Röhrenverstärker

Melody Dark 2A3 und Pure Sound 2A3 im Test

Von ihrer Sorte gibt es nur wenige: Zwei Amps eifern mit 2A3-Ur-Röhren im Gegentakt der Urform des HiFi-Verstärkers nach. Wie das klingt, verrät unser Test.

Röhrenverstärker

© Archiv

Röhrenverstärker

Bei der Entwicklung von Röhren wie der mittlerweile nicht mehr gebauten deutschen AD 1 und der reproduzierten US-Version 2A3 hieß es statt kleiner, leichter, schneller, stromlinienförmiger, schicker und so weiter einfach nur "soll ordentlich klingen". In Verbindung mit dem Wunsch nach "Single Ended Class A" tritt aber das Problem auf, dass der Wohlklang mangels Masse über übliche Boxen nicht mehr zu Tage treten kann.

Um dem entgegenzuwirken spannen die Verstärker Melody Dark 2A3 für 3700 und Pure Sound 2A3 für 2500 Euro pro Ausgang nicht nur eine, sondern zwei 2A3 im Gegentakt ein. Diese Röhren, die im Prinzip aus nichts als dem direkt geheizten, Elektronen emittierenden Kathoden-Glühfaden, dem Steuergitter und dem die Ladungen wieder auffangenden Anodenblech bestehen, laufen zwar - relativ betrachtet - bei höherem Ruhestrom als übliche EL34-Konstruktionen. Trotzdem holt die obere Triode - was den Wirkungsgrad steigert - mehr nach oben und die untere mehr nach unten aus. Das führt logischerweise zu Abweichungen vom Originalsignal, die letztlich aber keine große Rolle spielen, weil der Ausgangsübertrager hüh und hott alles wieder zu Originalschwingungen zusammenfasst. Im übrigen freut sich dieser Trafo über das Push-Pull-Prinzip: Die von den Ruheströmen hervorgerufenen Feldlinien heben sich so und so rum weitgehend auf, der Eisenkern gerät sicher nicht in magnetische Sättigung.

Vertraut Melody beim Dark auf "Normal"-2A3 von Shuguang, entschied sich Pure Sound bei der Erstbestückung für die 2A3C des gleichen Herstellers. Bei nahezu gleichem Innenleben beitzt die C-Variante einen größeren Glaskolben und darin eine stabilere Verankerung (über drei statt zwei Glimmer-Platten).

Melody

© Melody

Um die Symmetrie nicht zu stören, nimmt der Melody die XLR-Zweipolsignale mit teuren Eingangsübertragern an. Zig kleine Elkos putzen Röhren-Heizungs- und sonstige Hilfsspannungen aus.

Melody Dark 2A3

Pro

  • Röhrentypische, wunderschön fließende Wiedergabe mit intensiven Klangfarben ...

Contra

  • ... die dann und wann fast übertrieben sind.

Das 35-Kilo-Klavierlack-Geschoss von Melody beantwortet jegliche denkbaren HiFi-Quizfragen am bravourösesten: "Welche Verdrahtung klingt am besten?" Natürlich eine freitragende, sorgfältig handgelötete - und zwar mit massiven Kupferdrähten und einer Isolation, die einmal aus Firnis und dann aus frisch gewaschenem Leinengewebe besteht. Und inklusive RG-319-Teflonkoax und inklusive Keramik-Lötleisten und -Sockeln einfach so, wie Melody es vorexerziert. 100 Punkte handelt sich der von Australiern entwickelte Kandidat auch bei der Auswahl der aus Frankreich und den USA bezogenen Signalweg-Folienkondensatoren ein. 100 Punkte gibt's für die Eingangsübertrager, die symmetrische Signale nicht irgendwie, sondern artgerecht empfangen. Und wenn Melody als Kathodenwiderstände für die 2A3 nicht irgendwelche kleinen Lümmel, sondern mit dem Chassis verschraubte, hitzeverachtende Kaventsmänner nimmt, gibt es gerade nochmal 100 Zähler dazu. Wir staunen! Im BRD-Höchstkultur-TV wäre der Gewinner bei mindestens einer Million Euro angelangt.

Der Dunkelmann gibt auch schaltungstechnisch was her: Er beginnt mit einer ehrwürdigen 6SN7, deren Triodensysteme - ein Gitter wird vom Eingang/Alps-Poti, das andere über eine hauchzarte Feedback-Schleife angesteuert - als sogenannter Differenz-Amp fungieren. Dieser arbeitet dann schon im Gegentakt via 6SN7-Treiber den Endröhren zu. Stellt sich deren Arbeitspunkt simplement via Spannungsabfall an den Kathodenwiderstand ein, verlangen die 2A3 bei der Heizung Aufwand: Jeder einzelne Glühfaden greift auf seine eigene 2,5-Volt-Netztrafo-Wicklung und auf eigene Gleichrichter zurück.

Pure Sound 2A3

Pro

  • Herzhafter Klang mit erstaunlich knorrigen Bässen und bester Feinauflösung ...

Contra

  • ... aber nur an ausreichend lauten Boxen.

Da jede Kathode ihr eigenes Signal führen will, kommt auch der Amp von Pure Audio - allerdings bei Verzicht auf die Gleichrichtung - nicht um die vielen Abgriffe herum. Um besten Störabstand für die Anoden-Hochspannung bemühte sich Firmen-Chef Guy Sergant mindestens ebenso: Schleift der Melody von Silizium zurechtgehobelte Spannungen erst später mit einer Regelröhre nach, setzt Sergant lieber gleich sorgfältiger agierende Röhren-Gleichrichterdioden ein (2x5Z4P).

Und noch ein Kunstgriff, der an die gute alte Schule erinnert: Statt dem allüblichen Anodenwiderstand, der ein Gutteil der Leistung verbrennt, setzt der Engländer in seiner 6SN7-Gegentakt-Treiberstufe (die einer Eingangstriode und einem galvanisch direkt angekoppelten Phasensplitter folgt) lieber eine Drosselspule ein. Dadurch kommt zwar relativ früh eine frequenzabhängige, komplexe Größe ins Spiel. Den lieblichen Klang des kleinen, mit EL 84 bestückten Pure Sound A 10 (Test) noch im Ohr, glauben die Tester aber gern, dass Guy Sergant das Kompensationsgeschäft versteht und Profit aus der Schaltung ziehen kann.

Pure Sound

© Pure Sound

Zwecks Versorgungs-Reinigung kommt der Pure Sound mit viel weniger Elkos aus als der Melody. Dafür arbeitet er im Ausgang der Treiber mit Drosselspulen, was die Aussteuerung der 2A3 erleichtert.

Hörtest

"Kann er", ließ der Pure Sound im Hörraum vernehmen. Denn er sorgte schon nach wenigen Minuten für Erlebnisse, die ein typischer "Gut-Verstärker" unserer Tage nicht bieten kann.

Nehmen wir die jüngste Keith-Jarret-CD "Bregenz/München". "Das klingt ja super", wird ein Besucher für ein paar Sekunden applaudieren, "aber können wir jetzt nicht was anderes tun?". Bei der Wiedergabe über den Pure Sound und ebenso über den Melody wird es aber bald heißen: "Psst, Ruhe, ich muss das Stück unbedingt zu Ende hören."

Im Prinzip lässt es sich technisch wohl nie ganz erklären. Einmal wieseln halt flinke Fingersätze etüdenhaft auf und ab. Im Fall der Gegentakt-2A3-Amps tritt nun aber eine Art seelische Metamorphose ein. Plötzlich bekommt jeder einzelne Ton eine eigentümlich lebendige Farbe und eine Art kleinen Heiligenschein. Und schon beginnt das ganze wirklich zu greifen - und was sonst vielleicht nur als Geräusch erscheint, wird plötzlich als das höchste Glück empfunden. Bedenken a la "geht aber nur relativ leise", durften an den Sonics-Allegra Arbeitsmonitoren noch gelten. Gut, solche Boxen gibt es nicht viele, aber an den neuen Puls-Breitbändern von Süsskind waren die Einwände weggewischt. Herrlich groovende Bigbands mit frei durch die Tiefen pulsierenden Bässen und luftig-strahlendes Bläserblech sprachen sich für die 2A3-Mithilfe aus: Andere bürsten uns heimlich gegen den Strich, die guten alten Röhren marschieren dagegen voll mit uns mit.

Zuletzt mussten die Tester den Erfolg aber relativieren. Bei aller Symphatie: An diversen anderen Boxen schlichen sich dann doch gewisse Ausbleichungen und Verfärbungen ein. Das galt besonders für den Melody. Er erlaubte sich dann und wann, die einzelnen Musiker als zu putzig und zu weit auseinander darzustellen. Sängerinnen flöteten bei einigen Titeln so lieblich, dass schon die Schminke tropfte. Letztendlich lässt der Tester sich aber dafür schlagen: Egal ob Melody Dark 2A3 oder Pure Sound 2A3: Eine ganz, ganz tiefe Zuneigung bleibt!

Fazit

Sowohl Melody als auch Pure Sound stellen eine Reihe unterschiedlicher Röhrenverstärker her. Im Gegensatz zum universellen Astro Black 50 legten die Australier ihren 2A3-Amp wohl ganz bewusst als minimal eigenwilligen Schöngeist aus. Der Pure Sound 2A3 klingt an sich rund und warm, bleibt aber eher bei der Linie.

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