vescova

© Gauder Akustik

Gauder, Arcona 80 und Vescova

Für gewöhnlich verfügen kostspieligere Lautsprecher über mehr Membranfläche und größere Gehäuse als preiswertere Modelle. Doch es gibt immer häufiger Schallwandler mit ähnlich dimensionierter Hülle, aber deutlich verschiedenem Innenleben. Zwei sehr ausgefeilte Beispiele dieser volumenneutralen Art der Differenzierung liefert die schwäbische Boxenmanufaktur Gauder Akustik, die noch bis Ende 2012 unter dem Label Isophon firmierte.

Pro

  • gefälliger Klangcharakter mit unaufdringlicher Dynamik und sattem Fundament bei sehr genauer Abbildung

Contra

  • Bass etwas moppelig

Arcona 80 und Vescova unterscheiden sich bei Abmessungen und Membranfläche nur minimal, liegen aber preislich deutlich auseinander. Mit 4000 Euro schlägt das Pärchen Arcona 80 in der Basisausführung in Kirschfurnier zu Buche. Für die Vescova will der Händler glatt das Doppelte haben, wobei für die noblere Box deutlich mehr Farben zur Wahl stehen. Klavierlack in schwarz oder weiß wie bei den Testmustern verursacht in beiden Fällen zusätzliche Kosten.

Gleiches gilt für die spikebewehrten Metalltraversen zur Verbreiterung der Standfläche, die an beide Modelle passen und mit 400 Euro für den Vierersatz zu vergüten sind. Gewöhnliche Spikes zum Eindrehen in die Bodenplatte werden aufpreisfrei geliefert.

Die Vescova besitzt eine dreistufige Bassanpassung, auf die Arcona-Käufer verzichten müssen. Darüber hinaus gestattet das Nobelmodell die Wahl zwischen zwei Hochtönern mit Membranen aus Keramik oder künstlichem Diamant. Letzterer verteuert die Anschaffung um weitere 5200 Euro, so dass die vornehmste Vescova-Variante deutlich fünfstellig kostet. Die Aufrüstung auf den Diamant kann auch noch Jahre nach dem Boxenkauf erfolgen, denn Änderungen an Gehäuse oder Frequenzweiche sind beim Wechsel der Treiber nicht erforderlich.

Pro

  • Auffallend detailreicher und temperamentvoller Klang ohne Anstrengung, sehr raumgenau, kräftiger und präziser Bass

Contra

  • -

Mehr über die Hochtöner lesen Sie im Textkasten. Treiber und Gehäuse sind bei den beiden Gauder-Geschwistern sehr viel unterschiedlicher als es der äußere Schein vermuten lässt. Dennoch existiert eine Reihe von Gemeinsamkeiten, auf die wir uns als erstes stürzen.

Firmengründer Dr. Roland Gauder ist Entwickler mit Leib und Seele; er jongliert mit mathematischen Formeln als wären es Schachfiguren. Gleichungssysteme mit zahlreichen Unbekannten, für viele Menschen ein Buch mit sieben Siegeln, gehören für den promovierten Physiker zum Tagesgeschäft.

Der Meister überträgt die Eigenschaften von Chassis, Weichenbauteilen und Gehäusen in eine virtuelle elektrische Ebene und lässt seine Rechner solange die Werte verschieben, bis das Zusammenspiel aller Komponenten die gewünschte Perfektion zeigt.

Der Ansatz führt zu bauteileintensiven Frequenzweichen mit rasiermesserscharfen Filterflanken und reduziert die Überlappungszonen bei Trennfrequenzen auf ein kaum für möglich gehaltenes Minimum. Die Chassis verarbeiten so nur Frequenzen, für die sie aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften perfekt geeignet sind. Die Weichen sind mit jeweils rund 30 Bauteilen bestückt, die aus Gründen der Stabilität auf drei Platinen verteilt sind. Mehr zu Gauders spezieller Filtertechnik im Kasten unten auf dieser Seite.

Pro

  • Die Diamant-Version klingt weniger nach Lautsprecher, liefert mehr Informationen und wirkt dabei völlig entspannt

Contra

  • -

Beide Standboxen sind mit drei Chassis bestückt, die höchst unterschiedlich angesteuert und bedämpft werden. Die Hochtöner, so unterschiedlich sie sein mögen, sind alle an ein kleines, rückseitiges Volumen gekoppelt. Da die Kammern nach hinten geschlossen sind, bekommen die empfindlichen Membranen vom akustischen Treiben im Boxengehäuse nichts mit. 

Die Konustreiber, die für mittlere und tiefe Frequenzen zuständig sind, sind auf deutlich größere Volumina angewiesen. Ihre Körbe sind daher rückseitig offen, so dass die Schwingsyteme das eingeschlossene Luftvolumen wie ein Federkissen zur Dämpfung benutzen können.

Der obere Treiber (siehe Schnittzeichnung), der als Tief- wie auch als Mitteltöner dient, sieht hinter sich eine geschlossene, zusätzlich mit weichem Dämmmaterial befüllte Kammer. Reflexionen aus dem Gehäuse haben so keine Chance, die für die Wiedergabe der menschlichen Stimme entscheidenden Frequenzbereiche zu trüben.

Der zweite, tiefer montierte Treiber verarbeitet bei Arcona und Vescova lediglich Bässe unter 120 Hertz. Ihm steht eine anteilig deutlich größere Kammer zur Verfügung, die bis zur Bodenplatte reicht. Das größere Volumen fördert die Tiefbassfähigkeiten und gestattet den Einbau eines großvolumigen Bassreflextunnels, der zwischen 30 und 70 Hertz zusätzlichen Schub generiert.

Gauder Arcona

© Gauder

Die Vescova ist im Inneren sehr ähnlich aufgeteilt.

Aus elektrischer Sicht verfügen beide Boxen über zweieinhalb Wege. Mechanisch sind es drei, denn die unterschiedlichen Teilvolumina führen zu divergierenden Frequenzgangkurven im Bass, die allerdings nur im Nahfeld bei Messungen wenige Zentimeter vor den Membranen nachweisbar sind. Der Hörer bekommt von den ganzen Klimmzügen nichts mit. Er soll die Leichtigkeit von Kompaktboxen genießen, gepaart mit einer Basskraft, wie sie nunmal nur großen Systemen gelingt.

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