Vergleichstest

Test: Vier edle Standboxen zwischen 1900 und 3200 Euro

Dänemark, Deutschland, England und Frankreich - die großen europäischen Boxenbau-Nationen waren einst für eigenwillige Klang-Philosophien bekannt. Doch die Zeiten ändern sich: Auf der AUDIO-Bühne vertraten vier Kandidaten von ASW, Cabasse, Dynaudio und Monitor Audio ihre Länder mit überraschend internationaler Abstimmung - aber durchweg stilvoll und mit Würde.

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Der Lautsprechermarkt kennt seit jeher eine Treue zu Marken und Nationalitäten. Da macht auch die europäische Boxengeneration 2011 keine Ausnahme - die deutsche Firma ASW gehört mit beinahe 25-jähriger Tradition hier eindeutig zu den jüngeren Marken im Segment.

Mit diesen CDs wurde gehört

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Mit diesen CDs wurde gehört: Petr Eben: Symphonia Gregoriana (Feltz; Oehms): Die Kombi Orgel plus Orchester treibt der tschechische Komponist zu wahrer Meisterschaft. Er verbindet alte Strukturen mit Zeitgenössischem - und klanglich brilliert die SACD in Stereo wie Surround.

Bereits seit 1977 bauen die Dänen von Dynaudio ihre Lautsprecher und betonen gern die Andersartigkeit ihrer Klangphilosophie und Technologie. Doch damit sind auch sie immer noch verhältnismäßig jung im Vergleich zu Cabasse - seit 1950 existiert die von Georges Cabasse gegründete Firma.

Nur durch wirklich individuelle technische Lösungen kann man sich in der heutigen Zeit im Markt noch abheben - da haben die Franzosen mit ihrer Punktschall-Technologie ebensowenig Mühe wie der englische Traditionshersteller Monitor Audio, der bei seiner neuen Gold-Serie auf Bändchen-Hochtöner setzt.

Mit diesen CDs wurde gehört

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The Rocky Horror Show (Roxy Cast): Die Neuaufnahme von 1989 wurde deutlich rockiger, schneller und dynamischer produziert als der ältere Film-Soundtrack. Mit Meat Loaf und Tim Curry glänzen zwei "Originale", doch dem Sound merkt man den Zahn seiner Zeit zuweilen an.

Doch letztlich ist wichtig, wie ein Lautsprecher klingt. Und ohne den konkreten Testergebnissen vorzugreifen: Klischees über landesspezifisches Sounding gehören der Vergangenheit an. Die Boxen 2011 sind individuell, aber alle international und ausgewogen.

Messen und Hören

Der Unterschied in den Gehäusevolumina schlägt sich meist im Maximalpegel wieder. So erreicht die stämmige Cabasse sensationelle 115 Dezibel, die sehr schlanke Monitor Audio noch praxistaugliche 103 Dezibel - sie geht aber subjektiv durch ihren sauberen Mitteltöner lauter. ASW und Dynaudio reihen sich mit 107 bzw. 106,5 Dezibel im oberen Bereich ihrer Klasse ein.

Beim Tiefgang ist offensichtlich keiner der Hersteller einen Kompromiss eingegangen. Selbst die sehr schlanke Monitor Audio erklimmt den Basskeller bis 35 Hz, wobei sie mit der ASW, die mit 30 Hz den besten Wert erreicht, auf Augenhöhe liegt.

Noch ein dritter Wert wird vom Gehäusevolumen indirekt bestimmt: der Kennschalldruck, also jener Schalldruck, den ein Lautsprecher aus einem zugeführten Signal von 2V erreicht. Hier spielt die Cabasse mit über 88 Dezibel ihre Vorteile voll aus, womit sie sich auch für leistungsschwächere, aber nicht zu instabile Röhren und Vintage-Verstärker empfiehlt.

ASW und Monitor Audio setzen jedes Watt zwar nicht ganz so effektiv in Schalldruck um, machen es dafür dem Verstärker mit einer weitgehend linearisierten Impedanz besonders leicht und sind vor allem bei weniger stabilen Verstärkern, die Impedanz-schwankungen mit Verfärbungen quittieren, oft die erste Wahl.

Die Dynaudio dagegen punktet mit geringen Phasendrehungen, was wiederum andere Verstärker goutieren. Insgesamt ist das messtechnische Niveau der Kandidaten hervorragend.

Fazit

Kennen Sie auch noch die Zeiten, wo man den deutschen Boxen automatisch "Taunus-Sound" unterstellte, den amerikanischen einen aufgeblähten Bass und den englischen eine mittenlastige Tonalität? Ehrlich gesagt: Mir waren solche Geschmacksabstimmungen schon immer suspekt. Mit der einen CD klang es beeindruckend, mit der nächsten gruslig.Zum Glück sind diese Zeiten vorbei: Tonal sind die vier so verschiedenen Kandidaten alle auf der ausgewogenen Seite und lassen keinerlei Rückschlüsse mehr auf ihre Herkunft zu. Das bedeutet aber nicht, dass alle gleich klängen!

Die Cabasse etwa punktet mit einer schier unglaublichen Spielfreude und Dynamik, die sie mit einer sensationellen Abbildung kombiniert.

Die ASW spielt ebenfalls räumlich weit und beeindruckend, wendet sich aber eher an Freunde eines kultivierten Klanges, die mit dem Taunus-Sound so gar nichts anfangen können.

Als Perle in diesem Test erwies sich die Monitor Audio , die nicht nur unglaublich locker jede Musikrichtung beherrscht, sondern auch den Traum von erwachsenem Klang bei wohnzimmerfreundlichen Maßen wahr macht.

Die Dynaudio spielt fein und groß, aber betont unaufdringlich - und ist damit die einzige Box im Feld, die der Philosophie ihres Landes wirklich treu bleibt.Waren es womöglich die Dänen, die schon vor 30 Jahren richtig lagen?

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