Vergleichstest

Video-Streaming: DSL und Kabel-Anbieter im Vergleich

Video aus dem Internet per HD-Streaming stellt hohe Anforderungen an die Netze. Wie kommen DSL, Kabel und Co damit zurecht? Wir haben mit 350.000 Einzelmessungen den deutschen Festnetz-Anbietern auf den Zahn gefühlt.

Web-TV

© Telekom

Web-TV

Wie gut transportieren die DSL- und Kabelnetze Videostreams in High Definition (HD) und Standard Definition (SD)? Bei Web-TV-Anwendungen kommt neben der Transportgeschwindigkeit und Fehlerfreiheit im Netz des Anschlussbetreibers auch die Leistungsfähigkeit des Servers, also des Anbieters der jeweiligen Videostreams, zum Tragen.

Um für alle Kandidaten gleiche Bedingungen zu garantieren, wählten wir besonders leistungsstarke Angebote aus: Die "Tagesschau in 100 Sekunden" der ARD und den von Google betriebenen Videodienst Youtube.

Diese Angebote werden nicht von einem einzigen Videoserver ausgestrahlt, sondern nutzen ein regional verteiltes Netz lokaler "Streaming-Proxys"  von namhaften Dienstleistern wie zum Beispiel Akamai. Zudem wurden die Testaufrufe für alle Kandidaten jeweils zur selben Zeit und mit demselben Videoinhalt durchgeführt. Durchgeführt haben wir die Test zusammen mit der zafaco GmbH aus Ismaning, mit der connect auch beim jährlichen Festnetztest zusammen arbeitet.

Klare Unterschiede im Test

Die Ergebnisse und vor allem die Unterschiede zwischen den einzelnen Netzbetreibern sind deutlich. Dabei kann sich in der Gesamtwertung der Kabelnetzbetreiber Kabel BW auf den ersten Platz setzen, dicht gefolgt von Telefonica (O2) und der Deutschen Telekom.

Doch auch das Verfolgerfeld (Kabel Deutschland, Vodafone und 1&1) glänzt mit guten Gesamtergebnissen. Auffällig ist, dass die Unitymedia, die Kabel BW gekauft hat und mit Hochdruck dabei ist, beide Netze zusammenzulegen, an ihren eigenen Anschlüssen signifikant schlechter abschneidet als das auf dem ersten Platz rangierende baden-württembergische  Schwesternetz.

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Im Mittelfeld platzieren sich die City-Carrier M-Net und EWE. Eher auf den hinteren Rängen in der Gesamtwertung landen einige Stadtnetzanbieter wie Net Cologne und Kielnet sowie ausgewiesene Billiganbieter wie Versatel, Congstar und Tele 2. Die ausführlichen Testergebnisse finden Sie in der connect-Ausgabe 4/2014 (ab 7. Februar 2014 am Kiosk).

HD-Videos sind kritischer

HD-Videostreams belasten die Netze mit ihrer größeren Datenmenge insgesamt stärker. Dabei fällt allerdings auf, dass sich vor allem bei günstigen Anbietern die Einbrüche bei Videoqualität und Reaktionszeiten deutlicher bemerkbar machen als bei den renommierten und teureren Netzen.

Detaillierte Tracings (Paketverfolgungen) durch zafaco haben ergeben, dass in solchen Fällen die Datenpakete häufig auf Umwegen übers Ausland reisten. Solche Routings sind für den Anbieter billiger, rächen sich bei zeitkritischen Übertragungen jedoch durch längere Laufzeiten und höhere Fehlerraten.

Streaming-Test Internet-Anbieter

© connect

Tagesschau in HD: Vor allem Tele 2 fällt mit häufigen Freezes auf. Am 26.12.2013 ruckelt's bei allen Anbietern - da gab es wohl ein Serverproblem bei der ARD.

Bei den anspruchsvollen und kritischen HD-Videos wird dies besonders deutlich, wenn etwa beim Streaming der "Tagesschau in 100 Sekunden" in High Definition (960 x 544 Punkte) übers Tele-2-Netz in über 75 Prozent der Testübertragungen das Bild länger als eine halbe Sekunde stockte.

Auch Kielnet (61,7 Prozent stockende Tagesschau-HD-Streams), Congstar (59,0 Prozent) und Versatel (54,2 Prozent) zeigen ähnlich schlechte Resultate. Zum Vergleich: Bei Testsieger Kabel BW hingen nur 5,3 Prozent der untersuchten Tagesschau-HDStreams, bei der Deutschen Telekom waren es gar nur 3,7 Prozent.

Bei Tele 2 führten hingegen 3,7 Prozent der getesteten Videostreams der "Tagesschau in 100 Sekunden" in HD zu einem Abbruch oder Timeout, bei Kielnet waren es sogar 4,1 Prozent und bei Net Cologne 2,9 Prozent. Zum Vergleich: In der Spitzengruppe lag die Fehlerrate um oder unter 1 Prozent. 

Auch die Messungen mit HD-Videos aus Youtube liefern vergleichbare Ergebnisse. Videostreams in SD-Qualität sind insgesamt unproblematischer, was sich insbesondere in einer geringeren Anzahl eingefrorener Bilder niederschlägt.

Mit dem grundsätzlichen Transport der Datenströme hatte keiner der getesteten Anbieter größere Schwierigkeiten - was bei DSL- oder Kabel-Anschlüssen mit Datenraten zwischen 6 und 100 Mbit/s und einer typischen Video-Übertragungsrate um 2 Mbit/s allerdings auch nicht anders zu erwarten war.

Demnach fällt auch die ermittelte Videoqualität der Tagesschau-HD-Streams mit Resultaten zwischen 99 und 100 Prozent sehr gut aus. Ähnliches gilt für die Digital-Filmchen von Youtube, wobei sich Videoclips in SD-Qualität auch hier insgesamt weniger kritisch präsentierten als ihre HD-Pendants.

Streaming-Test Internet-Anbieter

© connect

Wie schnell reagiert die Tagesschau? Die Reaktionszeiten von "Tagesschau in 100 Sekunden" über 24 Stunden sind je nach Netz und Tageszeit unterschiedlich.

Schneller nicht immer besser Interessant ist allerdings, wie lange die einzelnen Anbieter für die Übertragung des Videostreams tatsächlich brauchen. Die Unterschiede bei diesen Messwerten können Interessenten in der Ergebnistabelle beim Wert "Web-TV-Performance-Index" nachlesen: Der Prozentwert gibt an, wie schnell die angeforderte Datenmenge faktisch geliefert wurde.

Wird die 100-Sekunden-Tagesschau in 100 Sekunden übertragen, entspräche dies einem Wert von 100 Prozent. War der Transfer bereits nach 80 Sekunden erledigt, hat zafaco hier 80 Prozent erfasst. Dieser Wert ist jedoch etwas zweischneidig: Zwar sind niedrige Prozentwerte ein Indikator für hohe Übertragungsbandbreiten.

Doch würde ein Netz den Videodatenstrom (den die Video-Playersoftware auf Empfängerseite dann lokal puffert) in extrem kurzer Zeit übertragen, ergäbe sich daraus gerade im Angesicht der laufenden Diskussion um Volumenbeschränkungen ein anderes Problem:

Denn entscheidet sich der Zuschauer während eines Web-TV-Streams zum Abbruch des bereits gestarteten Videos, hätte die High-Speed-Lieferung sein Datenkontingent bis zu diesem Zeitpunkt schon unnötig hoch belastet.

Die folgende Tabelle zeigt die Testergebnisse im Detail:

Download: Testergebnisse: Streaming-Test

Am 26.12. ruckelt's bei allen

Auffälligkeiten gab es darüber hinaus bei Betrachtung der verschiedenen Messwerte im Tagesverlauf. So stiegen bei manchen Anbietern - vor allem bei 1&1 - die Freezes innerhalb von HD-Videostreams in den Abendstunden deutlich an. Ein Indiz dafür, dass die dann volleren Netze durch die anspruchsvollen High-Definition-Videos an Kapazitätsgrenzen stoßen.

Alle Testkandidaten gleichermaßen betroffen waren von auffällig ruckeligen Tagesschau-HD-Bildern am zweiten Weihnachtstag - der Testzeitraum lag zwischen dem 16. Dezember 2013 und dem 12. Januar 2014. Die am 26. Dezember bei allen Testteilnehmern sprunghaft ansteigende Ruckelrate lässt auf ein Problem des von der ARD betriebenen Tagesschau- Servers an diesem Tag schließen.

So haben wir getestet

Beim vorliegenden Test der Fernseh- und Videoqualität über Festnetz-Breitbandanschlüsse arbeitete connect wieder mit seinem bewährten Partner für Festnetz-Qualitätsmessungen zusammen, der zafaco GmbH aus Ismaning.

An insgesamt 26 Standorten wie etwa München, Stuttgart, Nürnberg, Frankfurt oder Berlin wurde die Web-TV- und IPTV-Performance an Testanschlüssen der einzelnen Provider überprüft - wobei nicht an jedem Standort jeder Anbieter verfügbar war.

 Im Testzeitraum zwischen dem 16. Dezember 2013 und dem 12. Januar 2014 untersuchte und bewertete zafaco fast 350.000 einzelne IPTV- und Web-TV-Aufrufe sowie parallele Sprach- und Datenverbindungen.

Interessant waren dabei nicht zuletzt die Weihnachtstage und die Tage bis etwa zum 6. Januar, an denen ein erhöhtes Abrufvolumen von Videoangeboten unterstellt werden kann. Automatisiert hat zafaco dabei rund um die Uhr Testaufrufe der Web-TV-Angebote "Tagesschau in 100 Sekunden" und Clips von Youtube initialisiert.

Streaming-Test Internet-Anbieter

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Wie schnell reagiert die Tagesschau? Die Reaktionszeiten von "Tagesschau in 100 Sekunden" über 24 Stunden sind je nach Netz und Tageszeit unterschiedlich.

Bei den Bewertungen in der Kategorie Web TV wurde die Ende-zu-Ende-Servicequalität am Beispiel der beiden bekannten Videoportale Youtube und "Tagesschau in 100 Sekunden" ermittelt.

Dabei riefen die Testsysteme Videoclips beziehungsweise Streaming-Inhalte sowohl in SD- (Standard Defintion, Tagesschau: 512 x 288 Pixel, Youtube: 640 x 360 Pixel) als auch in HD-Qualität auf (High Definition, Tagesschau: 960 x 544 Pixel, Youtube: 1280 x 720 Pixel). Die Datenmenge der HD-Videoclips war natürlich deutlich höher und belastete damit die Verbindung stärker als die Pendants in SD-Auflösung.

Der sogenannte Web-TV-Performance-Index gibt an, wie viel schneller das Video im Vergleich zu seiner Spielzeit geladen wurde. 100% bedeuten, dass ein 100-Sekunden-Video auch 100 Sekunden lang lädt. 30% bedeuten, dass das 100-Sekunden-Video bereits nach 30 Sekunden vollständig im Pufferspeicher der Player-Software steht.

Fazit: Kabel BW souverän auf Platz 1

Das schon im letzten connect-Festnetztest als leistungsstark bewertete Netz von Kabel BW setzt sich diesmal souverän auf den ersten Platz. Überraschend und erfreulich der Zweitplatzierte: Telefonica/O2 lag im letzten Festnetztest noch ziemlich weit hinten.

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Dort lässt sich insgesamt feststellen, dass besonders günstige Angebote auch zu deutlichen Einschränkungen bei den kritischen HD-Videostreams führen. Da zeigt dann jeder Ruckler, wo die Anbieter sparen.

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