Netztest Deutschland

Telekom

Nach Kundenzahlen gehört die Telekom neben Vodafone zu den großen Netzbetreibern in Deutschland. Jahrelang waren die beiden Unternehmen auf einen Zweikampf um den Netztest-Sieg abonniert. Kann die Telekom angesichts eines massiven Netzausbaus durch O2 den Status quo behaupten?

Telefonieren

Dass die Telekom Erfolg hat, lässt sich an den Kundenzahlen genauso ablesen wie am jahrelangen iPhone-Exklusiv-Vertrag mit Apple. Zusammen haben beide Unternehmen das mobile Internet hierzulande in die Breite getragen. Ob damit auch die Vorreiterrolle bei der Qualität einhergeht?

Bei der Telefonie fallen die im Vergleich zu O2 und Vodafone geringeren Erfolgsraten in den Städten auf. Die Messdaten zeigen, dass diese überdurchschnittlich oft durch Fehler beim Gesprächsaufbau zum Handy verursacht werden. Da ein Handy für ein ankommendes Gespräch zunächst gefunden werden muss, sind beim Mobilfunk eingehende Anrufe fehlerträchtiger als selbst initiierte. Der Fachmann spricht von MTC (Mobile Terminated Call) und MOC (Mobile Orginated Call). Im neuen Testmodus mit Mobile-To-Mobile-Verbindung besitzt naturgemäß jedes Gespräch eine MTC- und eine MOC-Komponente.

Auf dem Land liegt die Telekom in der Zuverlässigkeit mit Vodafone und E-Plus auf Augenhöhe, nur O2 kann sich absetzen. Wobei man die höheren Erfolgsraten von O2 genau wie die von E-Plus differenziert betrachten muss: Ist bei einem GSM-Gespräch die Verbindung zwischen Basis und Handy bei der Telekom für mehr als circa 12 Sekunden stark gestört, wird sie unterbrochen; E-Plus lässt sich dafür etwa 14 Sekunden Zeit, O2 um die 18. So werden bei der Telekom öfter Verbindungsabrüche registriert, während bei den beiden anderen längere Sequenzen gestörter Verbindung zu verminderter Sprachqualität führen. Qualitativ zeigt die Telekom höchstes Niveau - doch das ändert nichts an der Tatsache, dass sie beim Telefonieren knapp hinter Vodafone auf Platz 3 landet.

Datenübertragungen

Können die Bonner den Rückstand bei den Datendiensten aufholen? Die Ergebnisse beim Internet-Seitenaufruf sind typisch für das Bild, dass die Netztester von der Telekom gewannen. Da wären zunächst die sehr schnellen Zeiten zu nennen, in denen die Internet-Testseiten geladen waren. Vodafone war hier noch etwas flinker, doch mit der Performance der Telekom dürften auch ungeduldige Surfer zufrieden sein. Wenn nicht eine hohe Fehlerrate den Erfolg trüben würde: Bei fast drei von hundert Seiten ging der Download schief.

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© Archiv

Auch bei den anderen Transfermessungen sind geringe Erfolgsraten zu beobachten. Nach Analyse der Verbindungsprotokolle diagnostizierten die Spezialisten von P3 communications, dass der Verbindungsaufbau zu dem für die Datentransferoptimierung zuständigen Proxy-Server zunächst meist anstandslos klappte. Doch danach wurde die IP-Verbindung sporadisch einfach wieder gekappt. Ob hier der Proxy-Server beteiligt war oder etwa eine dahinterliegenden Firewall, ist unklar. In sehr wenigen Fällen führte die Unterbrechung zu Folgefehlern, da nicht vor jeder Einzelmessung ein Verbindungsab- und -wiederaufbau erfolgte. Für Telekom-Nutzer, die blockierte Datentransfers bemerken, empfiehlt sich genau dieser Neuaufbau der Verbindung.

Abgesehen vom Stabilitätsproblem zeigte die Telekom bei allen Tempomessungen außer beim FTP-Upload in der Stadt höhere Datenraten als etwa O2. Dabei fiel auf, dass die Bonner mit Spitzenwerten von 12 Mbit/s zum Teil auf Rekordniveau agierten, gleichzeitig wird bei vier Prozent der Messungen nur UMTS mit weniger als 384 kbit/s erreicht; bei Vodafone sind das weniger als 0,4 Prozent. Das spiegeln auch die Messungen der Breitbandverfügbarkeit wider, wo sehr hohe Transferraten mit nur durchschnittlicher Verfügbarkeit einher gehen.   

Fazit

Mit Vodafone war schon immer zu rechnen, doch jetzt hat sich auch O2 mit massiven Investitionen nach vorn katapultiert. Da darf sich die Telekom eigentlich keine Schwäche erlauben. Doch in diesem Jahr ist ihr das bei der Erreichbarkeit beim Telefonieren und bei der Stabilität der aufgebauten IP-Verbindungen passiert - und schon ist sie im Netztest auf Platz 3 gerutscht. Die Messungen zeigen aber auch, dass die Funkversorgung als solche stabil ist. Mit Spitzendatenraten von 12 Mbit/s erreicht die Telekom zudem an einzelnen Orten Rekordniveau, was sich auch bei den Datentransferraten beim Breitbanddownload in der Stadt niederschlägt. Doch kleine Schwächen werden in einem sehr konkurrenzfähigen Umfeld sofort bestraft, deshalb reicht es in diesem Jahr nur für Platz 3. 

connect-Urteil: gut (378 Punkte) 

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