Original vs. Fälschung

Original-Beats-Kopfhörer und Fälschung im Vergleich

Originale "by Dr. Dre" sind ein Verkaufserfolg. Kabel-eins-Reporter Thomas Kretschmer präsentierte uns ein China-Plagiat und drehte einen Beitrag für Abenteuer Leben. Wir haben Original und Fälschung verglichen.

Beats-Kopfhörer gegen Fälschung

© Hersteller/Archiv

Beats-Kopfhörer gegen Fälschung

Den Erfolg eines Produktes kann man wohl an der Summe seiner Plagiate messen. Es trifft nicht nur den globalen Zeitgeist, es ist auch ein zeitloses Kaufkriterium. Viele Menschen wollen einfach nur "so etwas wie das Original", aber für einen Bruchteil der Kosten.

Kabel-eins-Redakteur Thomas Kretschmer ging in Hongkong auf Plagiat-Jagd und entdeckte dort die Fälschung des aktuell meistzitierten Kopfhörers auf dem Markt: Beats Studio von Dr. Dre. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 300 Euro, der Straßenpreis bei ca. 250 Euro. Immer noch viel Geld für die meist jugendliche Zielgruppe. Kretschmer erwarb den "Fake" direkt in Hongkong. Dort ist er sogar für umgerechnet 15 Euro zu haben! Bei eBay gibt es die Studio-Kopie für noch günstige 50 Euro inklusive Versand. Bekommt man für ein Sechstel des Originalpreises nun die gleiche Qualität?

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Beats-Kopfhörer gegen Fälschung
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Kabel-eins-Reporter Thomas Kretschmer hat uns ein Plagiat der Beats-Kopfhörer aus Asien mitgebracht, um es mit dem Original zu vergleichen.

Der erste Eindruck

Pro

  • leise Mechanik
  • Aktiv-Elektronik

Contra

  • eigenwillige Abstimmung

Als Kretschmer die Verpackung hervorzieht, bin ich erst einmal überrascht: Die stabile Box, der Aufdruck und das Verpackungsdesign sind täuschend echt nachgeahmt. Aus der Blistereinlage befreit, drückt mir Kretschmer das Plagiat in die Hand: "Der ist doch nicht allzu schlecht gemacht, oder?" Ja schon, aber viele Details stimmen hier einfach nicht. Vor allem wird ein echter Beats-Fan sofort das "gefakete" Logo erkennen.

Kaufberatung: Die besten Kopfhörer unter 300 Euro

Doch für den Preis - wer will da meckern? Was aber wirklich fehlt, ist die Aktiv-Elektronik, erkennbar am Schieberegler auf der rechten Muschel. Damit bleibt die Kopie ein reiner Passivhörer ohne Geräuschkompensation. Ohne Batterien ist er zwar sehr leicht, lässt sich aber nur widerwillig an den Kopf anpassen. Immerhin ist er genauso faltbar und bringt das gleiche Zubehör mit.

Beats und Klang

Das Wichtigste bleibt der Klang. Ich bin skeptisch, weil schon das Original eine eigenwillige Abstimmung aufweist: wenig Tiefbass und übertriebene Brillanz. Wozu? Der Bass pumpt zwar ordentlich, klingt jedoch hohl. Bassdrums fehlt es an Direktheit. Akustische Instrumente tönen nach Metall und Plastik. Stimmen wirken zu fokussiert. Ich fühle mich wie in einer stark bedämpften Taucherglocke.

Hörtest: Beats-Fake gegen Beats

Pro

  • leicht

Contra

  • grobe Rasterung
  • detailarm und unausgewogen

So viel vorweg, beim Hörvergleich hatte ich keine Ahnung vom späteren Messergebnis. Zunächst fällt auf, wie leise der Beats-Fake ist. Kein Wunder: passiv gegen aktiv. Der erste Höreindruck ist aber noch schlechter als erwartet. Da fehlt so einiges. Es klingt dröhnig, stumpf und detailarm. Doch interessanterweise bessert sich der Eindruck, je länger ich zuhöre. Nach einer Weile denke ich, er klingt doch fast besser als das Original; zwar weniger frisch, aber insgesamt richtiger und mit tieferem Bass.

Den Entwicklern ist ja eigentlich bekannt, dass ein menschliches Ohr bei etwa 4 kHz bis zu 15 Dezibel verstärkt und bei 12 kHz noch mal 8 db hinzukommen. Gut, das kann der Fake-Hörer nicht perfekt ausgleichen. Im Mittel bleibt er detailarm und so unausgewogen, dass Klassik- und Jazz-Hörer lieber Abstand nehmen sollten. Pop, Folk, Soul wird wohl gehen. Doch Rock? Dafür fehlt es an Prägnanz.

Warum aber Musikrichtungen abwägen? Ab 60 Euro bekommt man schon sehr viel bessere Mobilhörer wie den Sennheiser PX 200 II oder einen beyerdynamic DTX 501p. Hoher Tragekomfort, Klangtreue, Transparenz und Basskraft sind in dieser Preisklasse kein Hexenwerk. Der Beats-Fake ist so gesehen kein Angebot, das Original aber noch viel weniger.

Asia-Fake-Check: Der TV-Beitrag aus der Sendereihe Abenteuer Leben von Kabel Eins ist online auf www.kabeleins.de verfügbar.

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