Navi-App vs. OEM-System

Welches Navi bietet die besten Verkehrsinformationen?

An das Wunschziel führen mittlerweile alle Navigationssysteme problemlos, bei der Stauumfahrung trennt sich jedoch die Spreu vom Weizen. connect hat aktuelle Apps und OEM-Systeme auf rund 1300 Kilometern getestet und zeigt, wer momentan die besten Verkehrsinformationen bietet.

Test Navigationssysteme

© connect

Die Testwagen vor der Fahrt: Mit welchem Navigationssystem kommen die Fahrer am Schnellsten ans Ziel?

Wer kennt das nicht? Da steigt man in sein Auto und bereits nach wenigen zurückgelegten Metern ertönt das von jedermann gefürchtete „Die Route wird aufgrund von Verkehrsstörungen neu berechnet“ aus den Lautsprechern des Navigationssystems. Wer über einen Routenführer mit Real Time Traffic Information verfügt (RTTI), also ein System, das Stauinformationen in Echtzeit erhält und verarbeitet, der kann zumindest etwas Hoffnung hegen, dass ihn sein Navigationssystem doch noch um den Stau herumleitet und anstehende Termine nicht verschoben werden müssen.

Doch mit Hoffen gibt sich connect wie gewohnt nicht zufrieden. Daher haben wir jeweils fünf aktuelle Navigations-Apps und fest verbaute OEM-Systeme von Automobilherstellern auf große Testfahrt geschickt. Was sich gelohnt hat, denn am Ende standen überraschende Ergebnisse.

Von Kopf bis Fuß auf Stau eingestellt

Die Termine für die Testfahrten konnten nicht stauversprechender sein, denn wir haben uns ein Zeitfenster innerhalb der Sommerferien ausgesucht, das wie jedes Jahr für ein extrem hohes Fahrzeugaufkommen auf Deutschlands Straßen und damit für höchste Staugefahr sorgt. Um es den Navigationssystemen noch einen Tick schwerer zu machen, befinden sich in der acht Etappen umfassenden Testroute „Düsseldorf - Frankfurt - Würzburg - München - Stuttgart - Karlsruhe - Bruchsal - Mainz - Köln“ mit Köln, Stuttgart, Karlsruhe und Düsseldorf gleich die Top 4 der staureichsten Städte Deutschlands 2014 (Quelle Inrix). Über mangelnde Arbeit konnten sich die Testteilnehmer also nicht beklagen.

RTTI-SYSTEME SIND KLAR IM VORTEIL

© Weka/ Archiv

Alle RTTI-Systeme wählten in dieser Stausituation zwischen Frankfurt und Würzburg die Umfahrung über die Bundesstraße B8. Die beiden TMC-Fahrzeuge blieben auf der A3 und endeten damit im Stau.

Die Durchführung des Prozederes hat connect aufgrund des immensen Testaufwandes an einen renommierten Dienstleister abgegeben. Der schickte die Navigations-Apps und OEM-Systeme an jeweils unterschiedlichen Tagen auf die Strecke, nämlich am 24. und 25. Juli sowie am 31. Juli und 1. August. Da das Stauaufkommen zu diesen Terminen natürlich nicht identisch war, sind folglich auch die Ergebnisse von Apps und OEM-Systemen nicht direkt miteinander vergleichbar. Dennoch war nach Auswertung dieser Testfahrten die Tendenz in puncto Real Time Traffic Information so eindeutig, wie es wohl niemand im Vorfeld erwarten konnte.

Hartes Programm für die zehn Testkandidaten

Bei den Tests selber spielten die Funktionalität und auch die Bedienfreundlichkeit der einzelnen Systeme eine eher untergeordnete Rolle. Priorität hatten dagegen eine möglichst schnelle Route, die zurückgelegten Kilometer und eine geringe Abweichung zur prognostizierten Ankunftszeit (ETA). Dieser Punkt ist nicht zu unterschätzen, denn eine zu optimistische Ankunftszeit setzt Fahrer psychologisch massiv unter Druck, um die Vorgabe des Navis zu erreichen. Dazu kommen noch Bewertungen für etwaige falsche Anzeigen auf freier Fahrt oder auch im Stau.

Zu diesem harten Testprogramm fanden sich Fahrzeuge von Audi, BMW, Ford, Mercedes und VW als Vertreter der OEM-Navigationssysteme sowie Apple, Google, Navigon, Tomtom und Waze als Kandidaten der App-Fraktion ein. Ford und VW waren im Test allerdings lediglich mit TMC-Empfängern für die Stauumfahrung ausgerüstet, konnten also nur die Verkehrsnachrichten über die Radiostationen auswerten. Die Gründe: Ford bietet bis heute noch keine RTTI-Option an, bei VW ließ sie sich im Testfahrzeug leider nicht aktivieren.

Stauumfahrung

© Weka/ Archiv

Im Falle eines Staus wählte Apple oftmals eine längere Route zur Umfahrung, wie hier bei einem weiteren Test. Die Ankunftszeit unterschied sich jedoch oft nicht wesentlich von der anderer Geräte.

Dies war jedoch nicht weiter dramatisch, da im Testverlauf dadurch nur noch einmal allzu deutlich wurde, wie schwach das mittlerweile veraltete TMC-System im Vergleich zu aktuellen RTTI-Lösungen abschneidet. Wer sich also beim Neukauf für das Discover Media oder Discover Pro von VW entscheidet, der sollte auch den Haken für das Car-Net-Dienstepaket „Guide & Inform“ setzen, denn dieses beinhaltet unter anderem den RTTI-Dienst.

Viele neue Erkenntnisse gewonnen

Auf der rund 1300 Kilometer langen Route sammelten wir eine Vielzahl an neuen Erkenntnissen und Informationen. Darunter auch die, dass sich die zehn Testkandidaten auf freier Strecke in den Disziplinen Fahrzeit und Wegstrecken nicht viel schenken. Welchen Routenführer man als Fahrer an Bord hat, ist also nebensächlich.

Ein echtes Highlight ist dagegen, dass Google und Apple Ampeln mit in die Stauberechnung integrieren. Auch dass Apple Staus tendenziell eher weiträumig umfährt, fällt in die Kategorie Überraschungen. Zudem wählten auf der Testfahrt Audi und Mercedes im Falle eines Staus oftmals dieselben Routen, die sich von den Umfahrungen der restlichen Kandidaten unterschieden. Dies dürfte daran liegen, dass bei beiden Autobauern Tomtom die RTTI-Daten liefert.

Navi-Screen

© Weka/ Archiv

Die teuren OEM-Systeme bieten durch die Integration ins Auto und die teils riesigen Displays einen sehr hohen Bedienkomfort. Navigations-Apps sind dagegen flexibel nutzbar – und manche bieten RTTI sogar kostenlos.

Die große Testfahrt

Soweit, so spannend. Doch wie sah das Ergebnis nach insgesamt etwa 13.000 Kilometer Fahrstrecke aus? Am Ende zeichnete sich sowohl bei den OEM-Systemen als auch bei den Navigations-Apps ein klares Ranking ab.

So konnte sich Audi den Platz an der Sonne sichern, gefolgt von BMW und Mercedes. Abgeschlagen auf den hinteren Plätzen landeten wie bereits erwartet die TMC-Systeme von VW und Ford.

Bei den Navigations-Apps gibt es dagegen eine faustdicke Überraschung zu vermelden. Nicht etwa Platzhirsch Tomtom macht hier wie von vielen erwartet das Rennen, sondern die kostenlose Lösung von Google. Google Maps bietet nach diesem Test in Sachen Stauumfahrung aktuell das beste Gesamtpaket.

Die Testkandidaten im Vergleich

Ford-Navi
Galerie
Navi-App vs. OEM-System

Welches Navigationssystem kommt am Schnellsten ans Ziel? In der Bildergalerie stellen wir Navi-Apps und fest verbaute OEM-Systeme gegenüber.

Fazit

Der Test zeigt eindeutig: Die Investition in ein Navigationssystem mit Stauinformationen in Echtzeit lohnt sich sowohl für Kilometerfresser als auch für Gelegenheitsfahrer, die den digitalen Lotsen lediglich für die Urlaubsfahrt und ein paar Verwandtenbesuche unterm Jahr anwerfen. Die Sensation ist jedoch, wie gut die Big Player Google und Apple mittlerweile beim Thema Stauumfahrung sind – und das praktisch zum Nulltarif, wenn eine Datenoption im Mobilfunkvertrag vorhanden ist. Hier haben im Test alle, auch die teils sehr teuren Systeme der Autohersteller, mehr als deutlich das Nachsehen.

Klar ist aber auch, dass man ein Navigationssystem nicht nur auf die Stauumfahrung reduzieren kann, denn im Alltag spielen Merkmale wie Bedienfreundlichkeit, Integration und Funktionalität ebenfalls eine sehr große Rolle. Zum Glück für die teuren OEM-Lösungen, die in diesen Wertungen oftmals die Nase vorne haben, denn sonst hätten sie gegen die Navi-Apps einen noch schwereren Stand als ohnehin schon.

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