Smartphone-Test

Honor 7 vs. Huawei Mate S

Mit dem Honor 7 macht Huawei sich selbst Konkurrenz: Das Smartphone bietet beinahe genauso viel wie das Flaggschiff Mate S, ist aber 300 Euro günstiger. Ist das Harakiri oder clevere Produktpolitik? Der connect-Test liefert Antworten.

Honor 7 und Mate S

© Hersteller

Honor 7 und Mate S von Huawei

Wer das Huawei Mate S und das (ebenfalls von Huawei stammende) Honor 7 im Internet vergleicht, wird schnell stutzig, denn die Produktfotos und die technische Ausstattung suggerieren, das es sich um Zwillinge handelt. Erst wenn man sie in der Hand hält, werden die Unterschiede deutlich. Tatsächlich sieht das Honor 7 neben dem Huawei Mate S aus wie eine Ente neben einem Schwan: Es ist knapp zwei Millimeter dicker und hat einen breiteren Rahmen um das Display. Kein Wunder also, dass das Huawei kaum größer ist, obwohl sein Display mit 5,5 statt 5,2 Zoll deutlich mehr Fläche bietet. Was ebenfalls sofort ins Auge sticht: Beim Honor 7 ist die Glasfront an den Seiten nicht gerundet, sondern liegt glatt auf, der Übergang zum Rahmen ist härter.

Auch auf der Rückseite markieren die feinen Details den Klassenunterschied: Während das Mate S vollständig in einem Metallgehäuse steckt, in das auf der Rückseite schmale Kunststoffstreifen für die Antenne fugenlos eingelassen sind, schließt der Aluminiumkorpus des Honor 7 oben und unten mit Kunststoffkappen ab, die fühlbar vom Metall abgesetzt sind. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Für ein 350-Euro-Smartphone ist es sehr gut verarbeitet und ein Metallgehäuse findet man in dieser Preisklasse selten, aber Design und Verabeitung können eben nicht mit Premium-Smartphones wie dem Mate S oder Samsungs Galaxy S6 (Test) mithalten.

Honor 7: Smarte Taste

Bei der Ausstattung liegt das Honor 7 dagegen gleichauf, stellenweise hat es sogar mehr zu bieten. Etwa eine Extra-Taste auf der linken Seite, die drei Tipparten unterscheidet: kurzer Druck, Doppeltipp und langer Druck. Was mit welcher Anwendung verknüpft wird, kann der Nutzer selbst festlegen. So schießt beispielsweise ein kurzer Tipper einen Schnappschuss, bei zwei Mal drücken wird die Taschenlampe aktiviert und wenn man länger draufbleibt, ein Screenshot erstellt. Schon nach Kurzem steht zweifelsfrei fest: So eine smarte Taste wünschen wir uns auch für alle anderen Smartphones.

Honor 7 Smart Taste

© Honor

Die Extra-Taste auf der linken Seite kann man mit bis zu drei Funktionen frei belegen.

Honor 7: Der bessere Funker

Beide Modelle sind mit einem Micro-SD-Steckplatz ausgestattet. Beim Honor 7 ist er sogar hybrid ausgelegt und schluckt statt einer Speicherkarte auch eine zweite Nano-SIM. Allerdings muss man dann mit den knapp 10 GB Speicher auskommen, die ab Werk zur Verfügung stehen; das Mate S bietet hier mit 23 GB mehr als das Doppelte.

Auffällig ist, dass das Honor 7 die bessere Connectivity bietet, obwohl es deutlich weniger kostet. Die Funkeigenschaften in den UMTS- und LTE-Netzen sind geringfügig besser (wahrscheinlich, weil das Gehäuse mehr Kunststoffelemente enthält) und neben Dual-SIM wird auch WLAN im 5-GHz-Band unterstützt, während das Mate S unverständlicherweise nur im 2-GHz-Spektrum funkt. Dass dem Honor der Nahfunkstandard NFC fehlt, werden die meisten Käufer verkraften können, weil nach wie vor die praktischen Anwendungsmöglichkeiten dafür fehlen.

Mate S: Bessere Kamera

Bei der Kamera hat dagegen das Mate S die Nase vorn, was im Übrigen auch ein Beleg dafür ist, dass die Zahl der Megapixel keine Rückschlüsse auf die Bildqualität erlaubt. Denn auf dem Papier beeindruckt das Honor 7 mit einer 20 Megapixel starken Hauptkamera, während die teure Schwester mit 13 Megapixeln auskommen muss.

In der Praxis knipst allerdings das Mate S deutlich rauschärmer, auch sein Autofokus reagiert schneller und die Auslöseverzögerung ist kürzer. Die Fotos geraten schärfer und auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch viel ansehnlicher. Softwareseitig gibt es dagegen keine Unterschiede, auch die Kameraausstattung auf der Frontseite ist mit 8 Megapixeln und einem Extra- Blitzlicht für Selfies identisch.

Huawei Mate S

© Huawei

Die Kameraausstattung auf der Frontseite ist mit 8 Megapixeln und einem Extra- Blitzlicht für Selfies identisch.

Mate S: Leuchtstarkes OLED

Beide Displays bieten mit 1920 x 1080 Pixeln eine scharfe Darstellung, die auf dem Mate S mit 5,5 Zoll etwas größer ausfällt als auf dem Honor 7 mit 5,2 Zoll. Einen deutlichen Einfluss auf die Qualität hat allerdings nicht die Diagonale, sondern die Technologie dahinter: Während Huawei beim Mate S auf ein OLED setzt, das mit 428 Candela außerordentlich leuchtstark strahlt, kommt das Honor 7 mit einem LCD, das kaum heller ist, aber den deutlich höheren Schwarzwert aufweist und Inhalte daher nicht so kontrastreich wiedergeben kann. Da überrascht es kaum, dass die Darstellung auf dem Mate S in jeder Hinsicht besser ist.

Unter dem Display herrscht dagegen wieder Einigkeit. Beide Smartphones werden vom Kirin-925-Prozessor angetrieben, der von der Huawei-Tochter HiSilicon entwickelt und produziert wird. Es handelt sich um eine CPU mit acht Kernen, die nach dem big.- LITTLE-Prinzip von ARM in zwei Clustern gruppiert sind, die auf unterschiedlichen Leistungsniveaus arbeiten. Das garantiert eine hohe Energieeffizienz und gleichzeitig eine starke Performance. Zur Seite stehen der 64- Bit-CPU jeweils üppige 3 Gigabyte Arbeitsspeicher.

Schlauer Fingerabdrucksensor

Entsprechend zeigen sich auch keine Unterschiede bei der Performance und der Bedienung: Beide Geräte reagieren flott auf Eingaben und laufen im Alltag sehr stabil. Bei der Akkulaufzeit liegen beide ebenfalls gleichauf. Das liegt auch daran, dass sie mit der gleichen Software-Basis arbeiten: Über dem Android-System (Version 5.0) liegt die Huawei-Oberfläche Emui in der aktuellsten Version 3.1, die mehr an Apple als an Android erinnert, weil der bei Google übliche App-Drawer fehlt, der alle Apps in einem separaten Menü sammelt. Stattdessen werden sie wie beim iPhone direkt auf den Homescreens abgelegt.

Die Huawei-Oberfläche bietet vieles, was bei Android nicht Standard ist. So wird etwa der Fingerabdrucksensor, mit dem beide Modelle ausgestattet sind, clever von der Software in die Bedienung eingebunden. Nach dem Entsperren des Displays verwandelt er sich in ein kleines Touchpad: Streicht man von oben nach unten, gleitet die Statuszeile nach unten. Der Wisch mit dem Zeigefinger von links nach rechts in der Bildergalerie blendet das nächste Foto ein.

Emui Honor 7 und Huawei Mate S

© Hersteller

Ein Update-Client ist fester Bestandteil von Emui. Bisher hat sich Huawei hier aber nicht mit Ruhm bekleckert (links). Emui ermöglicht die volle Kontrolle über alle Apps bei Honor, auch die Hintergrundaktiviten kann man definieren (rechts).

Als Manko muss der bis dato schlechte Software-Support von Huawei genannt werden. Die Chinesen sind bekannt dafür, lieber neue Modelle auf den Markt zu bringen als die alten mit Updates zu versorgen. Die letztjährigen Topmodelle Ascend Mate 7 und Honor 6 haben erst kürzlich die Android-Version 5 erhalten – also rund ein Jahr, nachdem Google sie vorgestellt hat.

Fazit: Dicht dran

In der Summe ist das Mate S natürlich das bessere Smartphone, mit dem eleganteren Design, dem besseren Display und der ausgereifteren Kamera. Aber der Abstand zum Honor 7 ist viel geringer, als die Differenz von 300 Euro vermuten lässt.

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